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Wohnen bei Mama ist nicht peinlich

10.02.2012 | 15:34 |  BEATE LAMMER (Die Presse)

Umfragen zufolge wünschen sich viele unter 30-Jährige ein Eigenheim oder wollen zumindest umziehen. De facto wohnen sie aber recht lange bei den Eltern.

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Eine schöne Dreizimmerwohnung innerhalb des Wiener Gürtels, vorzugsweise mit Balkon. Das war, wonach Petra und ihr Freund suchten. „Die Wohnungen werden ja immer teurer, da wollten wir gleich eine kaufen“, erzählt die 27-Jährige der „Presse“. Sie musste bald feststellen, dass es Traumwohnungen zwar gab, aber nicht annähernd in der Preiskategorie, die sie sich hätte leisten können. Die meisten Angebote fingen bei 300.000 Euro an. „Wenn man eine halbwegs schöne Wohnung will, ist das unerschwinglich“, stellt Petra resigniert fest. „Außer man erbt.“ Also beschlossen die beiden, eine Mietwohnung zu suchen. Man war ja zu zweit, da müsste sich schon etwas Nettes ausgehen. Doch als sich die junge Frau dann auch noch von ihrem Freund trennte, musste sie die Umzugspläne ad acta legen. Jetzt wohnt sie weiterhin in einem Außenbezirk.

 

Wünsche sind das eine

Dass es anders läuft als erhofft, ist keine Seltenheit, ganz im Gegenteil. Gerade bei jungen Österreichern klaffen zwischen Wunsch und Wirklichkeit in Sachen Wohnen große Lücken. Der Wunsch, Haus oder Wohnung zu erwerben, oder zumindest umzuziehen, ist bei ihnen sehr stark. In die Tat umgesetzt wird dies aber häufig nicht. Wie aus einer kürzlich veröffentlichten Umfrage des Meinungsforschungsinstituts GfK hervorgeht, plant ein Viertel der unter 30-Jährigen, in den nächsten zwei Jahren ein Haus zu bauen oder eine Wohnung zu kaufen. Zum Vergleich: Über alle Altersgruppen geben neun Prozent an, sich ein Eigenheim zulegen zu wollen. Allerdings habe man nur nach den Wünschen gefragt, räumt GfK-Key-Account-Manager Paul Unterhuber ein. „Die Rückfrage, ob zur Erfüllung dieser Wünsche auch eine Finanzierung vorhanden ist, haben wir nicht gestellt.“

Jedenfalls ist bei den Jungen die Unzufriedenheit mit der derzeitigen Wohnsituation stark ausgeprägt. Bei den 20- bis 29-Jährigen ist der Anteil derer, die mit ihrer Wohnsituation unzufrieden sind, überdurchschnittlich hoch. Das geht aus dem Sonderband „Wohnwelten“ 2011 der GfK Austria Sozial- und Organisationsforschung hervor. Junge Frauen ziehen im Schnitt früher von zu Hause aus, sie äußern auch häufiger den Wunsch, „anders zu wohnen“, als Männer.

Egal, ob Männlein oder Weiblein – auch dieser Wunsch lässt sich oft nicht in die Realität umsetzen. In der Wirklichkeit ist vielmehr das „Nesthockerphänomen“ zu beobachten: die Tatsache, dass junge Leute bis in ihre frühen Dreißigerjahre noch bei den Eltern wohnen. „Auch in Österreich gibt es den Trend, dass man nicht mehr sofort von zu Hause auszieht, sobald man volljährig ist und studiert“, stellt Philipp Ikrath vom Institut für Jugendkulturforschung fest.

 

Mitte 30 und „als Kind in der Familie“

Laut Statistik Austria leben 70 Prozent der 20- bis 24-jährigen Männer und 56 Prozent der gleichaltrigen Frauen noch bei den Eltern. Viele bleiben auch nach Abschluss des Studiums oder der Ausbildung zu Hause: 34 Prozent der 25- bis 29-jährigen Männer und 19 Prozent der gleichaltrigen Frauen leben noch immer zu Hause bei den Eltern. In der Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen sind es immerhin noch 13 Prozent der Männer und 4,5 Prozent der Frauen, die als „Kind in der Familie“ wohnen, wie die Statistik diese Gruppe nennt. Hohe Werte – allerdings leben in Ländern mit hoher Jugendarbeitslosigkeit (Italien, Spanien) noch mehr junge Menschen bei ihren Eltern. Der Trend habe also auch ökonomische Ursachen, räumt Ikrath ein.

