Ein Haus, ein Garten, eine Welt

Ein weißer Kubus mit großen Glasflächen, umrandet von einem schwarz gefärbten Glasstreifen: Haus F in der Nähe von St. Pölten liegt zwischen Ortskern und Baumhügel.

Tradition neu interpretiert: Haus F.
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Tradition neu interpretiert: Haus F.
Tradition neu interpretiert: Haus F. – (c) Bauer, Photoservice/Studiobaff

Ich habe beim Entwerfen schon das gealterte Gebäude mitgedacht“, erzählt Architekt Markus Bauer. Das Haus ist in Sichtbeton ausgeführt, „das war eine der Vorgaben der Bauherren, und ich habe versucht, dieses Baumaterial intelligent zu nutzen“.

Diese intelligente Nutzung besteht unter anderem darin, dass in die Betonwände Leitungen für Heizung und Kühlung integriert sind und über eine Erdwärmetiefenbohrung mittels Wärmepumpe Energie ins Haus bringen. „Wir nutzen die Wärmepumpe für Kühlung und Heizung, weil eine einseitige Nutzung dem Boden zu viel Wärme entzieht, worunter der Wirkungsgrad der Wärmepumpe leidet“, weiß der Architekt.

 

Natur und Sonnenlicht

Das Haus hat einen L-förmigen Grundriss. „Wir haben uns auch die Häuser der Umgebung angesehen, die meist Arkaden vor dem Haus als Sonnen- oder Regenschutz haben“, erzählt Bauer. Den Kubus mit dem vorkragenden Element, das eine offene Terrasse überdeckt, versteht er ebenso als Neuinterpretation dieser Bauteile wie die Auflösung des ortstypischen Dreikanthofs in zwei Quader: Im kleineren befindet sich die Garage, im lang gestreckten das Wohnhaus. Ein schmaler, 18 Meter langer Glasgang verbindet die beiden Baukörper. Dabei wird der Übergang von der Natur zum Gebäude bewusst inszeniert.

Diese Bauweise lässt viel Licht ins Haus – was sowohl Bauherrn als auch Architekt bezweckt haben. „Wir haben für die raumhohen Fensterflächen eine Dreifachverglasung gewählt, um Energie zu sparen“, erklärt Bauer. Diese Fenster unterbrechen in unterschiedlichen Intervallen den kompakten Baukörper, was dem Haus Dynamik verleiht. Südseitig in die Decke eingeschnittene Lufträume verbinden die beiden Ebenen optisch und sorgen für viel Licht. Im Erdgeschoß befinden sich die gemeinschaftlich genutzten Flächen: Küche, Esszimmer und Wohnzimmer, im Obergeschoß die privaten Rückzugsräume wie Schlafzimmer und Bäder. Ein eingeschoßiger Baukörper mit Nebenräumen flankiert im Erdgeschoß den Wohnbereich und bildet eine Abgrenzung für die beiden Terrassen: eine südseitige hinten gelegene Küche samt Essraum sowie eine nach Nordwesten orientierte, die den Wohnraum verlängert.

Sichtbeton ist innen wie außen das vorherrschende Material. „Beton hat für mich besondere ästhetische Fähigkeiten und ist ein sehr lebendiger Baustoff“, sagt der Architekt, „denn, obwohl er sehr massiv wirkt, sind die Oberflächen je nach Struktur und Lichtreflexion ja immer unterschiedlich. Sie zeigen einen leichten Schimmer, der dem Beton eine gewisse Leichtigkeit verschafft.“

 

Alles aus einem Guss

Bauer hat auch die Inneneinrichtung übernommen, „damit alles aus einem Guss ist“. Die groß und luftig wirkenden Räume bestimmen das Innere des Hauses, der Beton wird kontrastiert von Holzböden und einer Holztreppe. „Noch existiert die geplante Inneneinrichtung nur als Entwurf. Da die Finanzierung eines Eigenheims ja immer eine Herausforderung ist, haben sich die Bauherren entschlossen, das Haus ohne Abstriche zu bauen und dafür mit der Inneneinrichtung ein wenig zu warten“, schildert der Architekt die bekannte Problematik. „Auch die Terrasse muss noch mit Betonplatten belegt werden. Was vermutlich schwierig werden wird, weil sie durch den bereits angelegten Garten zum Haus zu transportieren sind“, schildert der Architekt.

Gebaut wurde am Gebäude rund eineinhalb Jahre. „Wir sind im vorigen Jahr fertig geworden, und die Bauherren leben auch schon im Haus. Was mich verwundert hat, ist, dass wir die Baugenehmigung so ziemlich ohne Probleme bekommen haben, sind doch Flachdächer in der näheren Umgebung eher nicht zu finden“, sagt der Architekt erfreut. Was ihn aber am meisten freut, ist, „dass ich auch nach der Fertigstellung noch hinfahren kann und freundlich empfangen werde. Das ist leider nicht immer eine Selbstverständlichkeit.“

ZUM OBJEKT

Haus F hat eine Nutzfläche von rund 190 m?, das Grundstück ist 2000 m?groß. Zwei Terrassen bringen Innen- und Außenraum zusammen. Baumaterialien sind: Sichtbetonfertigteile, bauteilaktivierte Sichtbetondecke, Eichendielen, Glasfassaden, errichtet von Bauer ZT GmbH und Ing. Franz Leitner GmbH (Fertigteile).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.07.2017)

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