Monatelang spekulierte die Fußballwelt, an welche Börse der englische Traditionsklub Manchester United stürmen würde. Schlussendlich wurde es nicht Singapur oder Hongkong, wie vorher gemutmaßt, sondern die New York Stock Exchange. 100 Mio. Dollar (81 Mio. Euro) will die amerikanische Eigentümerfamilie mit dem Börsengang erlösen. Fragt sich nur: Wer ist so mutig, die Aktien zu zeichnen? In der Vergangenheit haben sich Investments in Fußballklubs für Anleger nämlich nicht gerade als Glückstreffer erwiesen.
Beispiel Borussia Dortmund: Der deutsche Meister ist der einzige Bundesliga-Klub, der an der Börse notiert. Seitdem er im Jahr 2000 den Gang aufs Parkett wagte, ist der Kurs der Borussia-Aktie um fast 75Prozent eingebrochen (siehe Grafik). Die ersten Probleme gab es in der Saison 2002/03, für die das Management einen sündteuren Kader zusammengekauft hatte. Trotzdem verpasste das Team den Einzug in die Champions League; so gingen ihm eine Menge Einnahmen durch die Lappen. Bis 2004 häufte die Borussia einen Schuldenberg von weit über 100 Mio. Euro an.
„Der finanzielle Erfolg eines Vereins ist kaum vom sportlichen Erfolg zu trennen“, sagt Thomas Fuggenthaler von der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Das ist einer der Hauptgründe dafür, dass Fußballaktien als hochspekulatives Investment anzusehen sind.
Champions League bringt Geld
Ein verschossener Elfmeter kann darüber entscheiden, ob eine Mannschaft in der nächsten Saison international mitspielt oder nicht. Und das bedeutet entweder hohe zusätzliche Einnahmen oder eben keine. „Es gibt sehr viele Faktoren, auf die das Management keinen Einfluss hat“, gibt Fuggenthaler zu bedenken.
Das kann natürlich auch positiv sein: Im Oktober 2010 schoss die Dortmund-Aktie schlagartig um fast 150Prozent in die Höhe, als der erste der zwei vergangenen Meisterschaftstitel in greifbare Nähe rückte. „Die Börse denkt eben voraus“, sagt der Analyst Klaus Kränzle von Silvia Quandt Research. Denn die Meisterschaft wurde erst im darauffolgenden Jahr entschieden. In der Folge kam es dann zu „Gewinnmitnahmen“, wie Börsianer sagen. Das Papier gab wieder ordentlich nach.
Dass der Kurs der Aktien teils heftig schwankt, hängt auch mit dem überschaubaren Käuferkreis zusammen. „Da sind hauptsächlich Fans am Werk. Für renditeorientierte Anleger gibt es kaum einen Grund, die Papiere zu kaufen“, sagt Fuggenthaler. Das Problem dabei: Die Aktien können mitunter wenig „liquide“ sein, was heftige Kursschwankungen zur Folge hat.
Börse verstärkt Konflikte
Analyst Kränzle ortet auch ein generelles Problem: „Es besteht ein Interessenkonflikt zwischen Unternehmensführung und sportlichem Erfolg.“ Gute Spieler sind meistens teuer. Auch Nachwuchsarbeit kostet viel Geld. Dieser Konflikt könne sich durch eine Notierung an der Börse nur verstärken.
Einer der seltenen Fälle, in dem dieser Spagat gelungen sei, sei Manchester United. Der Verein war nämlich schon einmal an der Börse, wurde aber infolge einer Übernahme im Jahr 2005 von der Börse genommen. In den fünf Jahren davor war das Papier um gut 30 Prozent gestiegen (allerdings mit heftigen Schwankungen).
Eine Garantie, dass auch die neue „Man U“-Aktie ein Erfolg wird, ist das aber keineswegs. Denn die neue Eigentümerfamilie hat dem Verein die Kosten der Übernahme von 500 Mio. Euro umgehängt. Diese Strategie ist sonst nur von Hedgefonds bekannt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.07.2012)
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