Creative Industries: Networking in der Kaffeeküche

Das durchschnittliche Unternehmen ist klein. Dadurch wächst die Nachfrage nach Gemeinschaftsbüros.

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(c) AP (Christof Stache)

Dass in den Mingo-Büros nahe beim Wiener Westbahnhof vielleicht öfter gefeiert wird als anderswo, stört die Chefs keineswegs. Schließlich sind die, die dort feiern, meist ihre eigenen Chefs. Das Projekt ist eines von sechs Start-up-Centern des Wiener Wirtschaftsförderungsfonds. Klein- und Kleinstunternehmen finden dort preisgünstige Arbeitsplätze und dazu die notwendige Infrastruktur von der Rezeption über Besprechungsräume bis zur Kaffeeküche.

 

Kreative Nester

Besonders Vertreter der Creative Industries fühlen sich durch dieses Angebot angezogen, wie Mario Stoiber meint. Seine PR-Agentur Himbeere sitzt im Mingo-Haus auf der Mariahilfer Straße. Die Feste und Treffen in der Kaffeeküche dienen nicht nur der Entspannung: „Man kommt sich auch geschäftlich näher.“ Stoibers Kleinagentur arbeitet mit einer Grafikerin im gleichen Haus zusammen, projektweise auch mit anderen Kleinstunternehmen.

Solche Kooperationen sind typisch für Büroprojekte der Kreativwirtschaft: „Wir managen eine Community. Bei uns entstehen Partnerschaften für Projekte oder auch längere Geschäftsbeziehungen“, sagt Stefan Leitner-Sidl von Konnex über die Bürostandorte Schraubenfabrik, Hutfabrik und Rochuspark, die explizit ihre Zielgruppe mit kreativen Kleinstunternehmen definieren. Durch einen Freund entdeckte er vor sechs Jahren die alte Schraubenfabrik im Wiener Karmeliterviertel. Ideal für sein eigenes Unternehmen, nur eine Nummer zu groß. Die ersten Untermieter waren ein Notlösung, heute ist es ein Geschäftsmodell, so Leitner-Sidl. Mittlerweile gibt es in den drei Konnex-Standorten zusammen an die 90 Arbeitsplätze. Aus der Kreativwirtschaft kommen 80 Prozent der Mieter. Die Kosten pro Arbeitsplatz im Großraumbüro liegen zwischen 250 und 350 Euro. Inkludiert sind nicht nur die komplette Arbeitsinfrastruktur, sondern auch das postindustrielle Flair sowie das Community-Feeling, in dem sich kreative Kleinunternehmen so gerne entfalten.

 

Community mit Anschluss

Konnex plant die Vernetzung mit ähnlichen Initiativen in anderen Ländern: „Wenn einer unserer Mieter in Berlin einen Job hat, geht er zu unserem Partner, stellt dort seinen Laptop auf und kann arbeiten“, erklärt Leitner-Sidl.

Die Anbieter klassischer servicierter Büroflächen haben die Kreativen ebenfalls als Zielgruppe für sich entdeckt. Die Bena-Gruppe betreibt an vier Standorten in Wien Büroarbeitsplätze inklusive Infrastruktur. Schon bis zu 20 Prozent der Mieter gehören zur Kreativszene, wie Geschäftsführer Alexander Varendorff meint. Auch temporäre Arbeitsplätze können in den Bena-Standorten gemietet werden. Was allen entgegenkommt, die Arbeitsplatz und Büroinfrastruktur nur ein, zwei Tage in der Woche nutzen wollen.

Veränderung, Erneuerung, Fluktuation sind für Unternehmen der Creative Industries oft ganz selbstverständlich. Darum erwarten die Kleinunternehmer diese Flexibilität auch von ihren Büros. In der Regel können Büroarbeitsplätze kurzfristig gekündigt werden oder auch erweitert, wenn etwa ein Großauftrag den Bedarf nach Flächen und Manpower steigen lässt.

Für alle, denen ihr Home-Office zu eng oder zu einsam wird, hat Anita Posch eine Internet-Plattform ins Leben gerufen. Auf www.raumdirekt.com wollen ungenutzte Büroarbeitsplätze gefunden werden. „Es ist eine Suchmaschine für kreative Arbeitsplätze in temporären Bürogemeinschaften, Projektbüros, Werkstätten und Geschäftslokalen“, erläutert Posch.

Arbeitsräume

Suchmaschine:www.raumdirekt.com

Schraubenfabrik, Hutfabrik, Rochuspark: Büros mit Community-Feeling und Infrastruktur. Ein Platz im Großraumbüro kostet zwischen 250 und 350 Euro.

Die Bena-Gruppe bietet an vier Standorten in Wien servicierte Büroflächen. Kosten ab 350 Euro monatlichfür Einzelarbeitsplätze.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.12.2008)

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