Lange Zeit war es recht ruhig auf dem Wiener Villenmarkt, nun scheint Bewegung in das Segment zu kommen. Einerseits sind, so Eggert Koch von Dr. Koch Traumrealitäten, „auch hier im letzten Jahr die Preise auffällig gestiegen“ – in anderen internationalen Metropolen haben sie schon längst zugelegt. Andererseits gibt es neue Verkäufer und frische Kaufinteressierte. Auf den Markt kommen etwa immer öfter Objekte, die von ihren Besitzern zugunsten einer Wohnung in der Innenstadt veräußert werden. „Vom Grünbezirk in die Stadt“ umreißt Richard Buxbaum, Leiter des Bereichs Wohnimmobilien bei NAI Otto diesen Trend. Ehepaare, die bis dato am Rand der Stadt residierten, verzichten vermehrt auf Villa und Garten, um sich zentrumsnah niederzulassen. „Viele nützen diesen Zeitpunkt, um zu verkaufen und für den erzielten Preis ein Penthaus zu erwerben“, bemerkt auch ÖRAG-Vorstand Stefan Brezovich. Damit werden zumindest einige der begehrten Objekte wieder dem Markt zugeführt.
Interessenten aus ganz Europa
Und die potenziellen Käufer sind bereit, viel Geld für eines der raren Objekte auszugeben. Die meisten von ihnen kommen aus Österreich – auch wenn in den letzten Monaten immer wieder von „russischen Oligarchen“ die Rede war, die jede Villa in und um Wien aufkaufen.
Natürlich bringe die Ostöffnung Wien auch in dieser Hinsicht sehr viel, aber als Käufer interessiert seien Vertreter vieler Herren Länder, meint Buxbaum. „Mittlerweile kommt ganz Europa gerne nach Wien. Iren, Franzosen, Engländer – und eben auch Russen.“ Durch die Internationalisierung der Wirtschaft in Europa gebe es eine junge, sehr erfolgreiche und wohlhabende Generation von Unternehmern und Wirtschaftsleuten, die bereit ist, für privates Wohnen hohe Summen auszugeben. Und das gilt genauso für Österreicher“, sagt auch Brezovich.
Was Iren, Russen und Wiener eint: Wer viel Geld fürs Wohnen ausgibt, will eine entsprechende Qualität und „sobald ein Objekt wesentliche Nachteile aufweist, gibt es Probleme in der Verwertung“, weiß Marschall. „Vor ein paar Jahren noch hat es eine gewisse Klientel gegeben, die bereit war, Kompromisse einzugehen. Aber die ist jetzt verschwunden.“ Ein schlecht geschnittener Grundriss – auch so etwas gibt es bei Villen – ist beispielweise solch ein Manko, ebenso ein Nachbarhaus, das zu nahe am eigenen Grundstück steht, oder eine verkehrsreiche Straße vor dem schmiedeeisernen Gartentor.
Eine große Familie und Hauspersonal sind (neben dem entsprechenden Geld) ebenso Gründe eine Villa zu kaufen, wie die Sicherheit – Villen lassen sich besser abschirmen. Da in Wien und Umgebung die Kriminalitätsrate im Vergleich zu den meisten Großstädten Europas gering ist, geht es allerdings mehr um die subjektiven als um die objektiven Sicherheitsvorstellungen der Interessenten. Brezovich: „Viele Leute, die Villen kaufen, haben Auslandserfahrung und sie sind zum Teil ganz andere Risken gewohnt als es sie bei uns gibt. Sie übertragen aber die Sicherheitsvorkehrungen auch nach Wien.“
Alternativen in Niederösterreich
Was sich an der Nachfrage nicht verändert hat, sind die bevorzugten Gegenden. „Gesucht wird im 19. Wiener Bezirk, im 18. und natürlich im 13.“, so Brezovich, „aber auch in Teilen des 17. und 16. Bezirks.“
Ist Wien zu teuer, geht man in Niederösterreich auf die Suche. „In Klosterneuburg sind die Villen um rund 30 Prozent billiger als in Wien“, erklärt Eggert Koch. Die Nachfrage außerhalb der Stadt beschränkt sich aber nicht auf den nördlichen Bereich. Das Gleiche gilt zum Beispiel auch für Baden und Perchtoldsdorf. Interessenten, die aus einer internationalen Metropole kommen, sind ganz andere Entfernungen gewohnt. „Für diese liegt Klosterneuburg eigentlich in der Stadt“, so Brezovich.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2007)