Das richtige Stück Grün

An die 10.000 Grundstücke wechseln in Österreich jährlich den Besitzer. Auf dem Weg von der Besichtigung bis zum Ausheben der Baugrube gibt es einige wichtige Punkte zu klären.

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Endlich: Ein schönes Grundstück ist gefunden, aber erfüllt es alle Versprechungen? Etliche Fragen müssen noch geklärt werden. Bereits vor der Besichtigung ist es ratsam, den Flächenwidmungs- und Bebauungsplan einzusehen. Ersterer definiert, wie ein Grundstück genutzt oder ob überhaupt gebaut werden darf. Auch die Widmung der angrenzenden Grundstücke zu kennen schützt vor späteren bösen Überraschungen. Der Bebauungsplan wiederum gibt vor, wie hoch, wie nah zum Nachbarn und in welchen Teil des Grundstücks gebaut werden darf, ebenso die erlaubte Farbe und Neigung des Daches. Dann sollte man sich an einen Experten wenden: „Ich schaue mir relativ oft mit Klienten Grundstücke an“, erzählt Architekt Gerhard Binder von t-hoch-n. Da sehe man gleich, ob die Vorgaben des Bauherrn dort wirklich umsetzbar sind. Experten klären zudem wichtige Details ab, an die der Bauherr vermutlich nicht denkt – etwa, ob schwere Fahrzeuge zur Baustelle zufahren können. Oder sie überprüfen, ob die sichtbaren Grundstückgrenzen mit jenen im Plan übereinstimmen, erklärt Daniel Richter, Experte für Immobilienrecht bei Dorda Brugger Jordis. „Unter Umständen könnten Nachbarn durch langjährige Nutzung Rechte am Grundstück erworben haben“, so Richter.

Seriöse Immobilienmakler stellen bei der Erstbesichtigung alle Informationen von sich aus dem Interessenten zur Verfügung, erklärt Bernhard Reikersdorfer, Geschäftsführer von Remax Austria. Dazu gehört eine Standortanalyse, die zeigt, ob Altlasten vorliegen, ob etwa der Boden durch eine vorige Nutzung beeinträchtigt wurde. Ein Makler sollte informieren, ob das Grundstück erschlossen ist, Anschlüsse an Strom, Wasser und Kanalisation vorhanden sind. „Die Kosten, die für eine nachträgliche Erschließung anfallen können, sind für viele Käufer ein Schock“, so Binder.

Er rät bei der Besichtigung auf die Ausrichtung zu achten, denn Nordlagen mit wenig Sonne erfordern eine andere Bebauung. Auch Baumbestand und Nachbarhäuser gilt es zu berücksichtigen. Und bei Hanglagen soll man klären, ob Rutschungen drohen, wenn die Grube ausgehoben wird. „Eine nachträgliche Baugrubensicherung kann bis zu 100.000 Euro an Mehrkosten verursachen“, weiß Binder.

Vor der Abgabe eines Kaufangebots ist der Blick ins Grundbuch quasi Pflicht „um sich einen Überblick über Belastungen zu verschaffen“, rät Richter. Dienstbarkeiten wie Strom-, Kanalleitungs-, Geh- oder Fahrrechte müssen in der Regel übernommen werden, können aber eventuell die Bebaubarkeit einschränken. Pfandrechte würden dagegen bei der Eigentumsübertragung üblicherweise gelöscht. „Bei der Abgabe eines verbindlichen Kaufangebots ohne Bedingungen ist man daran gebunden“, warnt Richter. „Der Verkäufer hat dann die Möglichkeit, den Verkauf rechtlich durchzusetzen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.02.2014)

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