Eine schöne Dreizimmerwohnung innerhalb des Wiener Gürtels, vorzugsweise mit Balkon. Das war, wonach Petra und ihr Freund suchten. „Die Wohnungen werden ja immer teurer, da wollten wir gleich eine kaufen“, erzählt die 27-Jährige der „Presse“. Sie musste bald feststellen, dass es Traumwohnungen zwar gab, aber nicht annähernd in der Preiskategorie, die sie sich hätte leisten können. Die meisten Angebote fingen bei 300.000 Euro an. „Wenn man eine halbwegs schöne Wohnung will, ist das unerschwinglich“, stellt Petra resigniert fest. „Außer man erbt.“ Also beschlossen die beiden, eine Mietwohnung zu suchen. Man war ja zu zweit, da müsste sich schon etwas Nettes ausgehen. Doch als sich die junge Frau dann auch noch von ihrem Freund trennte, musste sie die Umzugspläne ad acta legen. Jetzt wohnt sie weiterhin in einem Außenbezirk.
Wünsche sind das eine
Dass es anders läuft als erhofft, ist keine Seltenheit, ganz im Gegenteil. Gerade bei jungen Österreichern klaffen zwischen Wunsch und Wirklichkeit in Sachen Wohnen große Lücken. Der Wunsch, Haus oder Wohnung zu erwerben, oder zumindest umzuziehen, ist bei ihnen sehr stark. In die Tat umgesetzt wird dies aber häufig nicht. Wie aus einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK hervorgeht, plant ein Viertel der unter 30-Jährigen, in den nächsten zwei Jahren ein Haus zu bauen oder eine Wohnung zu kaufen. Zum Vergleich: Über alle Altersgruppen geben neun Prozent an, sich ein Eigenheim zulegen zu wollen. Allerdings habe man nur nach den Wünschen gefragt, räumt GfK-Key-Account-Manager Paul Unterhuber ein. „Die Rückfrage, ob zur Erfüllung dieser Wünsche auch eine Finanzierung vorhanden ist, haben wir nicht gestellt.“
Jedenfalls ist bei den Jungen die Unzufriedenheit mit der derzeitigen Wohnsituation stark ausgeprägt. Bei den 20- bis 29-Jährigen ist der Anteil derer, die mit ihrer Wohnsituation unzufrieden sind, überdurchschnittlich hoch. Das geht aus dem Sonderband „Wohnwelten“ 2011 der GfK Austria Sozial- und Organisationsforschung hervor. Junge Frauen ziehen im Schnitt früher von zu Hause aus, sie äußern auch häufiger den Wunsch, „anders zu wohnen“, als Männer.
Egal, ob Männlein oder Weiblein – auch dieser Wunsch lässt sich oft nicht in die Realität umsetzen. In der Wirklichkeit ist vielmehr das „Nesthockerphänomen“ zu beobachten: die Tatsache, dass junge Leute bis in ihre frühen Dreißigerjahre noch bei den Eltern wohnen. „Auch in Österreich gibt es den Trend, dass man nicht mehr sofort von zu Hause auszieht, sobald man volljährig ist und studiert“, stellt Philipp Ikrath vom Institut für Jugendkulturforschung fest.
Mitte 30 und „als Kind in der Familie“
Laut Statistik Austria leben 70 Prozent der 20- bis 24-jährigen Männer und 56 Prozent der gleichaltrigen Frauen noch bei den Eltern. Viele bleiben auch nach Abschluss des Studiums oder der Ausbildung zu Hause: 34 Prozent der 25- bis 29-jährigen Männer und 19 Prozent der gleichaltrigen Frauen leben noch immer zu Hause bei den Eltern. In der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen sind es immerhin noch 13 Prozent der Männer und 4,5 Prozent der Frauen, die als „Kind in der Familie“ wohnen, wie die Statistik diese Gruppe nennt. Hohe Werte – allerdings leben in Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit (Italien, Spanien) noch mehr junge Menschen bei ihren Eltern. Der Trend habe also auch ökonomische Ursachen, räumt Ikrath ein.
Hierzulande steckten ebenfalls finanzielle Gründe dahinter, genauso aber Lifestyle-Trends. Die Autonomiebestrebungen der jungen Leute seien nicht mehr so stark wie früher, meint Ikrath, Restriktionen durch die Eltern seien bei über 20-Jährigen kaum noch vorhanden. Es sei bequem und billig, zu Hause zu wohnen, und auch nicht mehr „peinlich“ wie noch vor zehn Jahren. Zudem ortet Ikrath die Tendenz, verbindliche Entscheidungen hinauszuschieben. Und dazu zähle neben der Familiengründung eben auch die Suche nach einem fixen Wohnsitz.
Andrea Baidinger vom Beratungsunternehmen Bauen/Wohnen/Immobilien macht auch finanzielle Gründe aus: „Längere Schul- und Ausbildungszeiten, mehr Zweit- und Drittausbildungen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse sowie längere Jobsuche führen zu geringerem Einkommen in der Gruppe der Anfang-Zwanziger“, stellt sie in einer Studie fest.
Kaufen mit 40 plus
Früher war der Anteil der Jungen, die planten, eine Eigentumsimmobilie zu erwerben, auch höher. Das geht aus der Trendstudie „Wohnen 2011“ von Bauen/Wohnen/Immobilien hervor. Waren im Jahr 2001 noch 43 Prozent der angehenden Käufer und Hausbauer (für den Eigenbedarf) unter 25 Jahre alt, so sank dieser Anteil bis 2011 auf 29 Prozent. Der Anteil der über 40-jährigen Kaufwilligen ist gestiegen: von zwei auf zehn Prozent.
Wer daran denkt, sich ein Eigenheim zuzulegen, will mehrheitlich ein Haus, stellt Baidinger fest. Und auch das habe ökonomische Ursachen. Häufig sei bei Familien, die auf dem Land wohnen, ein Baugrund vorhanden, oder man habe ein Haus vererbt bekommen. Nur vier Prozent der jungen Umzugswilligen wollen sich laut den Ergebnissen der Trendstudie eine Eigentumswohnung zulegen, ein Viertel möchte in ein Eigentumshaus ziehen, der Rest zur Miete wohnen. Insgesamt habe sich der Anteil der Umzugswilligen in den vergangenen sieben Jahren aber deutlich reduziert, stellt die Expertin fest.
Günstige Miete schwer zu finden
Das Problem der Jungen in den Ballungszentren: Wer sich kein Eigentum leisten kann oder will und lieber zur Miete wohnen möchte, findet nur schwer etwas Günstiges. Denn die billigen Wohnungen sind meist schon besetzt. Während Altmieter auf dem freien Markt häufig sehr wenig Miete zahlen, müssen Neuzugezogene, die nur auf dem freien Markt fündig werden, in zentraler Lage in Wien etwa neun Euro pro Quadratmeter hinlegen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2012)
Der grüne Daumen Alles zum Thema pflanzen, pflegen, pflücken
Grill-Skill Sind Sie ein guter Grillmeister?
Trans-Miss Jennas kleiner Sieg
Life Ball Vorhang auf für die Sozzani-Show
Donna, Gloria, Boney Was wurde aus dem Disco Fever?