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Schiffsfonds in Schieflage

30.07.2012 | 18:12 |  NICOLE STERN (Die Presse)

Wer in geschlossene Schiffsfonds investiert hat, hat damit eher kein glückliches Händchen bewiesen. Die Krise hat dafür gesorgt, dass das Geschäft alles andere als rund läuft.

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Wien. Einst versprachen sie hohe Renditen und am Ende den Anteil am Verkaufserlös. Dann aber kam die Krise und das Geld war vielfach verloren. Wer in der Vergangenheit in Schiffsfonds investiert hat, hat häufig Schiffbruch erlitten.

Besonders in Deutschland war der Vertrieb von Schiffsfonds stark ausgeprägt. In Österreich dürfte die Anzahl der Beteiligungen überschaubarer gewesen sein. Peter Maierhofer vom Beratungsunternehmen WM AG sagt, dass im Hoch-Jahr 2007 mit geschlossenen Fonds in Summe rund 350 Mio. Euro eingesammelt wurden. 20 bis 25Prozent davon dürften in Schiffsbeteiligungen geflossen sein.

Beim Interessenverband der Kleinanleger habe sich bislang „kaum jemand gerührt“, sagt Verbandschef Wilhelm Rasinger. Er schätzt, dass solche Fonds hierzulande nicht an ein Massenpublikum herangetragen wurden. Vielmehr dürfte das Produkt an Kunden vertrieben worden sein, die „noch zusätzliche Anlagemöglichkeiten gesucht haben.“

Schiffsfonds sind geschlossene Fonds. Das bedeutet, dass Anleger mit diesen zwar kein Risiko an der Börse eingehen, dafür aber ein unternehmerisches Risiko tragen. Denn wer in einen geschlossenen Fonds investiert, wird zum Kommanditisten eines Unternehmens.

Der Zweck eines geschlossenen Fonds ist es, ein Investment mit dem Geld zahlreicher Anleger zu finanzieren. Im Fall der Schiffsfonds sind das Schiffe unterschiedlicher Art, die vermietet oder verchartert werden. Infolge der Wirtschaftskrise kämpfte die Branche aber mit sinkenden Charterraten und Überkapazitäten. Am Ende reichte häufig das Geld nicht, um die Kosten des Schiffs zu decken.

Wer in Schiffsfonds investiert, muss verschiedene Risken kennen. Zu ihnen gehören etwa Währungsschwankungen, eine sich eintrübende Konjunktur, gibt Maierhofer zu bedenken. Jahrelang haben Anleger das außer Acht gelassen, heute ist das für sie umso schmerzlicher. Gerät ein Fonds in Schieflage, wird früher oder später ein Sanierungskonzept – das in der Regel mit Banken abgestimmt ist – angedacht.

Diesem sollten Anleger zustimmen, rät Maierhofer. Nur dann habe das Schiff auch die Möglichkeit, weiterzufahren und Erträge zu erzielen. Schießt ein Anleger Kapital nach, wird ihm in der Regel auch eine Vorzugsausschüttung in Aussicht gestellt. Je nachdem, wie hoch die Beteiligung ausfällt, müsse man die Situation abwägen, sagt Maierhofer. Ist der eigene Anteil am Fonds gering, könne es durchaus sinnvoll sein, erneut Geld zu investieren, weil künftig auf eine positive Performance gehofft werden kann. Wurde bereits viel investiert, müsse man sich fragen, ob weitere Verluste noch verkraftbar sind. Nachschusspflicht besteht jedenfalls keine. Hat ein Fonds Insolvenz angemeldet, könnten Anleger in manchen Fällen dazu aufgefordert werden, Ausschüttungen zurückzuzahlen.

Anteile schwer zu verkaufen

Der Anlagehorizont von Schiffsfonds ist ein langfristiger. Wer Geld investiert, tut das für 15 oder 20 Jahre. Besteht der Wunsch, seine Beteiligung vorzeitig abzustoßen, könnte es – in Krisenzeiten – schwierig werden. Mittlerweile haben sich auf dem Markt sogenannte Zweitmarktfonds etabliert, wie Maierhofer erklärt. Diese hätten sich auf den Kauf von in Schieflage geratenen Beteiligungen spezialisiert. Ansonst muss man sich als Anleger auf die Suche nach einem Käufer machen. Bis die Beteiligung abgestoßen ist, könnten aber sechs bis acht Wochen vergehen, sagt Maierhofer. Fraglich ist dann auch, welcher Preis bezahlt wird.

Was Sie beachten sollten bei... Schiffsbeteiligungen

Tipp1

Laufzeit. Schiffsfonds sind auf Investoren mit einem Anlagehorizont von 15 bis 20 Jahren ausgerichtet. Wer sich bindet, tut das also langfristig, auch weil der Verkauf von Anteilen an einem geschlossenen Fonds – besonders in Krisenzeiten – schwierig ist. Geschlossene Fonds werden nicht an der Börse gehandelt.

Tipp2

Risiko. Schiffsfonds haben in der Vergangenheit hohe Renditen versprochen, das Risiko war jedoch auch entsprechend hoch. Viele Anleger mussten das schmerzvoll erfahren. Denn im schlimmsten Fall haben sie ihr gesamtes oder einen Großteil ihres Kapitals dahinschmelzen sehen.

Tipp3

Nachschuss. Wird für den Fonds ein Sanierungskonzept vorgelegt, werden Anleger häufig aufgefordert, Kapital nachzuschießen. Dazu können sie aber nicht gezwungen werden. Wer sich weigert, erneut Geld zu investieren, muss mit Totalverlust rechnen, weil der Fonds dann in die Insolvenz schlittern kann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.07.2012)

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1 Kommentare
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Reiche werden immer reicher, deshalb gehören sie enteignet

Das sit doch das neue Kredo der Politik.

Aber der Markt kann das eigentlich ohnehin recht gut.

Die linken Politiker sollten sich mit ihren Enteignungsbestrebungen beeilen, so lange es noch etwas zu holen gibt. Die Krise schreitet voran!

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