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Aktien: Alle flüchten in die USA

11.08.2012 | 18:00 |  von Beate Lammer (Die Presse)

Obwohl US-Aktien relativ teuer sind, stürzen sich die Anleger auf sie. Glaubt man den Analysten, dürften sie sich im zweiten Halbjahr erneut besser entwickeln als europäische Papiere.

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Vor einem Jahr lastete die europäische Schuldenkrise schwer auf der Stimmung der Anleger. Just zu diesem Zeitpunkt entzog auch noch die Ratingagentur Standard and Poor's (S&P) den USA die beste Bonitätsnote „AAA“, während Deutschland die höchste Einstufung behalten durfte. Die Börsen diesseits und jenseits des Atlantiks durchliefen eine Schwächephase. Doch wer damals eingestiegen ist, hat ein gutes Händchen bewiesen. Profitiert haben vor allem jene, die in der Eurozone leben und US-Aktien gekauft haben.

Denn seither ist nicht nur der US-Leitindex Dow Jones in die Höhe geschnellt, sondern auch der Dollar. Das bringt doppelte Gewinne, in Summe belaufen sie sich seit einem Jahr auf 42 Prozent. Der breiter gefasste S&P-500 konnte etwas stärker, nämlich um 44 Prozent auf Eurobasis, zulegen. Bei europäischen Aktien aus dem Eurostoxx-50 hätte man sich dagegen mit einem Plus von zwölf Prozent zufriedengeben müssen. Der heimische ATX liegt auf Jahressicht sogar im Minus.

Dabei gelten amerikanische Aktien gemessen am Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) als relativ teuer. Das schreckt die Anleger aber nicht– in Krisenzeiten stellt das oft sogar ein Kaufargument dar. „Wenn eine Aktie ein niedriges KGV hat und billig aussieht, zeigt das oft, dass es Mängel gibt“, meint Hans Engel, Experte für internationale Aktien bei der Erste Group.


Technologiewerte schieben an. So gibt es im Dow Jones nur ein Unternehmen, das ein KGV (auf Basis der Gewinnschätzungen für heuer) von weniger als sieben hat: Hewlett-Packard. Der Konzern leidet unter dem schwachen PC-Geschäft. Die Aktie ist im Index eine von zwei (neben dem Papier des Aluminiumkonzerns Alcoa), mit denen Anleger aus der Eurozone auf Jahressicht Geld verloren hätten. Im Eurostoxx-50 findet man hingegen eine ganze Menge „billiger“ Aktien, viele sind Anteilsscheine von Banken (etwa Deutsche Bank, ING, Société Générale oder BNP Paribas). Mehr als ein Drittel der Eurostoxx-Werte liegt auf Jahressicht im Minus.

Dass die amerikanischen Indizes so viel besser abschneiden als die europäischen, liegt auch an der Branchenzusammensetzung. Während in Europa Banken dominieren, sind in den USA Technologiewerte wesentlich stärker vertreten. „In Europa gibt es keinen Handyhersteller, der mit Apple vergleichbar wäre“, stellt Engel fest. Die einstige Branchengröße Nokia kämpft ums Überleben. Zum US-Suchmaschinenbetreiber Google suche man vergeblich ein europäisches Pendant. Auch abseits der Technologiebranche seien viele Sektoren in den USA effizienter als in Europa, stellt der Experte fest. Die dortigen Versorger schafften mit der gleichen Mitarbeiterzahl 50 Prozent mehr Umsatz als die Europäer, die Telekomfirmen doppelt so viel.

Doch die Rallye bei den US-Aktien wird nicht nur von der Qualität der Unternehmen angetrieben, sondern auch von der Eurokrise, während die Verschuldung der USA an den Märkten kein Thema ist. „Die USA haben auch eine große Schuldenkrise, aber keine Vertrauenskrise“, stellt Raiffeisen-Analyst Helge Rechberger fest. So könne sich nicht nur der Staat billig refinanzieren, sondern auch die Firmen.

