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Büros für jede Konjunkturlage

23.01.2009 | 19:30 |  BEATE LAMMER (Die Presse)

Office-Center sind für Unternehmen geeignet, die noch nicht wissen, ob sie wachsen oder schrumpfen. Zum Repräsentieren sind sie allerdings weniger gut.

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Mehr als 30.000 Personen haben 2008 in Österreich ein neues Unternehmen gegründet. Und standen vor der Frage, ob sie ein Büro anmieten sollen, in ein Office-Center oder einen Office-Park mit vielen Gemeinschaftseinrichtungen und Serviceangeboten ziehen – oder von der eigenen Wohnung aus arbeiten sollen. Letzteres passiert in Österreich häufig. Rein statistisch arbeiten in neu gegründeten Unternehmen inklusive der Gründer selbst 1,5 Personen. Oft zu wenige, um ein Büro anzumieten.

„30 Prozent der Unternehmensgründer arbeiten ausschließlich zu Hause“, sagt Harry Gatterer, Chef der Jungen Wirtschaft Österreich. Weitere 50 Prozent arbeiten zumindest zeitweise in den privaten vier Wänden. Gatterer sieht Handlungsbedarf im Steuerrecht: Derzeit können die Aufwendungen für den Arbeitsplatz in der Wohnung nur dann steuerlich geltend gemacht werden, wenn ein Zimmer zur Gänze und ausschließlich betrieblich genützt wird.

Wer ein Büro mietet, bezahlt in Wien je nach Lage und Ausstattung zwischen fünf und 23 Euro pro Monat und Quadratmeter. Dazu kommen weitere Kosten– nicht nur für Strom und EDV, sondern auch für die Konferenzräume, die man bei Bedarf anmieten muss, oder für den Farbkopierer, den man nur zwei Mal im Monat braucht. In Office-Centern kann man das mitbenutzen.

 

Steuerberater im Haus...

Allerdings sind solche Bürohäuser teurer als das Zimmer in der eigenen Wohnung. Bei Bena, einem Anbieter für Büros mit Dienstleistungsangebot, ist man ab 350 bis 400 Euro pro Monat dabei. „Das umfasst den Bürobetrieb für ein bis zwei Mitarbeiter sowie die Gratisnutzung der Konferenzräume“, sagt Bena-Geschäftsführer Alexander Varendorff. Wer Parkplätze, Buchhaltung oder Steuerberatung in Anspruch nehmen will, muss tiefer in die Tasche greifen.

Ein Vorteil von Office-Centern gegenüber eigenen, alleinstehenden Büros ist die Flexibilität: Bei Bedarf kann man rasch und auch kurzfristig neue Fläche dazumieten. Das ist für Firmen mit schwankendem Mitarbeiterstand praktisch. „Office-Center sind vor allem für junge Unternehmen geeignet, die noch nicht wissen, wie stark sie wachsen“, sagt Örag-Geschäftsführer Stefan Brezovich. Varendorff ortet einen weiteren Trend: Zu seinen Kunden zählen zunehmend Exmanager, die ihren alten Job verloren haben und jetzt eine eigene Firma gründen. „Vor allem im Finanzsektor passiert das derzeit häufig“, stellt er fest.

 

... aber kein großes Logo

Wer viel Wert aufs Repräsentieren legt, ist mit einem eigenen Büro oder Haus besser dran. Dort kann man an der Fassade oder im Eingangsbereich sichtbar sein Firmenlogo anbringen. „Die Kunden von Banken und Rechtsanwaltskanzleien würden sich auch nicht so wohlfühlen, wenn sie ein Office-Center besuchen müssten“, meint Brezovich.

Weniger repräsentativ, aber für größere Unternehmen geeignet, sind Office-Parks. Sie bieten auch Lagerflächen an, die man je nach Bedarf vergrößern und verkleinern kann. Solche Gebäudekomplexe finden sich meist in der Nähe von Flughäfen und ziehen Software-Firmen, produktionsnahe Betriebe und Töchter internationaler Konzerne an. Die Flughafennähe hat aber auch einen Nachteil, stellt Oskar Winkler, Immobilienexperte in der Anwaltskanzlei DLA Piper Weiss-Tessbach, fest: Lokale Mitarbeiter finden es wenig attraktiv, täglich zum Flughafen pendeln zu müssen.

„In Wien hat sich diese Idee nicht so durchgesetzt wie etwa in München“, stellt Winkler fest. Einen Vorteil gegenüber dem eigenen Bürohaus haben Office-Parks aber auch: Dank der höheren Fluktuation in Office-Parks und Office-Centern ist es leichter möglich zu expandieren, ohne gleich umziehen zu müssen.

Das erste Büro

Unternehmensgründer wissen häufig nicht, wie sich ihr Markt entwickeln wird und wie stark sie expandieren können. In einem Office-Center können sie relativ rasch Fläche dazumieten oder abgeben. Auch kann man bei Bedarf auf Konferenzräume unterschiedlicher Größe, Farbkopierer oder die Steuerberatung im Haus zurückgreifen.

Der Nachteil von Office-Centernist, dass sie weniger repräsentativ sind als das eigene Büro, wo man sein Logo sichtbarer anbringen kann. Für Banken oder große Anwaltskanzleien sind sie daher weniger attraktiv.

Ein Drittel der Neugründer in Österreich arbeitet ausschließlich in der eigenen Wohnung, weitere 50 Prozent tun das zumindest teilweise.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.01.2009)

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