Fairway to Heaven

Tee-Time. Der Markt für Golfimmobilien in Österreich ist überschaubar, in südlichen Gefilden gibt es ein Überangebot. Die Infrastruktur entscheidet über die Attraktivität eines Objekts. von Elke Jauk-Offner

Den Golfplatz „direkt vor der Haustür“, das kann man bei Golfimmobilien wörtlich nehmen. Ihre Käuferschicht ist klar definiert, ähnlich wie die engen Grenzen, die in Österreich diesem Marktsegment gesetzt sind. Interessenten scheuen daher auch nicht den Blick über die Landesgrenzen hinaus: Ferien- und Zweitwohnsitze am Green sind vor allem in Spanien, Portugal, aber auch in Südfrankreich und Sardinien ein Thema. Seit Kurzem ebenso in Ungarn und Kroatien. Was alle Golfresorts, unabhängig von den Ländern, gemeinsam haben: Ein Konzept, das hochwertiges Wohnungseigentum mit einem Designer-Golfplatz im Vorgarten verbindet. Und diesen hat im besten Fall eine wahre Golflegende entworfen.

„In Spanien werden riesige landwirtschaftliche Flächen um rund zwei Euro pro Quadratmeter gekauft. Dann wird zur Wertsteigerung ein Golfplatz errichtet, und die Quadratmeterpreise schnellen auf 200 Euro hinauf“, analysiert Christian Herzog von Herzog Immoblien die Marktsituation auf der Iberischen Halbinsel. Meist ist ein langfristig ausgerichteter Service in diesen Projekten nicht vorgesehen. Doch gerade die Infrastruktur mit Hotels und Restaurants, Wellness- und Sporteinrichtungen mache ein qualitativ hochwertiges Golfimmobilienprojekt aus, so Herzog. „Derzeit gibt es in Spanien derartige Objekte in jeder beliebigen Größe.“ Ein Überangebot, das „einen reinen Käufermarkt geschaffen hat“, so Herzog, „die Preise liegen heuer international um 30 bis 40Prozent unter jenen von 2007“.


Amerikanischer Akzent

Die gehobene Klientel sucht bei Golfimmobilien zumeist ein Feriendomizil als Zweit- oder Drittwohnsitz. Die österreichischen Resorts fallen dabei jedoch etwas aus dem Rahmen: Im Wohnpark Fontana vor den Toren Wiens haben laut Manfred Rottensteiner, Geschäftsführer der Fontana Sportanlagen GmbH, drei Viertel der Bewohner ihren Hauptwohnsitz. Der Magna-Konzern von Frank Stronach hat hier nach amerikanischem Vorbild eine weitläufige Golf- und Wohnanlage samt Infrastruktur ins Green gesetzt, „Little America“ in Oberwaltersdorf. Nur etwa die Hälfte seien allerdings Golfer, die Bewohnerschaft reiche von der Jungfamilie bis zum Pensionisten, so Rottensteiner. Die Wohneinheiten werden laufend erweitert. Gerade erst wurden zwölf zusätzliche Appartements fertiggestellt, zwölf weitere werden bis Ende 2010 errichtet. Die Kosten bewegen sich zwischen 300.000 und 700.000 Euro. In Zukunft sollen außerdem bis zu 50 Grundstücke zu Quadratmeterpreisen von rund 200 Euro angeboten werden. Die Eigentümer können dann in Eigenregie ihr Domizil im Wohnpark Fontana bauen. Die einzige Vorgabe: Der architektonische Fontana-Stil muss gewahrt werden.

„Ausverkauft“ heißt es im Golfresort Kremstal: Die 31 Wohneinheiten in der Größe von 60 bis 120 Quadratmetern fanden für 140.000 bis 250.000 Euro allesamt Käufer, die aus Wien genauso wie aus München stammen. Auch hier hat die Hälfte der Eigentümer ihren Hauptwohnsitz angemeldet. Ein neues Projekt ist bereits in Ausarbeitung und soll im nächsten Jahr präsentiert und spätestens 2011 errichtet werden, erzählt Jill Obermayr, Geschäftsführer der Golf Immobilien GmbH. Auch in Bad Waltersdorf ziehen gerade die ersten der neuen Eigentümer in die „Spa & Golf Residenzen“, die insgesamt 42 Einheiten umfassen. Michael Knesewitsch vom Projektmanagement will „bis Ende des Jahres rund 30Prozent verkauft haben“. In unmittelbarer Nachbarschaft zum Falkensteiner „Hotel & Spa Bad Waltersdorf“ setzt man auf die Kombination von Golf, Wellness und Hotelservice. Die Preise für die Appartements starten bei knapp 200.000 Euro.


„Immer-Green“ im Süden

Wer beim Wohnen den Blick aufs Green schätzt, möchte den Golfplatz vor der Tür natürlich auch gerne das ganze Jahr nützen. Das milde Klima im Süden lockt daher die Golfer besonders. Die Entwicklungsgesellschaft „Polaris World“ setzt gleich ganze Städtchen in die Landschaft: In der Region Murcia im Südosten Spaniens wurden acht Resorts rund um insgesamt neun Golfplätze errichtet, die Jack Nicklaus entworfen hat. Appartements inklusive Mitgliedschaft sind dort ab 120.000 Euro zu haben.

Die Preise für Villen steigen je nach Exklusivität eines Resorts in Höhen bis zu zwei Millionen Euro und mehr – wie bei einem aktuellen Projekt auf Mallorca, berichtet Peter Marschall von Marschall Immobilien. Im obersten Luxussegment agiert auch Donald Trump: In Cap Cana in der Dominikanischen Republik lässt er ein exklusives Ferienwohnprojekt inklusive Golfplätzen auf einem Areal von 120 Quadratkilometern errichten. Die Bauparzellen wurden zu Preisen zwischen vier und 13 Millionen Dollar verkauft.

Was ein Golfresort attraktiv macht, ist das Zusammenspiel von mehreren Komponenten: „Legendäre Golfplatz-Designer sind ein Zugpferd“, sagt Marschall, „die Präsenz eines schicken Hotels, die Infrastruktur, der interessante Mix von Appartements und Villen, hohe Sicherheitsstandards, Lage und Erreichbarkeit“ seien die Kriterien. Die Nähe zum Meer, ein Jachthafen und Einkaufsmöglichkeiten runden ein High-End-Produkt ab.


Enges Marktsegment in Österreich

„Der Markt für Golfresorts hat nicht mehr so viel Potenzial“, meint Rottensteiner. Dem Angebot in Österreich sind schon allein aufgrund der limitierten Interessentengruppen Grenzen gesetzt. Aber auch Bauland in der Nähe von Golfplätzen ist ein rares Gut. Zu Umwidmungen käme es selten, konstatiert Herzog. International sei der Spekulationsgedanke zunehmend in den Hintergrund getreten. Der Erwerb einer entsprechenden Immobilie sei aber nach wie vor nicht nur für Golfer, sondern auch als Investment interessant, urteilt Marschall.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2009)

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