Hierzulande steckten ebenfalls finanzielle Gründe dahinter, genauso aber Lifestyle-Trends. Die Autonomiebestrebungen der jungen Leute seien nicht mehr so stark wie früher, meint Ikrath, Restriktionen durch die Eltern seien bei über 20-Jährigen kaum noch vorhanden. Es sei bequem und billig, zu Hause zu wohnen, und auch nicht mehr „peinlich“ wie noch vor zehn Jahren. Zudem ortet Ikrath die Tendenz, verbindliche Entscheidungen hinauszuschieben. Und dazu zähle neben der Familiengründung eben auch die Suche nach einem fixen Wohnsitz.

Andrea Baidinger vom Beratungsunternehmen Bauen/Wohnen/Immobilien macht auch finanzielle Gründe aus: „Längere Schul- und Ausbildungszeiten, mehr Zweit- und Drittausbildungen, prekäre Beschäftigungsverhältnisse sowie längere Jobsuche führen zu geringerem Einkommen in der Gruppe der Anfang-Zwanziger“, stellt sie in einer Studie fest.

 

Kaufen mit 40 plus

Früher war der Anteil der Jungen, die planten, eine Eigentumsimmobilie zu erwerben, auch höher. Das geht aus der Trendstudie „Wohnen 2011“ von Bauen/Wohnen/Immobilien hervor. Waren im Jahr 2001 noch 43 Prozent der angehenden Käufer und Hausbauer (für den Eigenbedarf) unter 25 Jahre alt, so sank dieser Anteil bis 2011 auf 29 Prozent. Der Anteil der über 40-jährigen Kaufwilligen ist gestiegen: von zwei auf zehn Prozent.

Wer daran denkt, sich ein Eigenheim zuzulegen, will mehrheitlich ein Haus, stellt Baidinger fest. Und auch das habe ökonomische Ursachen. Häufig sei bei Familien, die auf dem Land wohnen, ein Baugrund vorhanden, oder man habe ein Haus vererbt bekommen. Nur vier Prozent der jungen Umzugswilligen wollen sich laut den Ergebnissen der Trendstudie eine Eigentumswohnung zulegen, ein Viertel möchte in ein Eigentumshaus ziehen, der Rest zur Miete wohnen. Insgesamt habe sich der Anteil der Umzugswilligen in den vergangenen sieben Jahren aber deutlich reduziert, stellt die Expertin fest.

 

Günstige Miete schwer zu finden

Das Problem der Jungen in den Ballungszentren: Wer sich kein Eigentum leisten kann oder will und lieber zur Miete wohnen möchte, findet nur schwer etwas Günstiges. Denn die billigen Wohnungen sind meist schon besetzt. Während Altmieter auf dem freien Markt häufig sehr wenig Miete zahlen, müssen Neuzugezogene, die nur auf dem freien Markt fündig werden, in zentraler Lage in Wien etwa neun Euro pro Quadratmeter hinlegen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.02.2012)

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17 Kommentare
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wie die italiener - bis ueber 40 bei mama

eigenstaendigkeit & verantwortung gibts in oesterreich bei der jungen generation hoechstens im "fremdwoerterbuch"

und wenn's mal nicht die eltern sind, dann soll einem der staat helfen und gefaelligst eine subventionierte wohnung mit subventionierten strom zur verfuegung stellen, der nur deswegen so sauteuer ist, weil die solar-schafe den strom zu einem voellig ueberteuertem preis (subventioniert natuerlich) ins netz einspeisen

da greift man sich echt auf den kopf

Gast: xom
11.02.2012 22:06
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spezielle fäll

ich habe ein weiteres phänomen beobachtet.
eine sechsköpfige familie - uns gegenüber wohnt auf 69m². der sohn ist so um die 24 und berufstätig. ebenso wie sein vater fährt er einen neuen bmw (papa einen fünfer, der junior einen dreier). nach dem motte hubraum statt wohnraum.
ob das ein einzelfall oder verbreitet ist, kann ich nicht sagen. aber zumindest ist es auch eine erklärung weshalb kein geld mehr für eine eigene wohnung da ist...

oma007
11.02.2012 18:56
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es ist eine Generation...

von Männer die von Frauen großgezogen wurde, ich frage mich ob noch eine Frau wirklich die Anwtwort auf deren Fargen ist ?!?!?

