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Zinsen einsammeln in Fernost

27.07.2012 | 18:25 |  ALEXANDER WEBER (Die Presse)

Die Anleihewelt in Europa bietet Investoren nur noch wenig Chancen. Anders sieht das in Asien aus: Hier gibt es noch vergleichsweise hohe Zinsen bei vertretbarem Risiko.

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Wien. Wer sich jetzt auf dem europäischen Anleihenmarkt umschaut, hat keine leichte Wahl. Zwar konnte man in den vergangenen Monaten noch teils ordentliche Erträge erzielen. Diese waren jedoch vor allem auf Kursbewegungen zurückzuführen. Mit anderen Worten: Qualität ist heute teuer. Sowohl Staats- als auch Unternehmensanleihen von sicheren Schuldnern werfen nur noch wenig ab, im Fall von Deutschland ist es kaum noch mehr als ein Prozent. Und mit der Senkung des Leitzinses auf 0,75 Prozent hat EZB-Chef Mario Draghi kürzlich alles dafür getan, dass dies auch in Zukunft so bleibt.

Eine Region, die von der europäischen Schuldenkrise und der stotternden US-Wirtschaft einigermaßen unbehelligt geblieben ist, ist Asien. Normalerweise leiden die Schwellenländer unter starken Kapitalabflüssen, wenn die Risikoscheu der Investoren wieder steigt. Auf die dortigen Aktienmärkte mag das vielleicht zustimmen, nicht so sehr aber auf die Anleihenmärkte. So verzeichnete der Datenanbieter Software Systems bei Aktienfonds auf Schwellenländer in den vergangenen zwölf Monaten Abflüsse von knapp 13 Prozent. Anleihefonds konnten ihr verwaltetes Vermögen hingegen um über fünf Prozent steigern.

Für Joel Kim, Chef für asiatische Anleihen beim weltgrößten Vermögensverwalter Blackrock, ist die Sache klar: „Wenn Sie ein Anleiheninvestor sind und Ihr Geld aus Asien abziehen, wo wollen Sie es dann hinbewegen? Nach Europa?“ In der letzten Zeit seien jedes Mal neue Investoren dazugekommen, wenn die „Spreads“ – also die Renditeabstände zwischen asiatischen Anleihen und etwa deutschen oder amerikanischen – wieder einmal größer wurden, berichtet er im Gespräch mit der „Presse“.

 

Ratings werden besser

Was die Anleger suchen, ist klar: Rendite. Während sich die Eurozone immer mehr in Staaten teilt, die entweder hohes Risiko bergen oder zu wenig zahlen, um die Inflation zu schlagen, gibt es in Fernost teilweise noch ansehnliche Zinsen. Die Exportnation Südkorea zahlt auf zehnjährige Staatsanleihen 3,1 Prozent (in lokaler Währung). Hier hat aber schon eine kleine Rallye eingesetzt: Vor wenigen Monaten zahlte das Land noch vier Prozent. Südkorea wird von Standard & Poor's mit „A“, also ziemlich solide eingestuft.

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Höher verzinst sind die Staatsanleihen aus den Philippinen. Hier gibt es etwa fünf Prozent jährlich zu holen. Indonesien, das von vielen Analysten wegen des großen Binnenmarktes als Muster-Schwellenland gesehen wird, zahlt knapp sechs Prozent. Das klingt zunächst einmal nach viel Risiko, schließlich zahlt Italien genauso viel. Fondsmanager Kim weist jedoch auf einen wichtigen Unterschied hin: „In Asien wurden die Länder in der letzten Zeit allesamt eher heraufgestuft. In Europa ging es in die umgekehrte Richtung.“ Die Philippinen dürften seiner Meinung nach nächstes Jahr die Schwelle zum „Investment Grade“, also zum Status eines relativ sicheren Investments, überschreiten.

