Wien. Wer Ende Juli 2011 für zwei, drei Wochen das Land verlassen hat, um auf Urlaub zu fahren, dürfte nach seiner Rückkehr wenig erfreut gewesen sein. Zumindest als Inhaber eines Aktiendepots. Denn in dieser Zeit bewegten sich die Märkte wieder einmal merklich bergab. Und im Gleichklang sank wohl auch das auf dem Depot veranlagte Vermögen.
Gerade in Zeiten wie diesen, in denen die Märkte volatil sind und täglich neue Hiobsbotschaften für Kursverluste sorgen können, kann es sich auszahlen, Vorkehrungen zu treffen. Dazu zählt, das Depot fit für den Urlaub zu machen. Ein paar Handgriffe reichen da aus, um ruhiger zu schlafen.
Ein Problem während der Sommermonate sei in der Regel, dass aufgrund niedrigerer Volumina Marktbewegungen stärker ausfallen können als sonst, sagt Thomas Schaufler von der Erste Bank. Schaufler sieht generell zwei Möglichkeiten, um sich für den Urlaub zu wappnen: Entweder erstellen Anleger eine Chartanalyse und entscheiden dann, was sie mit ihren Aktien tun, oder aber sie setzen Limits.
Limits nichts zu knapp setzen
Letztere bieten unterschiedliche Möglichkeiten: Bei sogenannten Stop-Loss-Orders kann der Kunde bestimmte Kursgrenzen setzen. Erst wenn diese auch erreicht werden, greift die Order.
Bei der Stop-Market-Order wird die Aktie zum nächstbesten Kurs verkauft. Dabei trägt man aber das Risiko, dass zu einem Preis unterhalb der gewünschten Grenze verkauft wird.
Ein Beispiel: Die Aktie eines Unternehmens kostet 15 Euro. Nach Börsenschluss veröffentlicht das Unternehmen eine schlechte Nachricht, das Papier wird am nächsten Morgen plötzlich nur noch um neun Euro gehandelt. Hat man die Stop-Market-Order bei zehn Euro gesetzt, wird das Papier aber nicht zu dem festgelegten Kurs, sondern um neun Euro verkauft, weil das der beste Kurs ist, der unter den Marktteilnehmern zustande kommt. Um das zu verhindern, kann man sich auch für eine Stop-Limit-Order entscheiden. Dann wird das Wertpapier nicht unter einem bestimmten Kurs verkauft. Der Verkauf wird nur durchgeführt, wenn der Preis über einem bestimmten Limit liegt. Im schlechtesten Fall bleibt man auf den Papieren sitzen, wenn das Limit nicht mehr erreicht wird.
Stop-Loss-Orders sollten zudem nicht bei einer runden Zahl gesetzt werden, da dann die Gefahr besteht, dass das auch viele andere Anleger machen. Fällt der Kurs dann wirklich auf diesen Wert, wird plötzlich eine Reihe von Verkaufsorders in Gang gesetzt, die einen weiteren Kursrutsch zur Folge haben. Auch sollte man Orders nicht zu knapp setzen. Denn dann kann man von nachher steigenden Kursen nicht mehr profitieren, weil die Aktien längst verkauft worden sind.
Ruhiger schlafen mit Fonds?
Neben klassischen Stop-Loss-Orders gibt es auch Trailing-Stop-Loss-Orders. Die Verkaufsgrenzen orientieren sich hier an anziehenden Kursen. Der Anleger muss festlegen, wie groß der Abstand zwischen dem Aktienkurs und dem Stop-Kurs, entweder in absoluten Zahlen oder anhand einer prozentualen Differenz, ist.
Freilich können sich Kunden mittels Optionen absichern, sagt Mathias Bauer von Raiffeisen Capital Management. „Da muss man sich aber gut auskennen.“ Weniger Sorgen müssten sich Anleger machen, die Fondsanteile halten, wie Bauer sagt. Denn hier vertraue man sein Geld jemandem an, der nichts anderes macht, als Fonds zu managen. Wer im Urlaub Zugang zum Internet hat, kann sein Depot freilich auch via Smartphone beobachten. Bei direktanlage.at erhalten Kunden auf Wunsch etwa E-Mail-Benachrichtigungen, falls der Wert einer Aktie unter eine bestimmte Grenze fällt. Wird eine vorher festgelegte Order ausgeführt, kann man sich davon auch in Kenntnis setzen lassen, wie Direktanlage-Chef Ernst Huber sagt.
Tipp 1
Weite Grenzen. Entscheiden sich Anleger dafür, Limits zu setzen, sollten diese nicht zu eng ausfallen. Denn schwankt der Kurs an einem Tag stark, könnte bei eng gezogenen Grenzen eine Verkaufsorder erteilt werden. Steigt der Kurs am nächsten Tag aber wieder an, schaut man durch die Finger, weil die Aktien längst abgestoßen wurden.
Tipp 2
Runde Zahl. Stop-Loss-Orders bei einer runden Zahl zu setzen ist nicht unbedingt von Vorteil. Denn es besteht die Gefahr, dass das viele andere auch tun. Fällt der Kurs dann unter diese Schwelle, werden auf einmal viele Verkaufsorders in Gang gesetzt, was dazu führen kann, dass zu einem Preis weit unter dem gewünschten verkauft wird.
Tipp 3
Mobil. Wer Limits nicht traut und im Besitz eines Smartphones ist, hat bei Online-Brokern in der Regel die Möglichkeit, sein Depot anhand einer mobilen Applikation zu überwachen. Voraussetzung dafür ist freilich der Zugang zum Internet. Manche Broker bieten ihren Kunden auch E-Mails oder SMS-Benachrichtigungen an, wenn sich in ihrem Aktiendepot etwas verändert.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.07.2012)
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