Wien/B.l. Die niedrigen Zinsen, die Turbulenzen an den Börsen und die Angst vor Geldentwertung treiben die Anleger in Immobilien. Dieser Trend besteht nach wie vor, im ersten Halbjahr ebbte er aber ein wenig ab. Zwischen Jänner und Juni investierten die Österreicher 8,08 Milliarden Euro in Immobilien und gaben damit um 2,4 Prozent weniger als im Vergleichszeitraum des Vorjahres aus. Das zeigt der jüngste Immobilienspiegel des Maklernetzwerks Re-Max.
Mehr Grundstücke gekauft
Die Zahl der Immobilienverkäufe, die im Grundbuch eingetragen wurden, ging um fünf Prozent auf 43.246 zurück. Zwar erfreuen sich Grundstücke wachsender Beliebtheit– die Zahl der verkauften Grundstücke kletterte um 5,8 Prozent auf 11.412. Doch ließ der Run auf Eigentumswohnungen nach: Die Zahl der Transaktionen sank um neun Prozent auf 15.414.
Im Schnitt kostete eine Wohnung 140.230 Euro. Das bedeutet zum Vorjahr ein Plus von 2,5 Prozent. Diese Steigerung sei moderat und habe sich gegenüber den Vorjahren deutlich eingebremst, stellen die Re-Max-Experten fest. Zum Vergleich: Im Jahr 2011 lag sie bei 7,5, im Jahr davor bei 4,5 Prozent. In Wien betrug der Preisanstieg heuer nur noch 1,4 Prozent.
Ist das das Ende des Booms? Anton Nenning, Managing Director von Re-Max Austria, glaubt das nicht. Nach zwei Jahren des starken Anstiegs sei es normal, dass die Kurve abflache. Gegen eine „Blase“ mit drohendem Preisverfall spreche, dass die meisten Wohnungen in Österreich vom Eigentümer genutzt und – anders als in Spanien oder den USA, bevor die dortigen Blasen platzten– kaum auf Kredit finanziert werden.
Die durchschnittlich gehandelte Wohnung ist 75 Quadratmeter groß, der durchschnittliche Quadratmeterpreis beträgt 2178 Euro. Am tiefsten müssen die Salzburger für einen Quadratmeter Wohnung in die Tasche greifen: Sie müssen 2908 Euro berappen, am günstigsten kommen die Burgenländer mit 1040 Euro weg.
Hohe Bandbreite in Wien
Am größten ist die Bandbreite in Wien: Während jede vierte Wohnung in den Bezirken Wieden, Neubau, Favoriten und Landstraße um weniger als 1300 Euro pro Quadratmeter den Eigentümer wechselt, muss man für jede vierte Wohnung in Währing, Döbling und Alsergrund mehr als 4000 Euro hinlegen. In der Innenstadt muss man durchschnittlich 6797 Euro berappen, bei den Preisen ist keine Abflachung in Sicht: Zum Vorjahr gab es ein Plus von 15 Prozent.
Aus den Grundbuchdaten geht allerdings nicht hervor, inwieweit die moderateren Preisanstiege darauf zurückzuführen sind, dass günstigere Wohnungen (etwa in schlechterer Lage) erworben wurden als vor einem Jahr.
Denn je nach Lage und Ausstattung variieren die Preise: Wie Daten des Immobilienpreisspiegels der Wirtschaftskammer zeigen, kostete im Vorjahr eine neue Wohnung von „sehr gutem Wohnwert“ (Grünblick, Parkettböden, großer Balkon, repräsentative Architektur, moderne Haustechnik) in der Innenstadt 8833 Euro pro Quadratmeter, eine gebrauchte von „einfachem Wohnwert“ (WC und Bad in der Wohnung, beheizbar, aber keine Zentralheizung, Fenster mit Einfachverglasung) erhielt man dort um 2541 Euro.
Ähnlich groß ist die Differenz in billigen Bezirken: Während man für eine „sehr gute“ neu errichtete Wohnung in Meidling 3171 Euro pro Quadratmeter hinlegen muss, bekommt man eine ältere Wohnung von einfachem Wohnwert um 1254 Euro.
Tipp 1
Wertsteigerung. Wer Grundstücke oder Wohnungen kauft, um sie später mit Gewinn verkaufen zu können, braucht einen langen Atem. Die Nebenkosten, die beim Verkauf anfallen, müssen erst hereingespielt werden. Dass es zwischenzeitlich zu Preisrückgängen kommt, ist nicht auszuschließen. Und seit April schnappt sich der Fiskus auch noch 25 Prozent des Wertzuwachses.
Tipp 2
Rendite. Da die Kaufpreise zuletzt stärker als die Mieten gestiegen sind, rechnet sich das Vermieten immer weniger. Die reine Mietrendite (Mieteinnahmen eines Jahres am Kaufpreis ohne Nebenkosten) ist auf drei, in guten Lagen auf unter zwei Prozent gefallen. Auch Erhaltungskosten und Steuern schlagen zu Buche. Jedoch sind auch die Alternativen (etwa das Sparbuch) wenig berauschend.
Tipp 3
Grundstücke. Der Trend bei den Anlegern geht weg von Wohnungen und hin zu Grundstücken. Diese haben allerdings den Nachteil, dass sie, solange sie unbebaut sind, nichts abwerfen. Viele Grundstückkäufer erwerben diese Immobilien aber ohnehin mit Eigenkapital und können es sich leisten abzuwarten, bis etwa die Kinder später einmal ein Haus bauen wollen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2012)
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