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Meerblick, erste Reihe fußfrei

15.06.2012 | 18:43 |  ELKE JAUK-OFFNER (Die Presse)

Kroatien wird auch bei der Crème de la crème der Gesellschaft immer beliebter, Mallorca kann das Niveau bestens halten, doch Rest-Spanien und Griechenland bleiben auf ihren Urlaubsresidenzen sitzen.

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Mal logiert Francesca Habsburg vor Ort, mal fährt Roman Abramovich mit seiner Jacht vorbei – die Rede ist dabei nicht von der Costa Smeralda, sondern von Dubrovnik, hier versammelt sich bereits ebenfalls die Prominenz. Kroatien hat in letzter Zeit sukzessive an Attraktivität gewonnen, nicht allein wegen seiner guten Erreichbarkeit mit dem Pkw. „Das Land hat sich als Ferienimmobiliendestination am stärksten entwickelt“, sagt Immobilienexperte Peter Marschall. Noch mehr wird erwartet: „Man hat sich auf die Fahnen geheftet, als Hotspot Sardinien und der Côte d'Azur Konkurrenz zu machen.“

Der Mittelmeerraum liegt jedenfalls ganz vorn in der Gunst der Österreicher, auch wenn diese im Vergleich zu Deutschen, Schweizern oder Engländern relativ verhalten sind, wenn es um Ferienimmobilien geht. „Wir haben viele Kunden aus Österreich und Deutschland, die erst eine Immobilie in Spanien kaufen wollten, sich jetzt aber für Kroatien entschieden haben“, berichtet Bernard Matošević von Re/max Kroatien in Trogir. Der avisierte EU-Beitritt 2013 gebe vielen, die einen Immobilienkauf erwägen, eine gewisse Sicherheit: „Wir sind zuversichtlich, dass in den nächsten Jahren der Immobilienmarkt in Kroatien stark zunehmen wird“, so Matošević. Die Ansprüche der Klientel – interessiert sind auch Skandinavier, Italiener und Russen – sind hoch, „man kann nur noch qualitativ gute Immobilien an ausländische Kunden verkaufen, die restlichen im Portfolio sind Ladenhüter“.

Momentan hofft man auf Investoren, die entsprechend hochwertige Immobilienprojekte realisieren. Gedrückt sei die Stimmung nicht, so Matošević: „Das ist sehr typisch für die Kroaten. Sie bewahren auch in Krisenzeiten die Ruhe, die Immobilienpreise sind mit 2,5 Prozent nur minimal gefallen.“

Aktuell stehen etwa auf der Insel Ciovo in Slatine exklusive Wohnungen direkt am Meer in der Größenordnung von 95 bis 160 Quadratmeter zwischen 370.000 und 725.000 Euro oder eine Sechszimmervilla am Meer in der Nähe von Trogir um 2,75 Millionen Euro zum Verkauf. Laut Matošević sind Rovinj und Porec in Istrien, Opatija, Crikvenic, die Insel Krk, Zaton und Biograd na Moru in der Region Zadar, Vodice, Rogoznica, die Insel Ciovo, Trogir, Makarska und Omis in Dalmatien und Dubrovnik besonders gefragt.

 

Fischerdorf als Luxusprojekt

Heimische Käufer sind „vor allem an Appartements in reizvollen Küstenlagen nahe einer Ortschaft oder eines Hafens, im besten Fall mit eigenem Meerzugang interessiert“, beschreibt Christian Herzog von Herzog Immobilien die Wünsche der österreichischen Interessenten. In Italien wird beispielsweise bei Duino nahe Triest im Rahmen des Projekts „Portopiccolo Sistiana“ ein ganzes Luxusfischerdorf aus dem Boden gestampft. „Erste Fertigstellungen gibt es aber frühestens in zwei Jahren“, so Herzog. Die Preise bewegen sich um die 5000 Euro pro Quadratmeter. Als ewiger Hotspot fungiert Venedig – aktuell ist unter anderem ein Appartement mit Blick auf den Canal Grande und die Rialtobrücke um 2,1 Millionen Euro zu haben. „Der Blick aus dem Fenster gleicht einem Gemälde“, schwärmt Herzog.

