Historische Objekte: Residieren in Häusern mit Geschichte

Wohnen im Dunstkreis der Hofburg, der Dogen und der Hochkultur.

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Wir wollen, dass die Käufer unserer Wohnungen beim Munterwerden wissen, sie sind in Wien“, sagt Anna Steurer, Büroleiterin der Real-Treuhand Immobilien über die 15 Luxuswohnungen, die derzeit im geschichtsträchtigen Haus Ecke Nibelungengasse/Babenbergerstraße, dem Projekt Am Kaiserforum entstehen. Deshalb hat man sich bewusst dafür entschieden, in den zwölf Wohnungen der Regelgeschoße – die Dachmaisonetten werden ein cooleres, modernes Ambiente erhalten – den Charme der Vergangenheit zu neuem Leben zu erwecken. In dem Objekt finden sich Eichenparkett in Fischgrätoptik samt Fries auf der Fußbodenheizung, Stuckleisten unter der Deckenkühlung und in den Bädern traditionelle Kreuzarmaturen als Standards. Und das kommt offenbar an, bisher hat es noch bei keinem Kaufabschluss Sonderwünsche gegeben – die in diesem Segment natürlich klaglos erfüllt würden. „Die Kunden wollen's wienerisch“, ist Steurer überzeugt, und viel wienerischer geht es auch nur schwer. Das viergeschoßige Eckhaus findet sich im Herzen der Stadt, es wurde im Rahmen des Ausbaus des Hofburg-Ensembles 1870 als repräsentativer Wohnraum für die Aristokratie mitgeplant. Das markanteste äußere Merkmal des Ferdinand-Fellner-Baus ist der runde Eckrisalit, im Inneren wird sich nach der Fertigstellung 2015 gediegene neue Wiener Klassik auf dem technischen Niveau der Gegenwart finden. Nach den Adaptionen darf sich das Haus über mehr Außenfläche freuen: Im Zuge der Generalsanierung bekommen die meisten Wohnungen einen Balkon dazu. Zwischen 160 m2 in den unteren Etagen und bis zu 250 m2 in den Dachgeschoßwohnungen stehen hier zum Verkauf. Die Preise reichen von 9360 bis 15.496 Euro/m2.

 

Palazzo in Venedig

Was Fischgrät- oder Sternparkett für Wien, ist der Terrazzoboden für das luxuriöse Venedig. Und so gut, wie sich edles Parkett mit modernem Design verträgt, passt der Terrazzo zur modernen Interpretation gediegener italienischer Eleganz. Ein gelungenes Beispiel dafür ist die Adaptierung des Palazzo Molin, die im Vorjahr den Preis für das beste europäische Restaurierungsprojekt bei den International Property Awards gewonnen hat. Hinter der gotischen Fassade haben die Mailänder Designer von Culti eine zeitgenössische Inneneinrichtung für die klassisch-venezianischen Räume geschaffen, sorgen Annehmlichkeiten wie ein Concierge-Service, eine direkte Zufahrt vom Wasser aus und ein Gemeinschaftsgarten für modernen Komfort. 18 Wohnungen sind in dem Palazzo aus dem 15. Jahrhundert entstanden, der mit seiner Lage direkt am Canal Grande fraglos als prominente Adresse gelten darf. Herzstück ist das Apartment im Piano Nobile – dem venezianischen Gegenstück zur Beletage – das mit sechs Meter hohen Decken und drei Balkonen derzeit um knapp fünf Millionen Euro von Sotheby's International Realty angeboten wird. Und mit einem prominenten Vormieter aufwarten kann. 1771 logierte Wolfgang Amadeus Mozart im Alter von 15 Jahren während seiner Italienreise im Palazzo Molin und ließ sich hier inspirieren: Der Legende nach hat der Besitzer – ein gewisser Graf Francesco Faletti Castelmar von Turin – als Vorlage für den Charakter des Don Giovanni gedient.

Ein anderer Ort, bei dem ein Stück (Musik-)Geschichte miterworben werden kann, ist die derzeit zum Kauf stehende Furtwängler-Villa „Basset Coulon“. Das Anwesen stammt aus dem 18. Jahrhundert. Es wird über Christie's International Real Estate angeboten, liegt oberhalb von Montreux und hat einen 7500 Quadratmeter großen Garten mit Blick über den Genfer See. Im Erdgeschoß finden sich drei Salons, im ersten Stock zusätzlich ein eleganter Musiksalon und ein Wintergarten. Dazu kommen zehn Schlafzimmer, sechs Bäder und ein Weinkeller. Die Familie Furtwängler ist bis heute im Besitz des Anwesens, Wilhelm Furtwängler selbst lebte von 1944 bis 1954 in Montreux. Zu haben ist das Anwesen für knapp sechs Millionen Euro, ein Stück Zeitgeschichte inklusive. (sma)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.05.2014)

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