Ein Drittel setzt auf Gesamtpakete

Österreich ist europaweit führend beim Kauf von Fertighäusern, den Vorzug erhalten immer häufiger schlüsselfertige Gesamtprojekte. Warum das so ist, und was in Zukunft noch wichtiger werden wird.

Fixfertige Lösungen, einzugsfertig übernommen: Diese Idee gefällt immer mehr potenziellen Hausbesitzern.
Schließen
Fixfertige Lösungen, einzugsfertig übernommen: Diese Idee gefällt immer mehr potenziellen Hausbesitzern.
Fixfertige Lösungen, einzugsfertig übernommen: Diese Idee gefällt immer mehr potenziellen Hausbesitzern. – (c) Rubner Haus

Die Österreicher investieren in Häuser, mehr denn je. Interconnection Consulting präsentierte aktuell eine Studie zum Thema „Fertighäuser in Österreich: 2015 bis 2020“. Dabei zeigt sich: Bei der Anzahl der Baufertigstellungen gibt es einen wahren Boom. „Mit dem generellen Aufschwung in der Baubranche verzeichnete 2016 auch die Fertighausindustrie nach langem wieder einen Aufwärtstrend“, sagt Interconnection-Consulting-Chef Frederik Lehner. 2016 wurden in Österreich knapp 4800 Fertighäuser errichtet. Durchschnittlich stiegen die Umsätze um sieben Prozent, und die Branche setzte 777 Millionen Euro um. Die Fertighausquote kratzt an der 35-Prozent-Marke. Das ist europaweit Spitze. Deutschland als zweitstärkstes Land kommt auf 20 Prozent. Innerhalb Österreichs konzentriert sich die Fertighausszene auf Oberösterreich, Niederösterreich und die Steiermark. Die drei machen gemeinsam über zwei Drittel des Gesamtmarkts in Österreich aus. Gegen Westen hin wird die Nachfrage geringer.

Zu den großen Wachstumsprofiteuren zählen Glorit und Elk. „Wir konnten unseren Marktanteil 2016 auf 15 Prozent ausbauen“, sagt Gerhard Schuller, Geschäftsführer von Elk Fertighaus. Wohl auch, weil in den vergangenen Jahren eine Marktbereinigung stattgefunden hat. Aber auch, weil die qualitativen Unterschiede zwischen Massivhaus und Fertigteilhaus verschwinden.

 

Gustieren im Internet

Noch liegen belagsfertige Häuser, bei denen nur der Innenausbau fehlt, auf dem Fertighausmarkt mit 41 Prozent in Führung, aber das schlüsselfertige Haus gewinnt an Popularität. „Konsumenten wollen am liebsten ein All-in-Gesamtpaket, in dem alles enthalten ist“, analysiert Lehner die Studienergebnisse. Für Unternehmen lukrativ, da Gesamtpakete mehr Margen versprechen. In die Pakete sollen auch neue Dienstleistungen integriert werden. Elk möchte dabei eine Vorreiterrolle einnehmen. „Der Satz ,. . . ist kundenseitig zu erledigen‘ soll dem Käufer nicht mehr zu Ohren kommen“, so Schuller. „Das bedeutet, dass wir den Kunden bei den Themen wie etwa Keller, Garagen, Beschaffungslogik ebenfalls mit Dienstleistungen betreuen.“ Vorwiegend werden Fertighäuser nach wie vor in Musterhausparks gekauft. „Entschieden und vorselektiert wird allerdings zunehmend im Internet“, berichtet Lehner. Variohaus setzt bereits auf die Virtual-Reality-Brille, mit der die Kunden die Häuser virtuell besichtigen können. Elk will spätestens 2018 mit VR-Lösungen nachziehen.

Die meisten Objekte sind auf Jungfamilien mit zwei Kindern ausgerichtet, daher ist die Gruppe der 30- bis 45-Jährigen die dominante Käuferschicht. Lehner leitet aus den Studienergebnissen aber ein Wachstumssegment für die Zielgruppe 60+ ab. „Das Thema betreutes Wohnen wird wichtiger und spielt der Fertighausindustrie in die Hände. Allerdings besteht eine psychologische Barriere. Ältere Menschen wollen sich räumlich nicht gern verändern.“ Insgesamt sei die Investitionsbereitschaft bei allen Zielgruppen gestiegen. Aus Sicht des Elk-Geschäftsführers sind allerdings die Bonitätsbeurteilungen der Banken kritikwürdig. „Die Risikopolitik hilft unserer Branche nicht.“ Ein Problem sei auch die unterschiedliche Wohnbauförderung in den Bundesländern. „Rund die Hälfte unserer Käufer nehmen die Wohnbauförderung in Anspruch“, so Schuller. Gefördert werden vor allem Energiekonzepte, etwa Wärmepumpentechnik kombiniert mit Fußbodenheizungen. „Architekturpreise wird man mit Fertighäusern nicht gewinnen“, sagt Lehner. Im Fokus der Konsumenten liege die optimale Ausnutzung der Quadratmeter. Die Häuser werden in der Quadratur kleiner, gleichzeitig optimiert man die Raumkonzepte. Es geht darum, Stauräume zu schaffen. „Keller werden anteilig immer teurer“, erklärt der Elk-Geschäftsführer. „Der Anteil der Fundamentbodenplatten steigt, daher müssen Raumkonzeptionen so angelegt werden, dass Technik und Stauraum fix im Haus Platz finden.“ Ein so geplantes Objekt wurde in kürzester Zeit 150-mal verkauft – für Schuller ein Beweis, dass nicht jeder Kunde jedes Detail individuell aussuchen möchte.

KONSUMIEREN STATT BAUEN

„Stein auf Stein, Stein auf Stein, das Häuschen wird bald fertig sein.“ Dieser Liedtext gilt immer weniger, Käufer entscheiden sich häufiger für Fertigteilhäuser – und dabei für jene mit All-in-Gesamtpaket, in dem schon alles enthalten ist. Dabei wird mitunter auf Auswahlmöglichkeiten verzichtet. Zukünftig sollen auch zusätzliche Dienstleistungen, das Wohnumfeld betreffend, integriert werden.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2017)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgelesen
    Kommentar zu Artikel:

    Ein Drittel setzt auf Gesamtpakete

    Schließen

    Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
    Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.