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Raumgestaltung: Wege zur Erleuchtung

05.09.2008 | 18:38 |  NORBERT PHILIPP (Die Presse)

Planer entdecken die neuen Möglichkeiten des Lichts – die ästhetischen und physiologischen.

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Licht ist eine Wissenschaft. Man muss nicht Albert Einstein heißen, um das zu erkennen. Es genügt, ein ambitionierter Innenarchitekt zu sein. Oder ein kreativer Lichtplaner. Oder schlicht jemand, der zuhause mit Licht mehr machen möchte, als es täglich nur an- und auszuknipsen.

Früher erwarteten die Menschen vom Licht vor allem eins: Helligkeit. Heute verlangen wir viel mehr: Es soll stimulieren, aktivieren, entspannen, gleichzeitig Räume akzentuieren und dekorieren. Und tatsächlich: Licht kann all das, erzeugt Wow-Effekte und Wohlfühlatmosphäre, lässt in unserem Körper die Hormone kreisen. Und hellt unsere Stimmung auf. Ein, aus – klick, klack – das war früher in den Wohnungen. Heutzutage wird immer mehr gedimmt. Manuell oder wer's exklusiver und teurer will, auch automatisch per Lichtsensor oder Tastendruck. Das Licht beleuchtet auch nicht bloß den Raum, es inszeniert ihn, mit „Ambient Lightning“. Je nach Raumfunktion, Tageszeit oder je nachdem, wer zum Abendessen kommt.

„Heute will man Stimmungen erzeugen“, erzählt Innenarchitektin Sabine Urbanek. Das Konzept dazu sollte man allerdings gedanklich früh genug einbauen. „Allerspätestens vor den Elektroinstallationen.“ Besser aber noch früher: „Wenn der Grundriss vorliegt, sollten die Kunden anrufen“, sagt Stephen Löwenstein, Geschäftsführer von Löwenstein home Comfort. Als „Smart Home Planer“ verknüpft er Licht mit allem, „was in der Wohnung im Normalfall ein Kabel hat.“ Drückt man im Heimkino auf „Pause“, dimmt sich das Licht hoch wie in der Theaterpause. Und klingelt's an der Tür, ist der Vorraum schon erhellt. Auch zum Abendessen wird natürlich die passende Lichtszene serviert. In jedem Fall: Das Lichtkonzept geht nur auf, wenn die richtigen Leuchtkörper an den richtigen Stellen strahlen. Dabei werden „immer mehr Stehlampen und Wandleuchten verwendet“, erzählt Urbanek, „viele verzichten schon ganz auf Deckenlicht.“ Manche dafür nicht auf den Boden: Leuchten, die „ganz flach im Bodenbelag eingebaut sind“ erzeugen zwar wenig Helligkeit, aber dekorative Lichtpunkte, wie Urbanek meint.

 

Ausgedient

Neue Technologien knipsen der traditionellen Glühbirne allmählich das Licht aus. Das Leuchtmittel der Stunde und der Zukunft hört auf drei Buchstaben: LED. Der einzige Schatten: Die Anschaffung kostet ungefähr fünfmal so viel wie eine Glühbirne. Doch die Wirtschaftlichkeit scheint alles zu überstrahlen. „Die mittlere Brenndauer beträgt etwa 100.000 Stunden“, erzählt Katharina Franke, Geschäftsführerin von Franke Leuchten. Im Vergleich: Die Glühbirne erlischt nach 1000 Stunden. Dioden wechseln ist deshalb im Beleuchtungskonzept meist gar nicht vorgesehen. „Eher wird der Leuchtkörper gewechselt – die Lampe im landläufigen Sinn“ erzählt Franke. Dazu ist die „Lichtausbeute“ von LED viel höher als bei herkömmlichen Leuchtmitteln. „Drei Watt LED entspricht ungefähr 20 Watt Halogen“, rechnet Franke vor. Als Raumlicht tauge die Technik allerdings nur bedingt, eher für Effekte. Denn LED gebe nicht das ganze Lichtspektrum ab, im Gegensatz zu Glühbirnen. „Das könnte sich jedoch bald ändern, in zwei bis vier Jahren“, schätzt Franke „genauso wie die hohen Anschaffungskosten.“ Aber das Leuchtmittel ist nicht allein entscheidend für den Effekt. „Auch das Oberflächenmaterial entscheidet“, erklärt Marcus Canazei, Wahrnehmungspsychologe vom Lichtlabor Bartenbach. „Man benutzt die Wand als Reflektor und moduliert so das Licht.“ Steuern lassen sich natürlich auch die physiologischen Effekte: Am Abend weckt man die Schlafhormone, mit warmem Licht. Ein paar Stunden später stimuliert man den Körper sanft zum Aufwachen. Was sich etwa das „Wake-up-Light“ zunutze macht, das das Licht nach oben dimmt, bis man die Augen aufschlägt. „Aktivierend ist vor allem blaues Licht“, berichtet Canazei. So weit die Wissenschaft. Bleibt noch der persönliche Geschmack. Schließlich haben „Lampen“ heute ganz neue Formen: Lichtsegel spannen sich über Decken, Licht-skulpturen setzen Akzente, und großflächige Lichtpaneele zieren Wände wie Bilder. „Sehr dekorativ“, urteilt Sabine Urbanek. Aber das Licht sollte sich auch in den Alltag integrieren, meint Löwenstein, „schließlich kann man Kunstwerke an den Wänden auch nicht einfach ausschalten.“

LICHTBILDUNG

Licht und Farbkongress
Fr. 26. 9.–27. 9.2008, Europahalle Wieselburg; www.lichtundfarbe.at

Lichtakademie Bartenbach
Universitätslehrgang zum „Master of Light and Lightning“. Semesterbeginn: 29. 9. 2008 in Aldrans/Innsbruck; www.lichtakademie.at [Fotolia, Franke Leuchten]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.09.2008)

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