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Wohnbau: Großer Bedarf, kleineres Budget

02.01.2012 | 18:26 |  von Martin Stuhlpfarrer (Die Presse)

Wien wächst – und damit der Bedarf an Wohnungen. Damit die Mieten trotz gekürzter Budgets nicht dramatisch steigen, vergibt die Stadt Darlehen und setzt auf Projekte für spezielle Zielgruppen.

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Wien. Mit der Volkszählung 2011 wurde es amtlich. Die Bevölkerung in Wien wächst stark. Von 2001 bis 2011 ist die Einwohnerzahl um 11,2 Prozent gestiegen. Das ist mit Abstand der höchste Wert in Österreich. Auf Platz zwei folgen – mit Respektabstand – Vorarlberg und Tirol mit 5,7 Prozent.

Und Wien wird weiter wachsen. Laut „Kleinräumiger Bevölkerungsprognose Wien“, die von der MA18 (Stadtentwicklung und Stadtplanung) und der Statistik Austria erstellt wurde, sollen 2035 zwei Millionen Menschen in Wien leben – ausgelöst durch einen deutlichen Zuzug. Damit steht der Wohnbau vor Problemen.

Auf den ersten Blick ist Wien gut gerüstet. Für heuer meldet das Wohnbauressort ein Rekordjahr: Ungefähr 6800 neue Wohnungen wurden fertiggestellt, und damit wird ein Trend fortgeschrieben. Denn vor drei Jahren wurde die jährliche Wohnbauleistung von 5000 auf 6500 Wohnungen erhöht – als Reaktion auf die steigende Bevölkerungszahl.

 

Kunstgriff gegen hohe Mieten

Nur: 2011 wurde das Budget für den Wohnbau um 90 Millionen Euro gekürzt, und damit die Förderzusagen für neu geplante Wohnungen. Ab 2012 hätte sich diese Kürzung deutlich ausgewirkt. Demnach hätten nur mehr etwa 4500 geförderte Wohnungen gebaut werden können, mit dem Effekt, dass auch die Mieten am freien Markt noch stärker als bisher gestiegen wären. Doch mit einem Kunstgriff wurde das (vorerst) verhindert. Die Stadt Wien hat in Zeiten eines sehr niedrigen Zinsniveaus einen Kredit aufgenommen, und ihn an Konsortien aus Bauträgern und Finanzdienstleistern weitergeben. Für dieses Darlehen der Stadt, das die Bauträger zurückzahlen müssen, wurde ein Wohnbaupaket ausgehandelt: Die Bauträger müssen ab 2012 (einmalig) rund 6250 neue Wohnungen errichten, wobei die Mieten nur unwesentlich höher sein dürfen als im geförderten Wohnbau. Der Vorteil für die Bauträger: Sie zahlen der Stadt deutlich niedrigere Zinsen als auf dem freien Markt.

 

Baustart in Aspern

Das erste sichtbare Zeichen dieser Kooperation wird Ende 2012 in Aspern entstehen. Dort erfolgt der Baustart für 800 Wohnungen. Aber auch das Gelände des Hauptbahnhofes wird 2012 in Angriff genommen. Nördlich und südlich des Sonnwendviertels wird das Verfahren für 450 geförderte Wohnungen ausgeschrieben. Der Start des Bauträgerwettbewerbs wird im ersten Quartal 2012 erfolgen, die Fertigstellung der Wohnungen ist für 2015 geplant.

Dazu kommt im Sommer der Bauträgerwettbewerb Zippererstraße, südlich der Gasometer. Hier geht es um 400 geförderte Wohnungen, die 2016 fertiggestellt werden sollen. Parallel dazu soll die innerstädtische Sanierung vorangetrieben werden, was auch bedeutet, dass zahlreiche neue Wohnungen in ausgebauten Dachgeschoßen entstehen.

Das Gebot lautet aber: sparen. Wegen der Wirtschaftskrise bzw. wegen der steigenden Bau- bzw. Grundstückspreise. Dieses Ziel soll durch strengere Vorgaben bei Bauträgerwettbewerben erreicht werden. Die Investoren sollen innovativer werden, sowohl im architektonischen, im ökologischen als auch finanztechnischen Bereich, so Wohnbaustadtrat Michael Ludwig – beispielsweise durch energieeffiziente Baukörper und bessere Planung.

