Eine Designweek hat zehn Tage – nach Wiener Zeitrechnung. Genug, um überall in der Stadt Design aufpoppen und ins Auge springen zu lassen. Ganz schön geballt platzen da die Ideen, Projekte, Ausstellungen und Veranstaltungen aus dem Sammelbecken heraus, das die Organisatoren emsig befüllt haben. Als hätte die Designszene ein Jahr lang die Luft angehalten, um dann umso aufgeregter Wien und der Welt zu zeigen, wozu sie tatsächlich imstande ist. Und das einerseits dort, wo man die Designer ohnehin vermutet hätte – bei Möbelherstellern wie Wittmann, Kohlmaier und Traditionsmanufakturen wie Lobmeyr oder Balakowits. Aber auch dort, wo man Design kaum für möglich gehalten hätte. In der Fleischerei Sterkl etwa, bei der auf den „Passionswegen“, einem der Festivalformate, zwei Passionen aufeinandertreffen. Die für gute Wurst und die für gutes Design. Das versucht das Linzer Duo March Gut am Brunnenmarkt in Ottakring gemeinsam mit der Wurst auf einen Präsentierteller zu bringen.
Die Vienna Design Week versucht auch, kreativ dort zu beatmen, wo sich das Leben nicht ganz so offensichtlich regt. In diesem Jahr hat sie deshalb links und rechts der Ottakringerstraße besonders viel Programm und überraschende Zugänge aufgefädelt. Designerin Matilda Krzykowski lernte etwa bei Norbert Meier, wie Bürsten und Pinsel von Hand entstehen. Und wie Schmuck aus Horn gemacht wird, bei der Petz Hornmanufaktur. Auch eine der letzten ihrer Art. Unweit davon zieht die Festivalzentrale ins Gschwandner. Ein Haus, das lange vergnügtes Etablissement war und danach noch länger friedlich vor sich hin schlummerte. Jetzt kommt die Immobilie in ihre spannendste Lebensphase: Zwischennutzung heißt sie.
Und da kommt die Vienna Design Week gerade recht. Auch mit ihren Ausstellungen, die dort zu sehen sind. Und einem Pop-up-Café, das Thonet zeitgemäß möbliert. Mit dem Stuhl 107 des österreichischen Designers Robert Stadler. Andernorts verbiegt das Design-Trio Breaded Escalope ein paar der Thonet-Bugholz-Konventionen. Als hätte gerade rechtzeitig das Design-Zeitalter „Individualisierung“ auch im Wiener Stilwerk eingeschlagen. „Misfits revisited: Create your own Thonet“ heißt das Projekt, bei dem Ausschussteile zu Objekten werden, neuen Sinn und Zweck bekommen. Wieviel Wien auch in der Vienna Design Week stecken mag: Die internationalen Gäste sind mindestens ebenso wichtig. Diesmal kommt Spanien als Gastland. Und präsentiert sich etwa mit dem Designer Oscar Diaz auf den Passionswegen für das Wiener Start-up-Unternehmen Lightglass. Oder auch mit dem Grafikdesign-Studio El ultimo grio im „Labor“ im Project Space Karlsplatz. Auch Hadi Teherani schaut für einen Talk im Künstlerhaus-Kino vorbei. Der Teppichhersteller Vorwerk hat ihn eingeladen. Und noch ein prominenter Name hat zugesagt: Vito Acchoni, der Künstler, Architekt und Designer. Schließlich sitzt er in der Jury für den Design Award der Neuen Wiener Werkstätten. (Die Verleihung findet am 28. September statt.) Und beim „MAK Design Summit“ am 2. Oktober geht‘s darum, wie smart, gesund, beweglich Design die Menschen in Zukunft machen könnte.





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