Überhaupt stehen in Italien derzeit viele Feriendomizile zum Verkauf, „das Angebot ist weitaus größer als die Nachfrage“, berichtet Simone Pierini von Re/max Sardinien, „die Käufer können aus einem breiten Angebot wählen und sind sehr schwer zufriedenzustellen“. Für ausgesuchte Objekte müssen sie mit Preisen zwischen 1,5 und zehn Millionen Euro rechnen.

Der Immobilienmarkt Spaniens dagegen hat sich noch nicht erholt. „Gut für die Käufer, schlecht für Verkäufer, die Preise sind zwischen 30 und 70 Prozent niedriger als vor einigen Jahren“, erklärt Leonardo Cromstedt von Re/max in Marbella. „Nur manche Makler und Bauträger vor Ort versuchen, die Situation schönzureden“, sagt Herzog. Es werde zwar weitergebaut, „allerdings geht man mit dem Preis total in die Knie, viele Objekte kosten im Vergleich zu 2007 bloß ein Drittel“, so der Immobilienexperte. Bereits um 120.000 Euro kann man beispielsweise in Murcia 65-Quadratmeter-Appartements mit Terrasse direkt am Meer erwerben.

 

Große Marktunterschiede

Hotspot Marbella ist dagegen ein teures Pflaster geblieben. Der Qualitätsstandard ist hoch, entsprechend auch der Preis, der bis zu 50 Millionen Euro betragen kann. 65 Prozent der Immobilien sind an der Costa del Sol in internationalem Besitz. Völlig isoliert vom Festland zu betrachten ist auch der Markt in Mallorca und Ibiza, „hier konnten die Preise gehalten werden, ja sind sogar im Steigen begriffen“, so Herzog. Allerdings nur dann, wenn Qualität, Ausblick, Liegenschaft und Architektur höchsten Ansprüchen genügen. Niki und Birgit Laudas Villa „La Le Lu“ beispielsweise mit 420 Quadratmeter Wohnfläche und 9100 Quadratmeter Grund würde für 3,95 Millionen Euro den Besitzer wechseln. Das neu gestaltete Anwesen auf der Bergspitze zwischen Porroig und Es Cubells umfasst ein Haupthaus samt Gästehaus und Pool. Neben den vier Schlafzimmern mit Bädern kann das Poolhaus – zur Zeit ein offener Wohn-Chill-out-Bereich mit TV – als fünftes Schlafzimmer genutzt werden.

 

Niedrigenergie auf mallorquinisch

Luxuspassivhäuser mit Meerblick stehen in Puerto de Andratx an der Südwestspitze Mallorcas zum Verkauf – die kubischen Villen mit 228 Quadratmeter Wohnfläche und 1100 Quadratmeter Grund sind um 1,6 Millionen Euro zu erwerben. „Das Projekt eignet sich auch dafür, um gemeinsam mit drei bis fünf Freunden grundbücherlich gesichertes Teileigentum zu erwerben“, sagt Eggert Koch von Dr. Koch Traumrealitäten.Ferienimmobilien dienen nicht nur als Urlaubswohnsitz, sondern auch als Investment, eine mehrmonatige Eigennutzung in Verbindung mit einer anschließenden Vermietung ist verstärkt ein Thema. Ob man sich grundsätzlich für eine Villa oder ein Appartement entscheidet, ist nicht allein eine Frage des Budgets, sondern auch eine des Betreuungsaufwandes, so Koch. Appartements sind einfacher im Handling, zudem können in vielen Fällen die Infrastruktur sowie das Freizeitangebot eines Hotels mitbenutzt werden.

Relativ hohe Verunsicherung herrscht derzeit in Griechenland, Nachfrage wie Preise sind rückläufig, analysiert Marschall. Stelios Samoladas von Re/max in Thessaloniki bestätigt: „Durch die Krise sind die Preise enorm gefallen, der Luxusimmobilienmarkt hat am meisten gelitten.“ Es gibt eine Vielzahl von freien Ferienimmobilien – Samoladas spricht von 30.000 bis 40.000 Neubauten und einigen tausend Second-Homes. Die Nachfrage ist gering, die Käufer warten ab, „darauf, dass sich die politische Situation stabilisiert, ausländische Projektentwickler investieren und die Preise weiter fallen“.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2012)

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