 

Wohnen nach Zielgruppe

Für die Wiener zumindest ebenso wichtig ist ein Trend, der 2012 intensiviert wird: das Errichten von Wohnbauten für spezielle Zielgruppen. Unter dem Motto „Wohnen für Familien“ entstehen in der ehemaligen „Stadt des Kindes“ in Penzing geförderte Mietwohnungen – in einem kinderfreundlichen Areal mit Freizeiteinrichtungen wie Schwimmbad, Sporthalle, Gemeinschaftseinrichtungen und mehreren Spielplätzen. Dieser Gebäudekomplex soll Mitte des Jahres 2012 fertiggestellt sein.

Die Bike&Swim-Wohnungen in der Vorgartenstraße (Leopoldstadt) sollen im Frühjahr 2012 bezogen werden. Dort gibt es einen hauseigenen Wellnessbereich und 800 Fahrradabstellplätze, damit die Bewohner das Auto möglichst oft stehen lassen.

Weiters wird beispielsweise noch das „Wohnen für Generationen“ mit betreuten Wohnungen und einer Art Wohngemeinschaft für Senioren in der Ameisgasse in Penzing errichtet.

 

Gemeinsame Gärten für Singles

Auch entstehen – der gesellschaftlichen Entwicklung folgend – immer mehr Singlewohnungen. Gleichzeitig soll eine neue Gestaltung der Wohnanlagen dafür sorgen, dass das Zusammenleben verbessert wird. In den Bauprojekten werden Gemeinschaftsräume oder gemeinsame Gärten geplant, in denen sich Mieter treffen und kennenlernen können. Der intensivere Kontakt soll für bessere Beziehungen der Nachbarn sorgen.

Apropos „gutes Zusammenleben“. Dafür ist den Mietern im Gemeindebau vor allem die Einhaltung der Hausordnung wichtig. Und die wird ab 2012 immer stärker überprüft. Zum einen gibt es Planquadrate der sogenannten „Ordnungsberater“ und ähnlicher Einsatzgruppen.

 

95 Betreuer im Gemeindebau

Zudem wird die Zahl der neuen Hausbesorger („Hausbetreuer“) 2012 deutlich steigen. Seit dem 1. Jänner sind 95 der neuen Betreuer in den Wiener Gemeindebauten im Dienst.
Bisher erschienen: Hauptstadt-Tourismus (2. 1.).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.01.2012)

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35 Kommentare
 
1 2
Gast: peter melzer
03.01.2012 16:30
0 0

wohnbau:großer Bedarf-kleineres Budget

Da scheint etwas nicht zu stimmen:
wenn in Wien der Durchschnitt pro m2 13.-€ Miete, sogar inkl. Garage und Mwst. beträgt und die durchschnittliche Miete 445.-@ ist, dann wäre die durchschnittliche Wohnungsgröße
etwa 34 m2.
Wo ist der Hund begraben?
servus
melzer

Gast: dreamerinvienna
03.01.2012 12:15
7 0

objektivität

dass man in der presse einen so rot eingefärbten beitrag lesen muss ist ja echt beschämend

Antworten Gast: ruster
26.01.2012 09:37
0 0

Re: objektivität

die presse verbessert sich eben...

Gast: Oskar F.
03.01.2012 09:45
1 0

Wien wächst - no na net

Bin nach dem Studium wegen des Jobs in Wien geblieben - wie viele andere.
Land ist billig und ruhig - dafür keine gutbezahlten Jobs.
Daher Wien.
Ganz einfach

Gast: Konrad L.
03.01.2012 08:45
11 0

Bevölkerungswachstum vermindert Lebensqualität: Österreich braucht ein Bevölkerungsgleichgewicht

Österreich 1970: 7,4 Millionen Einwohner
Österreich 2010: 8,4 Millionen Einwohner

Mehr Einwohner bedeuten: Mehr Häuser, mehr Autos, mehr Straßen, mehr Autobahnen, mehr Abgase, mehr Feinstaub, mehr Staus, mehr zerstörtes Grünland, mehr Beton, mehr Landschaftszerstörung, ...

Was hat der Einzelne davon? Nur Nachteile. Wien braucht ein Bevölkerungsgleichgewicht!

Antworten Gast: Ha Tse
03.01.2012 13:55
0 4

Re: Bevölkerungswachstum vermindert Lebensqualität: Österreich braucht ein Bevölkerungsgleichgewicht

Bis auf die Häuser lassen sich diese Problem mit Parkpickerl und anderen Abgaben auf Kraftfahrzeuge leicht lösen.