Freilich könnten die hohen Schulden der USA irgendwann zum Thema an den Märkten werden. Das dürfte jedoch europäische Aktien schlimmer treffen als amerikanische, glaubt Rechberger. Wenn die Sorge wachse, dass die USA als Exportabnehmer nachlassen, würde das deutschen Unternehmen, etwa Autoherstellern, zusetzen.


Präsidentenwahl beflügelt. An der relativ besseren Entwicklung der US-Papiere dürfte sich vorerst wenig ändern. Rechberger erwartet, dass die Wall-Street-Aktien auch im zweiten Halbjahr besser abschneiden werden als die europäischen. Die europäischen Märkte dürften weiterhin von der Schuldenkrise dominiert sein, die Wall Street sollte hingegen von der anstehenden Präsidentenwahl beflügelt werden. Im nächsten Jahr könnte diese Dynamik aber nachlassen. Das glaubt auch Erste-Analyst Engel: „Wenn es im zweiten Halbjahr in den USA sehr gut läuft, wird der Trend nicht so weitergehen.“

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.08.2012)

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3 Kommentare

Damit kommt der Euro immer mehr unter Druck, was bei sovielen Pleitestaaten kein Wunder ist.

http://regionaut.meinbezirk.at/schoenkirchen-reyersdorf/wirtschaft/milliardengrab-eurorettung-d228001.html

Gast: catchme
12.08.2012 17:51
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keine Alternative für die weltweiten FIAT-Vermögen

Die globalen Pensionsfonds haben fiktive Vermögen von tausenden Billionen, die mit der Pensionierungswelle der Babyboom-Generation schlagend werden. Wo sollten diese Billionen sonst geparkt werden? In Euro, Pfund, ETFs? Das einzig sichere wäre Gold (und ähnliche Realwerte). Aber soviel Gold und wertvolle Immobilien gibt es gar nicht, dass nicht andererseits sofort der Goldpreis auf 10.000 Dollar pro Unze explodieren würde. Also wird in Dollar umgeschichtet in der Hoffnung dass der FIAT-Kollaps durch das unbeschränkte Dollardrucken hinausgezögert wird.

Politische Union vollenden“


Doch der BDI mahnt bereits die nächsten Schritte ein, um die „politische Union zu vollenden“: „Die institutionelle Architektur der Eurozone muss substanziell weiterentwickelt werden. Die Instrumente des EFSF bzw. ESM sind zu einem politisch unabhängigen Europäischen Fiskalfonds (EFF) weiterzuentwickeln.“ Die Ausgestaltung des EFF lässt erahnen, dass sich die deutsche Großindustrie gedanklich bereits auf dem Marsch in ein neoabsolutistisches „4. Reich“ befindet: Der EFF soll von einem Gouverneursrat geleitet werden, das jeweilige Stimmrecht der Gouverneure bemisst sich nach der Höhe des von den sie entsendenden Staaten eingezahlten Grundkapitals, also wie bei einer Aktiengesellschaft (was beim ESM auch jetzt vorgesehen ist). Der Gouverneursrat wählt schließlich einen Vorstand, der sich aus „unabhängigen Experten“ zusammensetzt, die auf Vorschlag der Mitgliedsstaaten der Eurozone ohne Möglichkeit der Wiederwahl gewählt werden. Damit soll – ähnlich wie bei der EZB – die Führung des EFF maximal von demokratischer Einflussnahme abgeschottet werden. Nach Vorbild des IWF sollen große Staaten stets ein Vorschlagsrecht für einen Vorstandssitz im EFF bekommen, die anderen haben zu rotieren. Aufgabe des EFF soll es sein, Budgetdisziplin gegenüber den Mitgliedsstaaten durchzusetzen. Hilfesuchenden Ländern kann auf Antrag Kredit erteilt werden, allerdings nur „gegen Sicherheiten und strikte wirtschaftspolitische Auflagen“. Die „Sicherheiten dienen (…) als Pfand für den EFF.

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