Anvisiert: Bezirke mit Potenzial

09.11.2012 | 18:40 |  MARGRET GROIER (Die Presse)

Die Stadt verändert sich – und in Wien rücken bisher vernachlässigte Lagen und die Außenbezirke immer stärker in den Fokus.

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Lage, Lage, Lage – aber was ist mit der Mikrolage? Die sollte man bei der Suche nach einer neuen Wohnung keinesfalls außer Acht lassen, rät Sandra Bauernfeind, Leitung Wohnimmobilien bei EHL Immobilien. War zum Beispiel die Gegend rund um den Karmelitermarkt vor Jahren noch wenig einladend, ist sie heute hip und angesagt. Das lässt sich allerdings nicht auf die gesamte Leopoldstadt übertragen, denn das Stuwerviertel wird nicht mit denselben Attributen versehen. Noch nicht, denn der Countdown für den Umzug der Wirtschaftsuniversität Wien an den neuen Standort läuft, „dadurch wird sich hier einiges entwickeln“, so Bauernfeind.

 

Mit guten Aussichten

Potenzial hat auch der 15. Bezirk rund um die Westbahnhof City. „In den Paralellstraßen zur Felberstraße gibt es tolle Objekte, die zwar Reparaturbedarf haben, die ersten Studenten, Lokale und Unternehmen sind aber schon da“, erzählt Martin Müller, Geschäftsführer von JP Immobilien. Im 16. Bezirk streicht Robert Buxbaum, Leiter Wohnimmobilien und Zinshäuser bei Otto Immobilien, die Gegend vom Yppenplatz stadtauswärts hervor. „Hier entstehen einige neue Projekte und es ist auch verstärkte Nachfrage einer österreichischen Klientel zu beobachten, da Wohnen hier noch leistbar ist.“ „Der Trend geht in Richtung Hernalser Hauptstraße“, bestätigt Müller. Auch wer ins Grüne möchte, sich Döbling aber nicht leisten kann, wird im 16. und angrenzenden 17. Bezirk fündig: Die Lagen mit Blick über die Stadt brauchen den Vergleich mit den klassischen Nobelbezirken nicht zu scheuen.

 

In der Stadt und über der Donau

Die nach wie vor beliebtesten innerstädtischen Bezirke sind der sechste, siebte, achte und neunte, so Bauernfeind. Hier kommen sich allerdings Angebot und Nachfrage in die Quere, „da diese Bezirke auch zu den kleinsten in Wien zählen“. Müller ergänzt die Liste um die Bezirke zwei bis fünf, wobei er das größte Potenzial in den kommenden zehn Jahren im Dritten rund um das Arsenal und im Vierten im Elisabethviertel sieht. Bei der Nachfrage muss man laut Müller zwischen „Können und Wollen unterscheiden. Oft genügt schon der kurze Weg über den Gürtel, und man zahlt weniger.“

Auch die Verlängerungen der U-Bahn-Linien sorgen dafür, dass einstmals abgelegene und wenig prestigeträchtige Bezirke Wiens näher an die Innenstadt und damit ins Blickfeld von Wohnungsuchenden und Entwicklern rücken und rücken werden.

Als „Zukunftsbezirke“ nennt Bauernfeind die Donaustadt und Floridsdorf. „Hier gibt es genügend Flächenreserven und keine natürlichen Begrenzungen wie zum Beispiel den Wienerwald.“ Rund um den Kagraner Platz entsteht ein neues Wohnumfeld, das dank der U1 direkt mit dem Stephansplatz verbunden ist. Abgesehen von der Seestadt Aspern werden in den kommenden Jahren auch einige Projekte „zwischen 5000 und 10.000 Quadratmetern realisiert werden“, meint Buxbaum.

Viele Entwickler haben den Mangel an leistbarem Wohnraum erkannt, und neben gemeinnützigen werden zusehends mehr erschwingliche Projekte auf frei finanzierter Basis errichtet, so Buxbaum. Auch hier sind die Bezirke über der Donau ein gutes Beispiel. Dass die Nachfrage weiter steigen wird, darüber ist man sich in der Branche einig. Die Bevölkerungsentwicklung zeigt, dass immer mehr Menschen nach Wien ziehen, wo sich – bedingt durch veränderte Lebensmodelle und steigende Lebenserwartung – verstärkt kleinere beziehungsweise Singlehaushalte bilden.

 

Service für Wohnungsuchende

Einen kompakten Überblick über das aktuelle Angebot erhalten Wohnungsuchende an diesem Wochenende auf der Ersten Wohnmesse. Egal, ob innerhalb oder außerhalb des Gürtels, am Donaukanal oder über der Donau, Miete oder Kauf, Luxuswohnung oder Objekte für Familien – rund 25 Aussteller präsentieren im MAK in Wien ihr Portfolio.

Zusätzlich kann man sich über Finanzierungsformen und Förderungen informieren. Ebenfalls beantwortet werden rechtliche Fragen rund um die Anschaffung einer Immobilie.

Erste Wohnmesse

Wann: 11.November 2012,
von 10 bis 18 Uhr

Wo: MAK, Eingang Weiskirchnerstraße3, 1010 Wien

Programm: Rund 25 Aussteller geben einen Überblick über die aktuellen Wohnangebote in Wien und Umgebung. Experten der Erste Bank und S-Bausparkasse informieren über die passende Finanzierungsform. Der Eintritt ist frei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 10.11.2012)

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