Antworten Gast: Mark IV
03.01.2012 09:41
1 6

Re: Bevölkerungswachstum vermindert Lebensqualität: Österreich braucht ein Bevölkerungsgleichgewicht

Großstädte wachsen - das ist immanente Logik und durch kein legales Mittel zu verhindern.
Wer ruhe will: ab aufs Land.

Antworten Antworten Gast: a gehns
03.01.2012 10:48
5 0

eine ziemlich fatalistische Sichtweise - finden sie nicht? so als ob der Staat keine Handhabe hätte,

Zuwanderung zu kontrollieren?
Wo er doch sonst alles regeln und kontrollieren kann, was die Bürger betrifft.

Antworten Antworten Antworten Gast: Mark IV
03.01.2012 11:41
0 0

Re: eine ziemlich fatalistische Sichtweise - finden sie nicht? so als ob der Staat keine Handhabe hätte,

Ich sage nur: Niederlassungsfreiheit in der gesamten EU.
That's it.

Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: a gehns
03.01.2012 12:05
2 0

also doch ein "fatalist"? die niederlassungsfreiheit ist von menschen geschaffen - kein "gebot gottes" oder gar ein naturereignis- und kann

daher auch wieder - wenn erforderlich und sinnvoll- im interesse der lokalen bevölkerungen beschränkt werden.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: Mark IV
03.01.2012 13:07
1 0

Re: also doch ein "fatalist"? die niederlassungsfreiheit ist von menschen geschaffen - kein "gebot gottes" oder gar ein naturereignis- und kann

Aber ein Recht, dass ich ja selbst gerne nutze.

Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Antworten Gast: a gehns
03.01.2012 13:31
2 0

Re: Re: also doch ein "fatalist"? die niederlassungsfreiheit ist von menschen geschaffen - kein "gebot gottes" oder gar ein naturereignis- und kann

das ist ja prinzipiell auch gut. aber in stein gemeisselt ist es halt nicht.
hätten alle EU-länder dieselben sozialen standards vorzuweisen, wäre die niederlassungsfreiheit in der aktuellen form vermutlich unproblematischer. aber so sind jene länder mehr belastet, die (noch) ein hochstehendes sozialsystem haben - sprich: deutschland (zuzug von 500.000 allein in der ersten jahreshälfte 2011), österreich, dänemark, schweden, holland etc.
aber vielleicht sehe ich das auch zu kritisch.

Gast: Ludwig Schwager
03.01.2012 08:40
10 1

Wohnbau - Bloß für wen?

Von der Wr. Gemeinderatswahl in 2005 zu der in 2010 gab es einen Zuwachs von nur 2.384 Wahlberechtigten!

http://www.wien.gv.at/wahl/NET/GR101/GR101.htm
" target="_blank">http://www.wien.gv.at/wahl/NET/GR101/GR101.htm


Wenn aus den Bundesländern wirklich so viele Menschen zuziehen würden, dann müßten ja auch die Wahlberechtigten stark ansteigen, was aber offensichtlich nicht der Fall ist.

Solange entgegen der Gesetze der Marktwirtschaft die Mietpreise künstlich nieder gehalten werden, wird auch der Zuzug stabil gehalten!

Ludwig gibt mit dieser einseitigen Maßnahme natürlich nicht sein Geld aus, sondern "fair" die Steuergelder jener, denen er immer mehr Grünraum wegnimmt. Kommende Generationen werden sich bei uns sicher nicht bedanken, dass wir ihnen so viel Beton hinterlassen haben.

Aber wenn man mit der Bauwirtschaft so innig verhabert ist, baut schon mal lieber neue Betonsilos als sich den Leerständen zu widmen.

Ludwig sollte sich lieber Gedanken machen, wie er den Neuankömmlingen auch Arbeit verschafft, denn die Entwicklung der Wiener Arbeitslosenzahlen sprechen eine ganz eindeutige Sprache.

Wenn die "bösen" Pendler aus dem Speckgürtel den Wiener angeblich Arbeit "wegnehmen" dann liegt es wohl ganz schlicht daran, dass die Pendler im Durchschnitt eine Qualifikation aufweisen, die mehr nachgefragt ist.

Hinter der SPÖ die Sinnflut ...

Antworten Gast: persil 4.0
03.01.2012 08:56
8 0

Re: Wohnbau - Bloß für wen?


Ganz einfach!

Weil die neuen Wiener (noch) nicht wahlberechtigt sind!

Aber das wird die SPÖ durch Einbürgerung ganz leicht schaffen.

Schließlich braucht sie neue Wähler, nachdem sie die angestammte Bevölkerung sie nicht mehr will!


