Schlichte Formgebung als Programm

Das gemeinsame Pfarrhaus von Glanhofen und St. Nikolai in Kärnten demonstriert, dass architektonische Qualität auch durch Einfachheit bestechen kann.

Abgeschirmt gegen die Straße, offen zur Kirche: das neue Pfarrzentrum von Glanhofen und St. Nikolai.
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Abgeschirmt gegen die Straße, offen zur Kirche: das neue Pfarrzentrum von Glanhofen und St. Nikolai.
Abgeschirmt gegen die Straße, offen zur Kirche: das neue Pfarrzentrum von Glanhofen und St. Nikolai. – (c) Bauraum.architekten

In Glanhofen in der Kärntner Gemeinde Feldkirchen bestimmt die Kirche das Ortsbild. Da die Priester von auswärts anreisen, wurde das Pfarrhaus überflüssig, und die Diözese beschloss die Errichtung eines Neubaus, das den geänderten Ansprüchen besser gerecht werden sollte: Unmittelbar neben der Kirche sollte ein Objekt errichtet werden, das allen offensteht und die Gemeinschaft stärkt.

Drei Architekturbüros aus der Region wurden dafür zu einem Wettbewerb geladen. Gewonnen hat das Projekt der bauraum. architekten aus Klagenfurt. Laut Juryentscheid der Diözese, weil der Entwurf einerseits durch qualitativ hochwertige Architektur überzeugt, andererseits aber die ortsprägende Dominanz der Kirche nicht beeinträchtigt.

„Besondere Bedeutung für den Entwurf hat die Kirchenmauer aus Stein“, erklärt Projektleiter Ralf Mikula von bauraum.architekten, der den Plan gemeinsam mit Helmut Dominikus entwickelt hat. „Das Gebäude nimmt die Materialität dieses Objekts auf und kann als zweite vorgelagerte Mauer gesehen werden.“ Darüber hinaus war es dem Architektenteam wichtig, mit nur wenigen natürlichen Baustoffen zu arbeiten. Im konkreten Fall sind das Beton, Holz, Glas und Kies. „Gemeinsam mit der schlichten Form entstand ein ruhiges, archaisch wirkendes Gebäude, das uns für diesen Ort als angemessen erscheint“, sagt Mikula.

 

Stark reduziert

Optisch sticht der schlanke Betonmonolith ins Auge, der parallel zur Friedhofsmauer angelegt ist und der in der Mitte durch ein riesiges doppelflügeliges Holztor gebrochen wird. Durch das Tor gelangt der Besucher ins Foyer. Die Räumlichkeiten sind nach Funktionen voneinander getrennt. Auf der einen Seite der öffentliche Gruppenraum, daneben Büro und Aufenthaltsraum des Pfarrers. Außen dominiert strukturierter Sichtbeton, innen massives Tannenholz. Die sägeraue Tanne im Innenraum soll die Außenhaut widerspiegeln, für deren Schalung laut Projektleiter ebenfalls sägeraue Bretter verwendet wurden. So schlicht das Gebäude wirken mag, bei der Umsetzung des Betonbaus gab es große technische Herausforderungen: bei der Planung der Schalung, der Attika-Ausformung oder der Festlegung der Arbeitsfugen und Ankerlöcher. „Die Details haben wir so gewählt, dass auf die sonst üblichen Bauteileinfassungen wie Attika- und Fensterbänke, Traufeneinfassungen und Dachaufbauten gänzlich verzichtet werden konnte“, erzählt Mikula.

Architektonisch besteht die größte Qualität des Projekts in der Schlichtheit des plastisch durchgearbeiteten Baukörpers und dem Kontrast zwischen der harten Hülle aus Beton und den gänzlich in Massivholz gestalteten Innenräumen, die Wärme und Geborgenheit ausstrahlen. Realisiert wurde es von Draubeton und dem Stadtbaumeister Josef Willroider.

 

Mit Preisen bedacht

Fertiggestellt im Frühjahr 2016 war das Echo auf das entstandene Gebäude groß, vor allem in Kärnten, wo es beim Kärntner Landesbaupreis 2016 den Anerkennungspreis erhielt. Eine weitere Auszeichnung gab es mit dem GVTB-Betonpreis 2016 für das beste Bauprojekt Österreichs aus Transportbeton. Für bauraum.architekten nimmt das Projekt ebenfalls einen hohen Stellenwert ein. „Weil wir hier auf einen Bauherrn gestoßen sind, der sich der Verantwortung für Architektur in hohem Maße bewusst ist und die Entwurfsideen bis ins Detail mitgetragen hat“, sagt Mikula. „Wir konnten in diesem Projekt viel von dem verwirklichen, was uns als Architekten wichtig ist.“ Bemerkenswert sei auch gewesen, wie offen sich die regionalen Firmen für Neues gezeigt hätten und dass die sonst im Vergabewesen üblichen Formalismen auf ein gesundes Maß beschränkt blieben.

ZUM PROJEKT

Für das neue, gemeinsame Pfarrhausvon Glanhofen und St. Nikolai wurde ein Wettbewerb ausgeschrieben, den bauraum.architekten gewannen. Als Bauträger fungierte die Diözese Gurk-Klagenfurt. Das Projekt, das sich auffällig unauffällig neben die Kirche setzt, hat eine Anerkennung beim Kärntner Landesbaupreis 2016 gewonnen und ist als Sieger aus dem GVTB-Betonpreis 2016 hervorgegangen. Außerdem kann es auf eine Nominierung für den ZV-Bauherrenpreis 2016 verweisen. www.bauraum.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2017)

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