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Wellnessoase Zuhause: Wie das Bad zum privaten Spa wird

06.11.2009 | 16:12 |  von Elke Jauk (Die Presse)

Verwöhnritual statt Katzenwäsche: Das Bad wird zum kontemplativen Ort mit einem neuen – großzügigen – Raumkonzept: Hightech-Ausstattung, edle Naturmaterialien und Lichtkunst.

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Die Bezeichnung Nasszelle ist im Fall moderner Bäder eine schlichte Untertreibung, wenn nicht gar eine Beleidigung. Es sind private Spa-Bereiche und Wellnessoasen, das Bad ist zum Ausdruck einer neuen Genusskultur geworden, „es hat einen hohen Status im Wohnkonzept erlangt, gleichzusetzen mit jenem der Küche“, sagt Interieurexperte Christian Stranger. Das gehe sogar so weit, dass Immobiliensuchende Objekte ablehnen, weil die Badezimmer nicht optimal geschnitten sind oder keinen natürlichen Lichteinfall haben, ergänzt Innenarchitekt Nick Eder.

Das Design in Lifestyle-Hotels und die Sanitäranlagen der gehobenen Gastronomie dienen auch im privaten Bereich als Inspirationsquelle. Transparente Wände wachsen aus dem Boden, Regen prasselt von der Decke, Lichteffekte erzeugen mittels LED-Technik vielfältige Stimmungen.

 

Showroom-Qualitäten

„Das Badezimmer wird zum Showroom“, analysiert Eder. Die Funktion tritt rein optisch gesehen zugunsten der Form in den Hintergrund: „Die Funktionsweise von modernen Armaturen ist nicht unbedingt gleich ersichtlich.“ Das liege im Sinne des Auftraggebers: „Was nicht auf den ersten Blick wahrgenommen werden kann, wird als wertvoller empfunden.“

Schiefe Ebenen ergänzen klassische Beckenformen, die Armaturen sind oft nicht mehr direkt auf die Keramik gesetzt, ein wasserfallartiger Strahl möglich. Das Sanitärinterieur erhält wie im Falle der Starck-X-Serie von Philippe Starck einen skulpturalen Charakter. Holzoberflächen wie Wenge und Nuss, wie sie früher in einem Bad undenkbar waren, die jetzt auch vor dem Waschbecken selbst nicht haltmachen, werden mit Weiß kombiniert. Naturmaterialien wie Hölzer und Stein sind vorherrschend, „aber auch technische Keramik gewinnt an Bedeutung“, so Eder, „etwa Fliesen mit Schieferplattenoptik oder Lederprägung“.

Badewannen bedürfen einer Inszenierung: Sie stehen nach Möglichkeit frei im Raum, auf Podesten oder in einem Kieselsteinbett – Whirlkomfort und Unterwasser-Farblichtmodule inklusive. Auch die Dimensionen der Dusche sind gewachsen: So lassen etwa im Regenhimmel integrierte Lichtelemente die Tropfen farbig leuchten. Eine Vielfalt an Strahlarten ist gefragt, ohne dass die Duschköpfe dabei tellergroß werden müssen. Die Regenbrause von Grohe etwa weist in der Jumboausführung 252 Düsen und einen Durchmesser von 400 Millimeter auf. Die Ondus-Serie integriert in Sachen Armaturen Bedienelemente mit digitaler Anzeige – hier lassen sich die gewünschte Wassermenge und Lieblingstemperatur für verschiedene Benutzer programmieren.

 

Ein Block, viele Farben

Außergewöhnliches Design soll aber auch auf beschränktem Raum möglich sein. Ideal sind Teile, die Platz sparen. Im Innovationslabor von Roca wurden mit dem Modell W+W (Konzept: Buratti) das WC und das Waschbecken zu einem einzigen Block verbunden – überdies sogar wassersparend. Auf der ISH, der Weltleitmesse für die Erlebniswelt Bad, wurde das Produkt mit dem Preis „Design Plus“ ausgezeichnet.

Die bevorzugten Farben im Bad bleiben Erd- und Grautöne sowie Weiß, mit Violett als Trendfarbe werden Akzente gesetzt – zumeist in der „Software“, etwa bei Handtüchern. Heizelemente sind unsichtbar, maximal noch als Handtuchtrockner erkennbar, „aber auch hier gibt es die Möglichkeit beheizbarer Natursteinplatten, die zudem indirekt beleuchtet werden“, so Eder. Im Sinn einer hausgemachten Farbtherapie sind Lichtstimmungen mittels RGB-Steuerung zum Gestaltungselement geworden, „das Spiel mit beleuchteten Armaturen ist ebenfalls im Kommen“, so Stranger. Darüber hinaus muss das Bad auch multimedial mit MP3-Playern und Flatscreens alle Stückerl spielen können. „Hier gibt es noch viel Entwicklungspotenzial“, sagt Nick Eder. Einer schwebenden Badeoase gleich, hat er für einen Kunden einen Glaskubus in die Wohnung gesetzt, über dessen Dachfläche man auf die Terrasse gelangt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.11.2009)

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