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Ohne Ruß und Rauch geht's auch

09.01.2009 | 18:49 | CHRISTINA MERL UND ASTRID MÜLLNER (Die Presse)

Nicht jeder Kamin braucht einen Schornstein.

Kein Holz, das beim Verbrennen knackt und knistert, kein Geruch nach Wald und Harz, kein wärmender Fixpunkt an kalten Wintertagen. Für Vertreter der klassischen Kaminschule sind die neuen Produkte, die ganz ohne Scheite auskommen, wohl nichts. Warm ums Herz wird es beim Thema Designkamine wahrscheinlich aber jenen, die sich Besseres vorstellen können, als Holz zu schleppen, Ruß zu schaufeln und nach Geräuchtertem zu duften.

Denn anders als ihre hölzernen Kollegen funktionieren diese mit Bioethanol, Brenngelen oder -pasten – und diese machen die Wärmespender rauch- und rußfrei. Geeignet sind sie daher auch für Besitzer von Wohnungen und Häusern, die bislang auf Feuerstätten verzichten mussten, weil kein Rauchfang zur Verfügung stand. Und weil sie nicht an einen Schornstein gebunden sind, kann man sie nach Belieben auf- und umstellen, sie machen einen Wohnungswechsel mit, manche lassen sich sogar an die Wand hängen. Für diese Kamine ohne Schornstein gelten auch nicht die behördlichen Auflagen, wie sie bei herkömmlichen Kaminöfen berücksichtigt werden müssen, es ist nicht nötig, Bestätigungen vom Rauchfangkehrer einzuholen.

Kein Rauch, kein Ruß, keine Formalitäten, kein fester Platz: Kein Wunder, dass diese Feuerstellen in unserer flexiblen Welt immer beliebter werden – Hersteller und Verkäufer verzeichnen gerade in den letzten Jahren eine steigende Nachfrage. Das Angebot zieht entsprechend nach: Von coolen Wärmespendern aus Edelstahl und Glas bis hin zu eher rustikalen Kaminen reicht die Palette.

 

Guter Stand, geprüfte Sicherheit

Klingt alles leicht und locker – einige Dinge gilt es aber auch bei diesen Kaminen zu beachten: Feuer ist schließlich Feuer. Neben dem Standort – nicht neben Materialien wie Vorhängen oder Stofftapeten positionieren – sei außerdem die Bauweise wichtig, sagt Harald Nohava von der Feuerhaus Ofenhandel GmbH. „Man sollte sichergehen, dass der Kamin stabil ist, einen guten Stand hat.“ So manche Billigprodukte seien klein und entsprechend wackelig.

Auch Georg Eitzenberger von der Kamin-Design GmbH in Ingolstadt warnt vor vermeintlichen Schnäppchen: „Diese sind häufig nicht sicherheitsgeprüft, oft werden sogar gefälschte TÜV-Berichte, CE-Zeichen oder GS-Zertifikate vorgelegt.“ Was hingegen die Brandgefahr betrifft, gibt Nohava Entwarnung: „Sie ist nicht höher, als wenn man Kerzen anzündet. Ursache für einen Brand ist zumeist Unachtsamkeit.“

 

Fürs Auge, nicht fürs Börsl

Eine Entlastung für das Heizbudget sollten sich Deko-Kamin-Besitzer in spe nicht erwarten: Die Stücke erfreuen eher das Auge, als dass sie die Räume erwärmen. „Der Wirkungsgrad ist gering“, bestätigt Nohava, „eine Alternative zur Heizung ist ein derartiges Produkt sicher nicht.“ Für die einen vielleicht ein Wermutstropfen, für andere, etwa Passivhausbesitzer, durchaus ein Vorteil: Schließlich würde ein herkömmlicher Holzofen ihr Zuhause unangenehm aufheizen, die Designvariante hingegen lässt auch in solchen Bauten Feuerstellenromantik aufkommen.

Hin und wieder zu lüften, wenn der Kamin in Betrieb ist oder war, raten Experten sowohl den Passivhausbewohnern als auch anderen Heizern. Wegen des Raumklimas müsse man sich, so Eitzenberger, keine Sorgen machen. „Bei der Verbrennung von Bioethanol werden keine Schadstoffe freigesetzt, es entstehen lediglich Wasserdampf und Kohlendioxid – wie beim Ausatmen.“

Brennpasten oder -gele sind häufig mit Zusätzen versehen, die ein schöneres Flammenbild bewirken sollen, hier empfiehlt es sich, bewusst die Fenster hin und wieder zu öffnen.

Dass das Feuer in diversen Rottönen, Orangenoten und Gelbnuancen lodert und nicht nur – wie beim Rechaud oder dem Fonduetopf – blau schimmert, dafür sorgt aber auch die Brennkammer des Kamins, meist aus Edelstahl gefertigt. Hier zahlt es sich aus, auf Qualität zu achten, schließlich garantiert diese „eine gute Durchlüftung, das Flammenbild wird ansprechender“, erklärt Nohava. Bei der Lagerung der Brennmittel empfiehlt es sich, sie keinen warmen oder heißen Temperaturen auszusetzen.

 

In allen Preisklassen

Die Kosten für diese Kamine variieren – wie auch das Angebot – stark. Die Preise reichen von rund 100 Euro für Billigprodukte bis hin zu mehreren tausend Euro für edle Designerstücke. Ab 800, 900 Euro kann man mit einem qualitativ guten, optisch ansprechenden Kamin rechnen. Für die Brennflüssigkeiten nennt Nohava ein Preisbeispiel: Ein hochwertiges Produkt kostet je Liter an die fünf Euro, dafür kann man zwei bis zweieinhalb Stunden ins Feuer schauen.

www.feuerhaus.at, www.blomus.com,
www.kamin-design.com


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