Gast: Hudriwudri
11.02.2012 16:10
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„Wenn man eine halbwegs schöne Wohnung will, ist das unerschwinglich“, stellt Petra resigniert fest.

Im Gegenteil war der Wohnungskauf in Wien in den letzten zehn Jahren vergleichsweise sehr erschwinglich. In die 90er reicht das Gedächtnis der jungen Dame offenbar nicht zurück, mcht aber nichts, da die Bundesregierung ja jetzt wieder die Angebotsverknappung forciert.

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Re: „Wenn man eine halbwegs schöne Wohnung will, ist das unerschwinglich“, stellt Petra resigniert fest.

Kein Wunder. In den 1990ern war Petra noch ein Kind. Da wird sie sich kaum mit Immobilienpreisen beschäftigt haben.

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Überraschung!

"Umfragen zufolge wünschen sich viele unter 30-Jährige ein Eigenheim oder wollen zumindest umziehen. De facto wohnen sie aber recht lange bei den Eltern."

Warum wird das wohl so sein, wenn das Wohnen im urbanen Gebiet (wo die Arbeitsplätze und Unis zu finden sind) sauteuer ist?

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Re: Überraschung!

die sind wegen den staendigen staatseingriffen so teuer


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Re: Re: Überraschung!

Das kann man nicht so sagen. Es gibt ja auch Spekulanten, die einfach nur gierig sind und Phantasiemieten verlangen. Gäbe es da keine gesetzliche Regelung, dann würden die Mieten erst recht nach oben schießen.

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Re: Re: Re: Überraschung!

das "nach oben schiessen" waere aber nur temporaer, weil dann keiner mehr die kohle hat eine wohnung zu mieten.

das ganze wuerde sich einpendeln auf einen preis, der dem "free market equilibrium" entspricht - wo anbieter noch gewinn machen und die leute sich die wohnung noch leisten koennen

wenn jedoch eine obergrenze festgelegt wird, "zahlt es sich nicht mehr aus" an bestimmten orten neue wohnungen zu bauen und es entsteht ein mangel, der wieder kuenstlich die preise hochtreibt (allerdings zieht die qualitaet nicht mit, weil es ja ein ueberangebot an nachfrage gibt)

so ruinieren die eingriffe des staats die qualitaet und treiben noch gleichzeitig die preise hoch.

preiskontrollen bedeuten immer mangel

Gast: Johan C.
10.02.2012 23:59
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BTW - günstige Wohnungen gibt

es sehrwohl, z.B. im Areal um den Reinlpark, Märzstraße, westlich der Johnstraße.

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Re: BTW - günstige Wohnungen gibt

Ja, fein!
Auch im 10. oder 11. gibt es günstige Wohnungen. Aber wer will da noch hinziehen?

Gast: Johan C.
10.02.2012 23:57
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Eh kloar - damit die Bubis lange bei Muttern bleiben

Es gibt leider in unserem Land tausende Mütter, die ein mehr oder minder krankhaftes Verhältnis zum Sohn oder den Söhnen aufbauen, eine Art Ödipus.

Ich vermute, daß das ein Muster ist, daß auch über die Gesellschaft "anerzogen" worden ist - wenn Du als Mutter nicht so oder so fürsorglich bist, dann bist Du eine schlechte Mutter.

Wenn aber eine Mutter aber nicht erkennt, daß sie dem Sohn das Leben verbaut, wenn er bei ihr ewig wohnt, dann läuft was gewaltig schief.

Eine Mutter kann von ihren Kindern erwarten, daß sie auf eigenen Beinen stehen, ein eigenständiges Leben führen, selbst eine Wohnung und einen Job suchen, selbst ihre Wäsche machen und selbst Essen, Socken und Unterhosen kaufen.

Erwachsene Kinder können von ihrer Mutter erwarten, daß sie nicht dauernd nachfragt, ob eh alles OK ist, wann sie nach Hause kommen, ob sie eh gut morgen in die Arbeit kommen etc.

