„Living Kitchen“: Küchenpsychologie

Das Event „Living Kitchen“ in Köln bewies wieder einmal: Man trifft sich eben in der Küche.

Ortsverbunden. „Genius Loci“ vom Hersteller Valcucine verbirgt auch ein paar Gestaltungsgeheimnisse.
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Ortsverbunden. „Genius Loci“ vom Hersteller Valcucine verbirgt auch ein paar Gestaltungsgeheimnisse.
Ortsverbunden. „Genius Loci“ vom Hersteller Valcucine verbirgt auch ein paar Gestaltungsgeheimnisse. – (c) Beigestellt

Die Küche hat Kräfte: magnetische oder magische, ganz egal. Jedenfalls wirkt sie anziehend, alle wollen irgendwie hin, schauen, angreifen, Türen aufmachen, Laden herausziehen, Laden zurückgleiten lassen, Arbeitsplatten fühlen, Knöpfe drücken, in Kühlschränke hineinschauen. Vielleicht Ur­­instinkt, vielleicht Hype. Die ausufernde technologische und gestalterische Entwicklung rund um die archaische Feuerstelle hat die Küche grundlegend transformiert: vom Funktionsraum und Arbeitsplatz zum Ort, einem, an dem man sich versammelt, an dem man Rituale

Kochlabor. K-Lab von Ernestomed: offene Metallstrukturen, die zur Küchenwerkstatt werden.
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Kochlabor. K-Lab von Ernestomed: offene Metallstrukturen, die zur Küchenwerkstatt werden.
Kochlabor. K-Lab von Ernestomed: offene Metallstrukturen, die zur Küchenwerkstatt werden. – (c) Beigestellt
zelebriert – vom gemeinsamen Gemüseschnippeln bis zum gemeinsamen Espresso-Crema-Begutachten. Die Küche ist längst die Zeremonienhalle des Wohnens geworden. In anderen Räumen wohnt man, in der Küche zelebriert man. Und das Design macht mit. Von der Industriehallenanmutung bis zur romantischen Werkstattatmosphäre lassen die Küchenhersteller Charme und Gestaltungswillen in verschiedensten Nuancen versprühen. Von ganz schön roh bis ziemlich verspielt. Doch das Feld, in dem die Küche am meisten Blicke auf sich zieht, bei einem „internationalen Küchenevent“, wie sich der Möbelmessen-Sidekick „Living Kitchen“ in Köln selbst nennt, ist die technische Aufrüstung: Vernetzung, intelligente Steuerung, smartes Küchenmanagement – die Küche mag aussehen wie eine Werkstatt, unter der Oberfläche wird sie zum Hightech-Labor. In der Küche haben sich duftende Rosmarin-Gewürz-Natürlichkeit und glattgeleckte Maschinenästhetik gern.

Auf und zu. Versteckte Ordnungen, raffinierte Systeme: Küchen, die überraschen.
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Auf und zu. Versteckte Ordnungen, raffinierte Systeme: Küchen, die überraschen.
Auf und zu. Versteckte Ordnungen, raffinierte Systeme: Küchen, die überraschen. – (c) Beigestellt

Farbwelten. Die Küche war lange Zeit ein gestalterisch recht monochromes Revier, in dem Eleganz und Extravaganz sich eher im Material als in der Wahl der Oberflächenfarben ausformulierten. Denn die Angst vor dem Sattsehen war bislang größer als vor dem Sattwerden. Die Küchenplaner hatten da immer ein besänftigendes Wort auf den Lippen: „Nehmen Sie lieber etwas Neutrales.“ Inzwischen besinnen sich ja sämtliche Wohnräume ihrer Oberflächen und lassen dort auch Farbe zu. In den Küchen geht’s scheinbar jetzt erst los. Der Hersteller Leicht etwa scheute sich nicht, das Farbschema, das Le Corbusier entwickelte hatte, zu bemühen. Und der Hersteller Grohe fasst die Küchenarmaturen jetzt auch visuell etwas weiter als in gängigem Chrom. Schrille Farben von Grün bis Orange setzen tröpfchenweise Buntflecken in allzu sterile Küchenästhetiken.

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