Mipim 2017: „Noch ein paar gute Jahre vor uns“

Gestern haben sich die Tore zur weltweit größten Gewerbeimmobilienmesse in Cannes geschlossen. Vier Tage lang sind Investoren vor Ort auf Tuchfühlung gegangen.

Mipim 2017: Mit Schautafeln (im Bild Paris) wurde um die Aufmerksamkeit der internationalen Investoren geworben.
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Mipim 2017: Mit Schautafeln (im Bild Paris) wurde um die Aufmerksamkeit der internationalen Investoren geworben.
Mipim 2017: Mit Schautafeln (im Bild Paris) wurde um die Aufmerksamkeit der internationalen Investoren geworben. – (c) Reed Midem/S. d’Halloy

Das Wetter hat sich heuer der Stimmung angepasst: Strahlender Sonnenschein in Cannes – und auch die Laune der rund 23.000 Teilnehmer im und um das Palais des Festivals, wo heuer zum 28. Mal die Immobilienmesse Mipim stattfand, war blendend. Vier Tage lang haben sich 2600 Aussteller und 5300 Investoren aus 90 Ländern zur größten Messe für Gewerbeimmobilien an der Côte d'Azur eingefunden. Brexit, Trump und das Risiko steigender Zinsen änderten nichts an der guten Stimmung. Denn auch heuer gilt die Devise: Kapital sucht Anlagemöglichkeiten – idealerweise in sicheren Häfen.

 

Aufmerksamkeit ist alles

Martin Kurschel, Chef des Projektentwicklers Immovate, war das achte Mal am Austria-Stand präsent. „Es waren alle da. Man geht mit vielen guten Ideen nach Hause“, sagt er. Rund 300 Termine hatten die Vertreter der Signa in ihren Terminkalendern: „Es ging darum, Kontakte zu halten und Informationen auszutauschen, weniger um den Abschluss von Deals“, sagt Signa-CEO Christoph Stadlhuber. Das Gedränge auf der Messe war jedenfalls groß. „Es war ein einziges Schaulaufen“, sagt Kurschel.

Und in der Tat war das Kräftemessen der einzelnen Länder beeindruckend: London, Istanbul, Paris, Moskau klotzten mit großen Pavillons und überdimensionalen Schaubildern. Paris war mit rund 1100 Quadratmetern Ausstellungsfläche der größte Player vor Ort. Zum Vergleich: Der Austria-Stand maß 170 Quadratmeter. Andere Aussteller waren zum ersten Mal in Cannes vertreten, wie beispielsweise Malta und Mauritius. Laut einer vor Ort präsentierten Studie von CBRE bleibt die britische Hauptstadt, London, der attraktivste Investmentstandort in Europa (17 Prozent). Platz zwei in der Gunst der Investoren nimmt Berlin ein (15,8 Prozent ). Auf den weiteren Plätzen folgen Paris, Amsterdam und Warschau.

Doch wie lang geht die Party noch weiter? Marcus Lemli, CEO Germany von Savills in Deutschland, lacht: „Wenn es keine massiven wirtschaftlichen oder politischen Einflüsse gibt, haben wir noch ein paar gute Jahre vor uns.“ An Deutschland kommt dabei keiner vorbei. Aber auch London – Brexit hin oder her – wird laut Lemli wieder stärker in den Fokus rücken. „Hier korrigieren die Preise. Das eröffnet Investoren Möglichkeiten, die in den vergangenen Jahren nicht zum Zug gekommen sind.“ Und natürlich muss sich Österreich nicht verstecken. „Deutschland ist der Renner. Davon profitieren wir in Österreich mehr, als es unsere rein makroökonomischen Zahlen hergeben“, sagt Franz Pöltl, Geschäftsführender Gesellschafter EHL Investment Consulting. Standen bei der Mipim in der Vergangenheit eher Gewerbeimmobilien im Vordergrund, war heuer ein wachsendes Interesse internationaler Investoren am österreichischen Wohnungsmarkt zu beobachten. „Der Markt bietet aktuell ein ausgezeichnetes Chancen-Risiko-Profil. Ich bin überzeugt, dass noch heuer erste größere Transaktionen über die Bühne gehen werden“, sagt Pöltl.

Neben klassischen Assetklassen wie Büro, Einzelhandel und Hotels stehen verstärkt studentisches Wohnen, Pflegeimmobilien und innerstädtische Logistikimmobilien im Fokus.
An vielen Ständen galt heuer die Devise: Klotzen, statt kleckern. Moskau etwa ließ es sich einiges kosten, um Investoren das Dreamland im Norden der Stadt schmackhaft zu machen, eine Art russisches Disneyland. Der Entertainmentkomplex soll 2018 auf 100 Hektar Fläche eröffnet werden. Ähnlich beeindruckend sind die Pläne von Dubais Projektentwickler Nakheel. „360 Grad“ nennt sich der Tower mit Rundum-Infinitypool und zwölf Penthouses in den oberen Stockwerken. Noch befindet sich das Projekt im Designstadium. Baustart ungewiss.

 

Trend zur Digitalisierung

Tiefer gestapelt wurde im Untergeschoß des Messegeländes, wo sich vor allem jene Anbieter versammelt haben, die künftig die Immobilienbranche aufmischen wollen. Dazu gehört das deutsche Start-up NavVis, das mit seinem Roboter-Trolley für Aufsehen sorgte. In kürzester Zeit können damit ganze Räume gescannt und anschließend digitalisiert werden. Apropos Digitalisierung: Die war heuer eines von vier Themen, die Messeveranstalter Reed Midem als Schwerpunkte für die Branche ausgerufen hat. Selbst konnte man dem Anspruch aber nicht gerecht werden. Ein funktionierendes WLAN war vier Tage lang Fehlanzeige. Was wiederum manchen CEO zur Verzweiflung trieb, der mittels Handy und diverser technischer Spielereien Interessenten zeigen wollte, wohin die Reise diesbezüglich geht – ohne funktionierende Internetverbindung jedenfalls nicht sehr weit.

INFO

Die Mipim in Cannes ist einer der wichtigsten Pulsmesser für die Verfassung der internationalen Immobilienmärkte. Und diese präsentieren sich weiterhin robust.

Beim Immobilienberater Savills Germany geht man davon aus, dass noch ein paar gute Jahre folgen werden. Heuer haben sich rund 2600 Ausstellerund 5300 Investoren aus 90 Ländern an der Côte d'Azur eingefunden. Für österreichische Aussteller wie EHL oder Signa ging es dabei weniger um große Abschlüsse als vielmehr um Kontaktpflege und Informationsaustausch.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2017)

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