 

Firmen attraktiv

Für Anleger stellt sich bei Schwellenländer-Investments die Frage, ob sie sich in lokaler Währung oder im Dollar engagieren sollen. Im Fall Asiens spricht einiges für die lokalen Währungen. „Keiner glaubt, dass die Währungen gegenüber Dollar oder Euro abwerten“, so Kim. Im Gegenteil, jeder versuche, sein Geld in den chinesischen Renminbi zu stecken. Der Beweis: Viele Länder der Region hätten in den vergangenen zehn Jahren konstant Leistungsbilanzüberschüsse erwirtschaftet. Laut Textbuch sollte das ohne Aufwertung gar nicht möglich sein, sei aber die Realität. Fazit: Die Währungen sind unterbewertet.

Die Fondsgesellschaft Fidelity sieht in diesem Umfeld auch gute Chancen bei Unternehmensanleihen. Dank des niedrigen Verschuldungsgrades der Firmen – eine Lehre aus der Asienkrise der späten Neunzigerjahre – böten diese ein besseres Verhältnis von Rendite und Risiko als europäische oder US-amerikanische Papiere. Und auch die Wachstumsaussichten seien besser.

Was Sie beachten sollten bei... asiatischen Anleihen

Tipp 1

Anleihen oder Aktien? Wenn die Nervosität steigt, ziehen Anleger oft ihr Geld aus Schwellenländern ab. Das traf zuletzt aber eher auf Aktien zu und weniger auf Anleihen. Auch dass sich in China das Wachstum abschwächt, ist nicht schlimm: Bei exorbitantem Wachstum bevorzugen die Anleger Aktien gegenüber Anleihen. Daher spricht das gegenwärtige Umfeld für Rentenpapiere.

Tipp 2

Einzeltitel oder Fonds? Je weniger man sich vor Ort auskennt, desto schwieriger ist die Auswahl der Einzeltitel. Im Fall Asiens spricht einiges dafür, die Auswahl einem Profi zu überlassen oder zumindest das Risiko zu streuen. Das geht über klassische Investmentfonds, aber auch über kostengünstigere Indexfonds. Ein Beispiel ist der SPDR Citi Asia Local Government Bond ETF.

Tipp 3

Dollar oder Won? Bei der Geldanlage in Schwellenländern stellt sich immer die Frage nach der richtigen Währung. Viele Länder verschulden sich noch immer teilweise in Dollar. Im Fall Asiens spricht aber einiges dafür, dass die Währungen auf lange Sicht aufwerten werden. Diese Kursgewinne summieren sich für Anleger aus dem Euroraum dann zu den Zinserträgen dazu.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 28.07.2012)

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2 Kommentare
1 0

Grösste Looseraktion der Geschichte?

Es ist schon sehr denkwürdig, dass eine Generation den Krieg überstanden hat und nachher dieses Land mit USA Hilfe
http://de.wikipedia.org/wiki/Marshallplan wohlgemerkt aufgebaut hat und die nächste bereits das Land in einem Zustand schlechter als so mancher lateinamerikanische Staat heruntergeritten hat.

Bisher dachte ich der Verkauf der Russen von Alaska an die USA um 1.000.000 Rubel war die grösste Looseraktion der Geschichte.

225.000.000€ Staatsschulden in nur 42 Jahren im Soll und die Gewinner dieser Schulden veranlagen jetzt das Geld woanders, nachdem schon die Golddeckung der Währung ins Ausland transferiert wurde.
Dieses nachhaltige Wirtschaften hat gute Chance bald den AlaskaDeal zu übertreffen.

1 1

;(

Aber ich möchte von keinem der Gesellen je wieder etwas hören, die dann doch froh sind, das wir eine relative gute und günstige Gesundheitsversorgung haben.
Ich lebe hier, weil da kümmert sich der Staat um meine Pension und Gesundheit, mein Geld lass ich aber lieber in volldynamischen totalitären Staaten für mich arbeiten ohne Arbeitsrecht und Umweltauflagen. Aber die super Luft und Wasserqualität möcht ich von hier haben und dafür möcht ich aber, dass die Leistungsträger noch mehr leisten, damit ich wenig abgaben zahlen muss und mein Geld volldynamisch gegen unsere Realwirtschaft arbeitet.

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