J. E.
03.01.2012 08:20
5 0

Eigentum

Man könnte auch das Mietrecht abschaffen und Leute welche nicht mehr förderungswürdig sind aus den Sozialwohnungen werfen. Das würde die Mieten dramatisch erniedrigen.

Gast: Genosse Graf Gudenus
03.01.2012 00:55
2 0

Karl Marx-Hof

Rosa - nicht blutrot?

Es steht wohl unter Denkmalschutz

1 0

Eigenmittelanteile senken wäre auch wichtig!

"Die Bauträger müssen ab 2012 (einmalig) rund 6250 neue Wohnungen errichten, wobei die Mieten nur unwesentlich höher sein dürfen als im geförderten Wohnbau."

Und was ist mit dem Eigenmittelanteil?
Es ist ja schön, wenn man für eine 70 qm Wohnung nur 600 EUR Miete bezahlen muss. Aber woher nimmt Otto Normalverbraucher die 30.000 EUR, damit er überhaupt die Wohnung bekommt? Ich denke mal, da holen sich die Bauträger ihre gestiegenen Kosten schon wieder herein.

Antworten palmer148
03.01.2012 07:58
0 0

Re: Eigenmittelanteile senken wäre auch wichtig!

1. geht sich das mit 30.000 euro nicht aus ;)
2. bekommt man den eigenmittelanteil beim auszug zurück bzw kann sich diesen teil für die eigentumsoption anrechnen lassen
3. wenn man den wertverlust des angezahlten betrages einfach auf die miete umrechnet sind die wohnungen noch immer billig!!

Gast: TOM22
02.01.2012 21:01
13 1

Clique

Eine Clique aus Immowirtschaft und Politik steuert die Bevölkreungsexplosion zum Nachteil der WienerInnen!

Antworten ahha
03.01.2012 07:43
0 0

Re: Clique

...stimmt leider. Unsere Wohnbauförderungsmittel werden für alles Mögliche verbraucht nur nicht für den Bau von neuen Wohnungen.
Würden in Wien nur um 1.000 Wohnungen jährlich mehr gebaut werden würden die Kosten sicher um 10-15-% sinken.

Antworten Antworten Gast: toro
03.01.2012 09:43
0 0

Re: Re: Clique

Nein. Wien ist nur auf dem Weg das normale Preisniveau einer Millionenstadt zu erreichen.

Antworten Antworten Antworten ahha
03.01.2012 12:45
3 0

Re: Re: Re: Clique

...leider passen die Einkommen der Jungfamilien nicht zu höheren Mieten...

Gast: little_brother_is_watching_you_too!
02.01.2012 20:31
6 0

wenn der bedarf an wohnungen...

... so gross ist, warum werden dann ständig neue büroflächen gebaut, obwohl sowieso überall büroräumlichkeiten leer stehen?

1 0

Re: wenn der bedarf an wohnungen...

Das habe ich mich auch schon oft gefragt. Das kann sich ja nicht einmal rentieren, weil die wirklich alle leer stehen!

Gast: Wien spielt wieder einmal
02.01.2012 20:22
15 4

Sozial- und Wohnungsamt

für den Großen Orient und Afrika auf Kosten der heimischen Steuer- und Beitragszahler.

Da gilt allerdings für die ganze Republik.

Man übersieht die Rechte der indigenen Bevölkerung. Nach der UNO-Resolution 61/295vom 13.September 2007 steht der indigenen Bevölkerung Restitution und Schadenersatz für entzogenes Land und Ressourcen zu.

Nimmt man den Antritt der SPÖ-Alleinregierung 1970 als Wendepunkt zur ideologischen Migrationspolitik, wurden seither rund 20% der Bevölkerung ausgetauscht.

Bei einem kapitalisierten Wert der Staatsbürgerschaft als einer Art Genossenschaftsanteil von einer Million Euro ergibt dies einen Ersatz - Anspruch jedes Indigenen von 200.000 Euro, insgesamt
x 7.000.000 = 3000.000.000.000
3000 Milliarden Euro.

Gegen diese Schuld gegenüber der heimischen Bevölkerung verblassen die 220 Mrd offizieller Staatsschulden. Die multikulturelle Gesellschaft ist längst bankrott. Sie weiß es nur noch nicht.

Antworten Gast: Korrektorenkollektiv
03.01.2012 10:54
1 0

Re: Sozial- und Wohnungsamt

Sind zwar "nur" 1400 Milliarden Euro.
ist aber auch genug.

 
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