Konstruktion: Betriebe aus dem Baukasten

Modulgebäude haben einen schlechten Ruf. Sie gelten als unästhetisch und „billig“ und werden höchstens als Zwischenlösung genutzt. Es geht aber auch anders.

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Konstruktion Betriebe Baukasten – (c) Walter Ebenhofer

Das Krankenhaus Mödling verfügt seit Mitte 2011 über einen unscheinbaren dreistöckigen Verwaltungszubau, der sich rein optisch kaum vom übrigen Gebäudekomplex unterscheidet. Erst bei genauerem Hinsehen wird der modulare Aufbau ersichtlich, die metallene Außenbeplankung, das fehlende Fundament. Tatsächlich handelt es sich um ein Objekt, das ursprünglich aus einer Kombination von 65 Containern errichtet und im heurigen Frühjahr mit weiteren 16 Stück auf rund 1200 Quadratmeter erweitert wurde. Verbunden sind die einzelnen Container mit Stiegen- und Gangmodulen, die im Inneren den Eindruck eines zusammenhängenden Gebäudes mit einer durchaus passablen Büroatmosphäre entstehen lassen.

 

Unterschätztes Potenzial

„Das Beispiel zeigt, dass die Einsatzgebiete von Containern mittlerweile weit über das hinausgehen, womit man sie gemeinhin gleichsetzt“, erklärt Wolfgang Lang, Mitglied der Geschäftsführung der Containex Container Handelsgesellschaft mit Sitz in Wiener Neustadt. Nachgefragt werden solche Lösungen in allen Sparten der Industrie, bei Gewerbebetrieben, im Bau- und Dienstleistungssektor, „überall dort, wo schneller, zusätzlicher Raumbedarf besteht und Flexibilität gefragt ist“. Die schnelle Verfügbarkeit – ein solches Modulgebäude ist laut Lang innerhalb von vier Wochen einsatzbereit – und die variablen Kombinations- und Erweiterungsmöglichkeiten sind denn auch die wesentlichen Argumente, mit denen ein Festbau nicht mithalten kann. „Hinzu kommen Kostenvorteile von rund einem Drittel“, ergänzt der Geschäftsführer. Von den Auftraggebern würden solche Raumlösungen in der Regel allerdings als temporäre Maßnahmen angesehen, auch wenn sie in der hochwertigsten Ausstattung mit ausgefeilter Haustechnik und einer Wärmedämmung angeboten werden, die fast schon Niedrigenergiehaus-Standard erreiche, wie Lang betont.

Als Zwischenlösung gilt auch das Modulgebäude, in dem seit 2007 die Verwaltung des Bezirksgerichts Salzburg untergebracht ist. Obwohl diese Büroräume generell einen höheren Standard aufweisen als im alten Gebäude, werden die Beamten wieder ins Justizzentrum rückübersiedeln, sobald dessen Ausbau abgeschlossen ist. „Bei Betriebserweiterungen bzw. größerem Platzbedarf setzt man in Österreich nach wie vor auf den klassischen Festbau. Modulbauten begegnet man im Gegensatz zu Ländern wie Deutschland hingegen nach wie vor mit großer Skepsis“, bedauert Erich Grillitsch, Geschäftsführender Gesellschafter von Modutec, einem Anbieter schlüsselfertiger Systembauten in Kärnten. Grillitsch schmerzt das umso mehr, als er bereits seit einigen Jahren versucht, modulare Bausysteme, die auf eine permanente Nutzung ausgerichtet sind, auf dem österreichischen Markt zu platzieren. Diese gehen weit über gängige Containerlösungen hinaus und sind für die unterschiedlichsten gewerblichen und industriellen Einsatzgebiete konzipiert. Büroräume lassen sich damit genauso realisieren wie Produktions- oder Logistikhallen. „Gegenüber Festbauten gibt es dabei kaum mehr Abstriche, weder bei der individuellen Fassadengestaltung noch bei der Haustechnik oder der Energieeffizienz“, betont Grillitsch.

 

Rehabilitation mit Holz

Den Beweis hierfür haben auch die Architekten von Poppe*Prehal angetreten. Das Architekturbüro hat ein Holzmodulsystem entwickelt, das sich „eco2building“ nennt und 2009 erstmals im Rahmen einer Logistikhalle mit mehr als 2600 m2 Nutzfläche für die Eine Welt Handel AG im steirischen Niklasdorf umgesetzt wurde. „Modulbauten haben den Ruf, unästhetisch und ,billig‘ zu sein. Mit unserem System wollten wir das Gegenteil beweisen“, sagt Helmut Poppe. Und das scheint ihnen auch gelungen zu sein. Das mit industriell vorgefertigten und modular aufgebauten Holzbauelementen realisierte Gebäude sieht nicht nur gut aus, auch die Energiekosten konnten im Vergleich zu konventionellen Industriegebäuden um rund 90Prozent reduziert werden. Dafür gab es 2010 eine Nominierung für den Österreichischen Staatspreis für Architektur und Nachhaltigkeit.

Auf einen Blick

Wesentliche Vorteile der Modulbauweise bestehen in der Kostensicherheit, in der höheren Qualität der Werkstoffe und der Bauzeit, die sich um rund ein Drittel reduziert.

Auch bei der Energieeffizienz muss man keine Abstriche machen: Der Logistiker Schachinger etwa errichtet derzeit im oberösterreichischen Hörsching eine 10.000 m2 große Lagerhalle nach dem Baukastenprinzip, die nach ihrer Fertigstellung die weltweit erste Logistik-Immobilie mit Green-&-Blue-Building-Anspruch sein wird. Die Fertigstellung ist für September geplant – nach nur sechsmonatiger Bauzeit.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2013)

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