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Kredite: Geringe Zinsen, höhere Aufschläge?

16.07.2012 | 18:40 |  NICOLE STERN (Die Presse)

Der für Kreditzinsen wichtige Basiswert Euribor ist niedrig. Für Darlehen müssten Kunden daher theoretisch weniger zahlen - wenn die Banken ihre Aufschläge nicht erhöhen.

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Wien. Das Zinsniveau in Europa ist niedrig. Sparen zahlt sich daher immer weniger aus – auch weil Anleger nach Abzug der Inflation Geld verlieren, anstatt welches zu gewinnen. Dies hängt unter anderem mit dem für den Euroraum wichtigen Referenzzinssatz Euribor zusammen, zu dem sich Banken untereinander Geld leihen. Der Dreimonats-Euribor, Basis vieler Spar- und Kreditzinsen, ist gestern, Montag, auf 0,477 Prozent gesunken – und damit auf ein historisches Tief.

Für Kreditnehmer ist die Situation erfreulich. Je geringer der Basiswert eines Darlehens, desto niedriger sind die zu zahlenden Zinsen, theoretisch zumindest.

Praktisch können Banken aber zusätzlich zum Basiswert höhere Aufschläge von neuen Kreditkunden verlangen, sodass sich die Konditionen für die Kunden zwar verbessern, aber nicht im gleichen Ausmaß, wie der Euribor fällt. Laut Experten ist es in Hochzinsphasen leichter, die Aufschläge niedrig zu halten, als in Niedrigzinsperioden.

Unter dem Strich sinken die Zinsen, wie eine Statistik der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zeigt. Seit Jahresbeginn hat auch der Euribor stark nachgegeben.

 

Bonität ausschlaggebend

Im gleichen Zeitraum sind Nominal- wie Effektivzinsen im Kreditneugeschäft für den privaten Wohnbau gefallen. Auch künftig können sich Konsumkreditnehmer bei der Bawag auf niedrigere Zinsen einstellen. Ab August sollen Neu- und Bestandskunden um 0,75 Prozentpunkte weniger zahlen. Höhere Aufschläge würde man nicht verlangen, sagt Bawag-Experte Michael Bauer. Bei Wohnbaufinanzierungen müssen die Kunden indes abwarten. Dort sehe man sich den Mischzinssatz der jeweils letzten drei Monate (für den Dreimonats-Euribor) an. Mit August werde der geringere Basiswert wohl noch nicht bei Kreditnehmern ankommen. Anders dürfte die Sache zum Stichtag im November aussehen. Da sei eine Senkung des Referenzzinssatzes wahrscheinlicher.

Auch bei der Raiffeisen Landesbank NÖ-Wien betont man, dass die Aufschläge nicht gestiegen sind. „Wir stehen mit unseren Konditionen in Konkurrenz zu anderen Banken“, sagt Vertriebschef Manfred Aschauer. Wie hoch die Zinsbelastung für den Kunden ausfällt, sei auch eine Frage der Bonität. „Es ist klar, dass der Zinssatz für jemanden, bei dem sich ein Kredit nur knapp ausgeht, anders aussieht, als für jemanden, der über Eigenmittel verfügt“, sagt Aschauer. Je schlechter die Bonität des Antragstellers, desto tiefer muss dieser in die Tasche greifen.

 

Österreicher zahlen weniger

Stefan Bruckbauer von der Bank Austria gibt hingegen zu bedenken, dass weitere Zinssenkungen durchaus problematisch sein könnten.

Schon jetzt seien die Aufschläge hierzulande nicht besonders hoch. „Ich glaube nicht, dass da noch viel nach unten gehen kann.“ Österreichische Kunden würden weniger als deutsche Darlehensnehmer zahlen. Und das, obwohl sich die Institute dort oft günstiger refinanzierten, so Bruckbauer.

Jemand, der heute einen Kredit abschließe, werde im Schnitt und inklusive Aufschläge aber wohl geringere Zinsen in Kauf nehmen müssen, als jemand, der sich beispielsweise bereits vor vier Monaten für eine Bankfinanzierung entschlossen hat, sagt Bruckbauer. [i-Stockphoto]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.07.2012)

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1 Kommentare
Gast: hulli
17.07.2012 14:23
0 0

huppi

langsam fühl ich mich schlecht dass ich noch keinen kredit habe. ich würde auch gerne jemand zu günstigen konditionen etwas schulden.

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