Die Presse: Ergibt das Bausparen noch einen Sinn?
Josef Schmidinger: Selbstverständlich. Man spart regelmäßig Geld an. Mit kleinen monatlichen Beträgen hat man die Chance, in überschaubarer Zeit eine große Investition zu machen, etwa eine Wohnung zu kaufen. Man schafft die Basis, um später relativ einfach einen Kredit zu bekommen.
Sie verknüpfen also die Sinnhaftigkeit des Bausparens mit dem Bauspardarlehen, auf das die Sparer später Anspruch haben?
Ja, das ist die ursprüngliche Idee des Bausparens.
Und wenn ich keine Absicht habe, einen Kredit zu nehmen, sondern nur ans Ansparen denke?
Dann macht das auch Sinn. Durch das Sparen trägt man dazu bei, dass andere ein Bauspardarlehen bekommen und dieses Geld dann investieren können. Das ist ja gut für die Wirtschaft.
Das ist volkswirtschaftlich gesehen vielleicht gut. Als Sparer will man aber hohe Renditen. Bis vor Kurzem gab es für das Bausparen noch eine staatliche Prämie von drei Prozent jährlich (bis zu 36 Euro). Die wurde nun halbiert. Außerdem ist die Verzinsung gering.
Trotzdem, 18 Euro sind auch nicht schlecht. Natürlich wäre es mir lieber gewesen, wenn der Staat die Prämie nicht gekürzt hätte, wir täten uns beim Verkaufen leichter.
Mit einem Sparbuch steigt man nun besser aus als mit einem Bausparer.
Das kann ich mir nur schwer vorstellen. Wie soll das funktionieren?
Man legt 1200 Euro jährlich nicht auf den „Bausparer“, sondern auf ein Sparbuch mit je einjähriger Bindung.
Und welche Bank zahlt den Sparern auf Dauer höhere Zinsen als die Bausparkassen?
Bei Direktbanken bekommt man derzeit über zwei Prozent. Das ist doppelt so hoch wie der Marktzinssatz, also der 12-Monats-Euribor. Wenn die Banken immer Sparzinsen zahlen, die über dem Euribor liegen, ist das lukrativ. Beim variablen Bausparer liegt die jährliche Verzinsung immer unter dem Euribor (außer im Einstiegsjahr, Anm.).
Beim Fixzinsbausparen bieten wir zwei Prozent, dieser Zinssatz ist somit höher als der Marktzins. Aber auch die Verzinsung beim variablen Bausparen ist relativ gut– bei einem Anlagehorizont von sechs Jahren. Schließlich gibt es auch noch die staatliche Prämie. Bei anderen sicheren Anlagen, etwa einer deutschen Bundesanleihe, müssen die Sparer ebenso Negativzinsen in Kauf nehmen. Auch im Vergleich mit Sparbüchern schaut es beim Bausparen gut aus – auf sechs Jahre gesehen. Denn auch die Direktbanken können nicht ständig ein Prozent mehr zahlen als andere Banken.
Wieso nicht?
Die Banken können nicht ständig Sparzinsen verschenken, sie müssen das auf der anderen Seite wieder verdienen, also Kredite vergeben. Klar, es gibt jetzt Banken, die die Sparer mit hohen Zinsen anlocken, um damit Marktanteile zu gewinnen. Es ist aber eine Illusion zu glauben, dass solche Banken immer so hohe Zinsen zahlen können. Was ist mit den isländischen Banken passiert, die vor einigen Jahren in Österreich mit hohen Zinsen gelockt haben? Die sind schon lange nicht mehr da. Die Sparer wollen doch Sicherheit, nicht ständig von Sonderangeboten abhängig sein. Es gibt sicher sogenannte „Hopper“, die sich jedes Jahr ein Sonderangebot schnappen. Dass diese Anleger in sechs Jahren besser abschneiden als ein „Bausparer“, schließe ich nicht aus. Aber ich kann mich noch gut an die Diskussion vor fünf Jahren über das „triviale Bausparen“ erinnern. Und was ist passiert?
Was ist denn passiert?
Das sichere Bausparen hat bessere Renditen erzielt als die meisten Fonds, Pensionskassen oder die Zukunftsvorsorge. ker
("Die Presse", Print-Ausgabe, 14.07.2012)
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