Die Szenarien, die die Zukunft der Diamantenbranche betreffen, sind, gelinde gesagt, ambivalent. Rosig sah die Lage bisher in Fernost aus: Indien und China werden von der Branche als die Wachstumstreiber gesehen. Eine immer finanzkräftigere Mittelklasse stillt ihren Durst nach Luxus mit funkelnden Steinen. Dem gegenüber steht ein relativ kleines (bzw. von den großen Minenbetreibern wie De Beers und Alrosa klein gehaltenes) Angebot. Auch am Diamantenhandel ist die Wirtschaftskrise jedoch nicht spurlos vorübergegangen. Vor allem in Europa und den USA ist die Nachfrage rückläufig. BMO-Capital-Markets-Analyst Edward Sterck sagt für das Jahr 2012 eine Stagnation der Preise für Rohdiamanten voraus und widerspricht damit den optimistischen Prognosen der Branche, die von einer stetig wachsenden Nachfrage ausgehen, die die Preise weiter in die Höhe treibt.
Auch Motor Fernost stottert
Denn in Fernost rattert der Konjunkturmotor nicht mehr so zuverlässig wie erwartet. Eine Stagnation der Nachfrage wäre für die Branche an sich noch verkraftbar: Wenn man sich die Preisentwicklung für lupenreine Einkaräter seit den 1960er-Jahren ansieht (siehe Grafik), dann wird klar: Die Diamantenpreise befinden sich auf einem historisch hohen Niveau und sind nahezu stetig gestiegen. Das Zwischentief 2008/09 ist übertaucht, auch wenn Kosteninflation und Währungsschwankungen an den Margen der Produzenten nagen.
Doch was heißt all das für den Privatanleger? Brancheninsider wittern zunächst einmal eine neue Möglichkeit für Großinvestoren und für die Finanzbranche, mit Diamanten ihre Portfolios breiter zu streuen, etwa bei Fonds. Dabei wird ordentlich geklotzt: Diamanthändler Oded Mansori von RDH Diamonds in Antwerpen empfiehlt Investoren, in die richtig großen Klunker zu investieren: Damit meint er alles vom Fünfkaräter aufwärts, in einer Preisklasse ab 150.000 Euro. Denn im Toppreissegment sei man vor der Volatilität geschützt, der die kleineren Gewichtsklassen ausgesetzt seien. „Bis zu 20 Prozent des investierbaren Vermögens würde ich in Diamanten stecken“, rät Mansori. Allerdings müsse man langfristig denken, das heißt, sich für minimal zehn Jahre binden. Auch Astrid Fialka-Herics, Juwelenexpertin des Wiener Dorotheums, weiß von Großkunden zu berichten, die mit Diamanten ihr Portfolio aufstocken. Namen will sie aber keine nennen. Das Dorotheum hat immer wieder Edelsteinauktionen im Programm. Allerdings zu Einzelhandelspreisen, also zuzüglich 20 Prozent Mehrwertsteuer. Das heißt, dass der Diamant um 20 Prozent im Wert steigen muss, damit sich das Investment rentiert. Das ist, auch wenn man den optimistischeren Prognosen der Branche Glauben schenkt, ein hoch gestecktes Ziel.
Dauerbrenner Brillant
Ein Grund, weshalb es keine gängige Praxis der Finanzbranche ist, Diamanten etwa zur Streuung des Portfolios eines Fonds anzubieten und so ein Investment auch für Kleinanleger attraktiv zu machen, liegt zum Teil in der erforderlichen Expertise. Denn für Diamanten gibt es keine pauschal festlegbaren Preise. Das Gewicht, das in Karat angegeben wird, ist nur einer von vier preisbestimmenden Faktoren, die als die vier Cs bekannt sind. Neben „carat“ ist auch „clarity“ entscheidend.
Als lupenrein wird ein Diamant dann bezeichnet, wenn auch unter zehnfacher Vergrößerung keine Einschlüsse und Unreinheiten zu erkennen sind. Dazu kommen noch „cut“ (Schliff) und „colour“ (Farbe) . Was den Schliff betrifft, raten sowohl Fialka als auch Mansori zu Klassikern. Der Brillant- oder der Baguetteschliff haben immer Konjunktur, Fantasieschliffe wie etwa das Herz seien hingegen kein gutes Investment. Auf jeden Fall sollte man beim Kauf darauf achten, dass dem Diamant ein Qualitätszertifikat eines international anerkannten Institutes beiliegt.
Tipp 1
Preis. Diamanten sind im Gegensatz zu Gold umsatzsteuerpflichtig. Im Einzelhandel zahlt man 20 Prozent Mehrwertsteuer. Den Preis bestimmen die vier Cs (clarity, cut, colour, carat) . Ein lupenreiner Einkaräter kann im Einzelhandel zwischen 3000 und 30.000 Euro kosten. Diamant-Auktionen zu Großhandelspreisen finden unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt.
Tipp 2
Zertifikat. Ein wichtiges Qualitätssiegel für einen geschliffenen Diamanten ist ein international anerkanntes Zertifikat. Die renommiertesten Prüfstellen sind das HRD (Diamond High Council), des IGI (International Gemological Institute), das GIA (Gemological Institute of America) und das EGL (European Gemological Laboratory).
Tipp 3
Klotzen, nicht kleckern. Je größer der Wert, desto weniger ist der Diamant Preisfluktuationen ausgesetzt. Deshalb empfiehlt das Dorotheum, nichts unter einem Karat als Wertanlage zu kaufen. Brancheninsider aus dem Handelszentrum Antwerpen raten Großinvestoren zu Diamanten von fünf Karat aufwärts. Die untere Kostengrenze liegt bei so einem Klunker bei 150.000 Euro.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.06.2012)
MietübersichtAlle 23 Bezirke
Psychologie in der GeldanlageEXPERTENTIPP von von Andreas Lassner, Geschäftsführer der KEPLER-FONDS KAG
Geldanlage verständlich gemacht
SemperitNischenprodukte mit Potential

