„Es kam nur ein Holzhaus infrage“

Baugeschichte. Was passiert, wenn man Ökologie und Nachhaltigkeit beim Hausbau bis ins kleinste Detail beachtet? Tischlermeister Hubert Feldkircher hat es ausprobiert.

Außen Fichte, innen Weißtanne: L-förmiges Einfamilienhaus mit Atriumterrasse in Dornbirn in Vorarlberg.
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Außen Fichte, innen Weißtanne: L-förmiges Einfamilienhaus mit Atriumterrasse in Dornbirn in Vorarlberg.
Außen Fichte, innen Weißtanne: L-förmiges Einfamilienhaus mit Atriumterrasse in Dornbirn in Vorarlberg. – (c) ©DarkoTodorovic

Bei euch riecht es wie im Wald“, bekommt Hubert Feldkircher häufig von seinen Gästen zu hören. Kein Wunder, besteht das Wohnhaus in Dornbirn doch komplett aus unbehandeltem heimischen Massivholz. „Es kam nur ein Holzhaus infrage, da das am wenigsten graue Energie erzeugt“, sagt der Inhaber einer Tischlerei. Die tragende Konstruktion besteht aus Fichte, innen fiel die Wahl auf Weißtanne. Auf der Terrasse kam Lärche zum Einsatz. „60 Prozent des Hauses kommen aus dem eigenen Wald“, ist Feldkircher stolz.

 

Barfußqualität

Die Oberflächen der Hölzer sind roh oder geseift. „An den Wänden fühlt es sich wie Samt an, die Fußböden haben Barfußqualität“, beschreibt er. Holz habe eben viele Vorzüge, so Feldkircher. Abgesehen davon, dass es ein nachwachsender Rohstoff sei, könne man nahtlos bauen, da keine Trocknungszeiten eingehalten werden müssen. „Am 3.Dezember2014 wurde das Haus auf die Betonplatte gestellt, Anfang 2015 haben wir mit dem Innenausbau begonnen. Und am 4. April sind wir eingezogen“, zählt Feldkircher auf. Darüber hinaus verbessere Holz die Luftqualität enorm. „Es sind weniger Pilze und Schadstoffe in der Luft. Auch die Lärmbelastung ist geringer, da raue Oberfläche den Schall gut isolieren“, so der Tischler, der in seinem Betrieb Massivholzmöbel herstellt.

So hat der Bauherr auch den Innenausbau selbst durchgeführt, die Möbel kommen aus der eigenen Werkstatt. Das gilt sogar für Duschen, Waschbecken, Badewanne und Abwäsche, die ebenfalls aus Holz sind. „Damit hat er sich einiges getraut“, sagt Andreas Cukrowicz von Cukrowicz Nachbaur Architekten, der das Haus mit seinem Team geplant hat. Feldkircher sieht das anders: „Das ist alles so pflegeleicht, das glaubt niemand.“ Duschen, Waschbecken und Co. würden einmal pro Jahr geölt, mehr sei nicht notwendig. „Holz atmet, das ist enorm hygienisch. Und die Wasserflecken trocknen auf“, führt Feldkircher weiter ins Treffen. Die Böden in den Bädern seien nie rutschig – „und man hat nie kalte Füße“.

 

Freiraum in U-Form

Besonders an dem Haus, das mit dem Sonderpreis für ökologische und soziale Nachhaltigkeit im Rahmen des Vorarlberger Holzbaupreises 2017 prämiert wurde, sind die kaum vorhandenen Innenwände. „Im Erdgeschoß gibt es eine Wand zur Einliegerwohnung, sonst ersetzen Schränke die Wände.“ Eine zweite Besonderheit ist die Raumhöhe von 2, 65 Metern.

Nicht nur beim Baumaterial wurde Wert auf Ökologie gelegt: Als Dämmmaterial wurde Zellulose gewählt, für Wärme sorgt eine Sole-Wasser-Wärmepumpe, für die Belüftung eine kontrollierte Be- und Entlüftung. Die Elektrokabel sind halogenfrei, die Vorhänge aus Naturmaterialien wie Leinen oder Wolle. Zudem wurde eine Fotovoltaikanlage installiert. „Wir sind nahe am Passivhaus“, sagt Feldkircher. Dass es sich nicht ganz ausgeht, liegt an der Form: Statt eines kompakten Kubus wählte der Bauherr ein U, das einen fast uneinsehbaren Innenhof umschließt. Sämtliche Haupträume sind dorthin orientiert. „Die Entscheidung für ein Atrium ist auf die Umgebung zurückzuführen“, erklärt Cukrowicz. Das knapp 1200 m2große Grundstück liegt in einer Wohngegend mit Ein- und Mehrfamilienwohnhäusern, eine Seite grenzt an einen Sportplatz, eine andere an einen Grüngürtel. „Weil wir nicht wissen, was damit passiert, wollten wir im Inneren Freiräume schaffen“, erklärt der Architekt. Sollte man einmal völlig abgeschieden sein wollen, könne man die offene Seite nachträglich mit einem großen Tor schließen.

Derzeit befinden sich auf 220 m2 Nutzfläche die Hauptwohnung, ein Büro und eine Einliegerwohnung, beide jeweils mit eigener Terrasse. „Man kann aus dem Ganzen aber bis zu drei Wohneinheiten machen“, erklärt Feldkircher. Sollten die beiden Kinder einmal ausziehen, sei der Platzbedarf der Eltern geringer – „und wir können zwei Wohnungen vermieten“. Oder die Kinder könnten in ihre eigenen Wohnungen ziehen.

Ob er jetzt etwas anders machen würde? „Nein.“

ZUM OBJEKT

Auf 220 m2 wurden die Bauherrnwohnung, das Büro und eine Einliegerwohnung ganz in Holz errichtet. Auch Innenausbau, Möblierung und Sanitär wie Duschen, Waschbecken sind aus Holz, zum Teil gefertigt von Hausherr und Tischlereiinhaber Hubert Feldkircher, Architekt: Andreas Cukrowicz von Cukrowicz Nachbaur Architekten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 09.09.2017)

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