Leichtgewichte für ganz oben

02.03.2012 | 18:47 |  ANTONIA NAVAL (Die Presse)

Holzkonstruktionen im Dachgeschoß helfen durch ihr geringes Gewicht Kosten zu sparen. Und die Arbeiten gehen rasch über die Bühne, weil vorgefertigt werden kann.

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Was leicht ist, das ist eine Frage der Definition. Dachgeschoßausbauten aus Holz zum Beispiel sind im Vergleich zu anderen Konstruktionen „leicht“ – das gilt allerdings vor allem in Bezug auf das Gewicht, nicht für die Durchführung des Projekts als solches: „Wird mit Holz gebaut, so ist das anspruchsvoller in der Detailplanung“, sagt Michael Ogertschnig von Holodeck architects. Das Büro war Generalplaner bei einem soeben fertiggestellten Dachausbau im vierten Bezirk in Wien (siehe Bild Seite I 2). Vier Wohnungen auf jeweils zwei Ebenen sind dabei entstanden. Die Konstruktion besteht aus einer Kombination von Holz und Stahl. „Das erlaubt eine schnelle Bauzeit und Maximierung der Nutzfläche“, erklärt Marlies Breuss, ebenfalls von Holodeck architects.

 

Schwer ist teuer

Gerade auf Wiener Gründerzeithäuser werden derzeit so manche Holzausbauten aufgesetzt. Der Grund: die Bestimmungen in Sachen Erdbebensicherheit, deren Vorgaben (und mögliche Erleichterungen) diskutiert werden. Bei sogenannten „schweren“ Ausbauten muss nämlich für das gesamte Haus eine Tragsicherheit wie bei einem Neubau nachgewiesen werden – die substanzverbesserenden Arbeiten sind ein kostenintensives Unterfangen. Wird jedoch ein leichter Aufbau geplant, muss das Gebäude „nur“ gleich sicher sein wie vorher. Wer also mit dem Kauf eines Dachbodens liebäugelt, sollte zur Besichtigung nicht nur einen Architekten, sondern auch einen Tragwerksplaner mitnehmen, um von Anfang an die Möglichkeiten zu kennen.

„Wie viel ein Ausbau letztendlich kostet, ist auch von der Qualität der alten Konstruktion, des Bestandes, abhängig“, sagt Thomas Lenzinger, Geschäftsführer von Griffner. Die Kärntner Firma hat im neunten Bezirk in der Alserbachstraße auf ein Gründerzeithaus mit Holz aufgebaut und 750 Quadratmeter Wohnfläche geschaffen. Die Konstruktion und die Dämmung erfolgten in Holz, Zellulose und Kork. Aktuell werden auf ein Wohnhaus aus den 1970er-Jahren im 20. Bezirk in der Hellwagstraße (siehe Bild oben) weitere Einheiten in Holzbauweise aufgesetzt. „Hier ist alles aus Holz, außer das Stiegenhaus und die Verlängerung des Liftschachtes“, erklärt Lenzinger.

 

Präzision auf den Millimeter

Er sieht die Vorteile der Holzbauweise nicht nur in der Leichtigkeit des Rohstoffes, sondern auch darin, dass industriell vorgefertigt werden kann. „In der Halle sind wir unabhängig von der Witterung, auf der Baustelle geht es dann einfach schneller“, sagt Lenzinger.

Ähnlich sieht es der Vorarlberger Architekt Much Untertrifaller vom Büro Dietrich Untertrifaller Architekten. Er spricht von „idealen Produktionsbedingungen“ in der Halle und lobt die Präzision von Holz. „Während man bei massiver Bauweise von Abweichungen in Zentimetern redet, sind es bei Holz nur Millimeter.“ Einen zweigeschoßigen reinen Holzbau haben die Architekten beispielsweise auf ein Stahlbetongebäude in Wien im 15. Bezirk aufgesetzt. Für Untertrifaller spielt beim Thema Holz die Behaglichkeit ebenso eine Rolle wie ökologische Kriterien. Diese und die Energieeffizienz sind auch für Griffner-Geschäftsführer Lenzinger wesentliche Punkte, wenn es um das Bauen mit Holz geht. Die Vorfertigung sei aber beim Dachausbau nicht sinnvoll, wenn es sich um sehr kleine Dachböden handelt. Das lohne sich nicht, „in diesem Fall wird vor Ort gearbeitet“.

 

Nur konstruktiv oder dekorativ?

Wird mit Holz gebaut, so heißt das nicht automatisch, dass man das Material auch sieht. Brandschutz ist der wichtigste Grund, warum Holzwände mit Gipsplatten verkleidet werden. Gerade bei limitierter Bauhöhe ist das auch eine Frage des Platzes. „Sollen Holzträger sichtbar sein, muss der Querschnitt des Holzes erhöht werden, um den jeweiligen Brandschutzanforderungen zu entsprechen“, erklärt Breuss. Es gelten allerdings verschiedene Vorschriften in Stadt und Land, und auch zwischen Ein- und Mehrfamilienhäusern gibt es in dieser Hinsicht Unterschiede.

„Soll das Holz nicht nur konstruktiv, sondern auch dekorativ eingesetzt werden, so erhöht das meist die Kosten“, sagt Untertrifaller. Bei der Expertise von Architekten zu sparen, sei bei Holzbauweise wenig ratsam, meinen die Experten unisono. Die Bauherren im Ländle sind jedenfalls dabei dem Rest des Landes weit voraus: Während in Vorarlberg rund 40 Prozent der Häuser von Architekten geplant sind, sind es in Restösterreich gerade drei Prozent.

WEITERE INFORMATIONEN UNTER

www.dietrich.untertrifaller.com www.griffner.com

www.holodeckarchitects.com

Auf einen Blick

Holzbau ist eine Konstruktionsweise, die es beim Dachausbau ermöglicht, teure Substanzverbesserungen im Bestand, auf den aufgestockt wird, einzusparen. Dabei wird entweder nur mit Holz (oft vorgefertigte Teile) gebaut – oder mit Kombinationen von Holz und Stahl oder Holz undBeton. Planerisch ist die Holzbauweise komplexer als die Massivbauweise.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.03.2012)

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1 Kommentare

Wieder einmal: Ganz ausgezeichnete Information! Bravo!!!


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