Ich frage mich manchmal, was diese Mütter denken, die an ihren Söhnen klammern - was soll aus denen werden? Vor allem, wenn man selbst mal nicht mehr ist? Dann tritt eine große Katastrophe ein, und _evtl_ kratzt der Ödipussi die soziale Kurve. Aber vielleicht auch nicht, und dann landet er auf der Straße, als Sandler.

Dieses krankhafte Verhältnis ist auch Grund für unzählige unglückliche Ehen und Scheidungen, wenn Schwiegermütter ihre Söhne zu Bubis entmannen und die Ehefrau zum gekränkten Anhängsel gemacht wird.

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Re: Eh kloar - damit die Bubis lange bei Muttern bleiben

wow... das ist ja einmal ein Kommentar!

Wir Frauen sind schon etwas ganz Tolles! Wir kriegen nicht nur die Kinder, nein! Wir sind auch in der Lage sie selbst zu zeugen - ohne Mann. Denn wenn im Artikel oben immer die Rede von "den Eltern" ist, dann kann natürlich nur die Mutter gemeint sein! Und dieses Biest von Muttertier, das diesen Kindern ihre Zukunft verbaut... diese Mütter sollten ausgerottet werden!

In der Zeit, wo man für's Heiraten bezahlt wurde, wo man für Wasser nicht +33% zahlen musste und für Lebensmittel aufkommen konnte, in der Zeit hat man sich auch schon mit einem besseren Lehrlingsgehalt eine Wohnung leisten können. Heute ist das anders - das muss nicht zwingend die Schuld der Mütter sein.

Ein bisschen über den Tellerrand hinausschauen, würde nicht schaden.

Antworten Gast: insert_random_name_here
11.02.2012 15:36
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Re: Eh kloar - damit die Bubis lange bei Muttern bleiben

Sie wissen schon, dass sowas vor allem kulturell geprägt ist?

Nicht in allen Ländern dominiert diese Westlich geprägte Elbogengeselschafft wo Kinder bereits mit 20 auf die Straße gestellt werden und gefordert wird, dass sie auf eigenen Beinen zu stehen haben.

Osteuropäische oder Arabische Familien zum Beispiel bleiben eine sehr lange Zeit gemeinsam unter einem Dach weil für sie der Familienzusammenhalt das wichtigste ist. Und solche Familien gibt es auch in Österreich.

Aber man sieht ja was passiert wenn die Kinder zu früh das Elternhaus verlassen. DIe Eltern interessieren einen nicht mehr wenn sie alt sind. Man besucht sie nur noch selten und lässt sie einsam dahinvegetieren. Und das bei Menschen die einem das Leben geschenkt haben, traurig.

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Re: Re: Eh kloar - damit die Bubis lange bei Muttern bleiben

Ich finde, man muss da schon differenzieren.
Es ist ein Unterschied, ob sich in einem Haus beispielsweise 2 getrennte Wohneinheiten befinden oder der erwachsene Sprössling immer noch in seinem Kinderzimmer lebt und sich von seinen Eltern bedienen lässt.

Im Mehrgenerationenwohnen, das ja wieder modern wird (in Wien werden solche Projekte gerade gebaut, beispielsweise in der Breitenfurter Straße), wohnen auch mehrere Generationen im selben Haus, allerdings in getrennten Wohneinheiten. Das heißt, man kann sein eigenes Leben führen, aber sich regelmäßig sehen und sich umeinander kümmern. Das halte ich für eine sehr gute Lösung.

Zusammen wohnen heißt nicht unbedingt, dass sich ein Teil komplett ins Leben des anderen einmischt. Sowas kann ja auch auf Dauer nicht gut gehen.

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Re: Re: Re: Eh kloar - damit die Bubis lange bei Muttern bleiben

bei den kommunisten gabs auch "kommunales wohnen" - 1 raum pro familie wo alle drinnen sind, von den urgrosseltern bis zu den enkelkindern

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Re: Re: Re: Re: Eh kloar - damit die Bubis lange bei Muttern bleiben

Das ist aber nicht dasselbe wie modernes Mehrgenerationenwohnen. Da hat nämlich jeder seine eigene Wohnung (gentrennte Wohneinheiten), aber die Wohnungen befinden sich beispielsweise übereinander im selben Haus, das beispielsweise reihenhausartig angelegt ist.