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Anleihen: Kursgewinne mit Fangnetz

16.08.2012 | 18:23 |  ALEXANDER WEBER (Die Presse)

Wandelanleihen steigen mit den Aktienkursen, fallen aber nur selten unter ihren Ausgabekurs. Für Anleger sind sie eine gute Möglichkeit, Verluste zu begrenzen.

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Wien. Nachdem der Aktienmarkt von fast allen Seiten noch immer als „günstig“ bewertet wird und die Kurse in den vergangenen Wochen auch wieder gestiegen sind, juckt es viele Aktieninvestoren schon wieder in den Fingern. Die Konjunkturaussichten sind zwar nicht besonders rosig, die Alternativen bei der Geldanlage sind es aber genauso wenig. Nach den schmerzhaften Erfahrungen der vergangenen Jahre dürften sich viele Investoren aber auch nach einer Art Fangnetz sehnen.

An dieser Stelle kommen sogenannte Wandelanleihen ins Spiel. Sie vereinen verschiedene Charakteristiken von Aktien und Anleihen auf sich. Technisch gesehen sind sie Anleihen, die jedoch mit der Option auf eine Umwandlung in Aktien versehen sind. Davon können Anleger meist erst am Ende der Laufzeit Gebrauch machen. Ein Beispiel: Ein Investor kauft eine Wandelanleihe zum Nennwert von 1000 Euro, die am Ende der fünfjährigen Laufzeit in zehn Aktien des Emittenten getauscht werden kann. Steigt der Aktienkurs des Unternehmens während der Laufzeit an, wird die Anleihe diese Entwicklung zu einem guten Teil mitmachen.

 

Beispiel: Immofinanz

Die Verluste sind hingegen begrenzt. Wie bei jeder Anleihe verspricht der Emittent ja die Rückzahlung des Nominalpreises. Deshalb wird die Wandelanleihe nur dann unter ihren Ausgabekurs fallen, wenn das Unternehmen in Schwierigkeiten steckt und die Tilgung gefährdet scheint. „Wandelanleihen bieten ein Fangnetz, über das Aktien nicht verfügen“, sagt Robert Löw, Vorstand der Liechtensteinischen Landesbank in Österreich. Die Papiere seien für Anleger interessant, die zwar optimistisch für den Aktienmarkt sind, bei ihrem Investment aber auf Nummer sicher gehen wollen. Ein Beispiel sei die Immofinanz, so Löw: Während sich der Aktienkurs des Unternehmens vor einigen Jahren von zwölf Euro auf 30 Cent dezimierte, sei der Kurs der Wandelanleihe recht stabil geblieben.

So viel Sicherheit hat jedoch ihren Preis. Die Zinsen, die Wandelanleihen während ihrer Laufzeit abwerfen, liegen rund 50 Prozent unter jenen von normalen Unternehmensanleihen. Beim derzeitigen Zinsniveau heißt das: Sie sind zu vernachlässigen. „Bei vielen Papieren mit Investment-Grade-Rating der großen Agenturen (also relativ guter Bonität, Anm.) sehen wir negative Renditen“, sagt Frank Lipowski vom deutschen Fondsmanager Flossbach von Storch. „Da geht es fast nur noch um die Aktienkomponente.“ Der Großteil des Marktes bestehe aber ohnehin aus (unsichereren) Papieren, die von keiner der großen Ratingagenturen bewertet werden. Für Anleger bedeutet das, dass sie entweder ihre eigene Analyse machen müssen oder dies einem Profi überlassen sollten.

 

Verschiedene Anlagestrategien

Weil die Eigenschaften von Aktien und Anleihen berücksichtigt werden müssen, ist die Auswahl des richtigen Papiers mühsam. So müssen nicht nur Überlegungen zur Bonität des Unternehmens angestellt werden, sondern auch zum Kurspotenzial der Aktie. Ein weiterer Nachteil: Die Mindeststückelung liegt meist bei 100.000 Euro. Wer kein millionenschweres Vermögen zu veranlagen hat, wird sich bei der Risikostreuung eher schwertun.

Dann empfiehlt es sich, über einen Fonds zu investieren. Börsengehandelte Indexfonds (ETF), die einzig einen Index abbilden und daher günstiger sind, gibt es jedoch kaum. Der Grund liegt in den Eigenheiten des weltweit wichtigsten Index auf Wandelanleihen (UBS Convertible Bond Index). Weil in ihm viele illiquide Papiere enthalten sind, fällt eine Abbildung schwer.

Der größte Fonds für Wandelanleihen im deutschsprachigen Raum kommt von der DWS (Isin: DE0008474263). Auch die Liechtensteinische Landesbank führt einen Wandelanleihenfonds (LI0011628612). Dieser setzt hauptsächlich auf Anleihen von Firmen mit hoher Bonität. Anders der Fonds von Flossbach von Storch (LU0366179009): Hier finden sich auch einige höher verzinste „High Yield“-Papiere.

(c) Die Presse / Print

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Was Sie beachten sollten bei... Wandelanleihen

Tipp 1

Szenario. Wandelanleihen sind sowohl für ein Deflations- als auch für ein Inflationsszenario geeignet. Bei fallenden Preisen bieten sie dank ihrer Zinsen eine positive Rendite. Vor steigenden Preisen schützen hingegen Aktien als Sachwerte: Da die Wandelanleihen in der Regel zwei Drittel des Kursanstiegs von Aktien mitmachen, sind sie auch dafür geeignet.

Tipp 2

Investieren. Das Anlegen in Einzeltitel ist für Privatinvestoren nur bedingt geeignet. Oft liegt die Mindeststückelung bei 100.000 Euro, was eine Diversifikation so gut wie unmöglich macht. Deshalb bietet sich in diesem Fall ein Investment über Fonds an. Solche gibt es etwa bei der DWS, der Liechtensteinischen Landesbank und bei Flossbach von Storch. Börsenotierte Indexfonds gibt es kaum.

Tipp 3

Risken. Wandelanleihen vereinen mehr Risken in sich, als Aktien und Anleihen es für sich tun. So besteht einerseits ein Emittentenrisiko, also die Gefahr, dass der Emittent des Papiers während der Laufzeit pleitegeht. Gleichzeitig schwankt das Papier stärker als eine Anleihe. Ein weiterer Nachteil: Die Zinsen, die die Anleihe zahlt, liegen weit unter jenen von „normalen“ Unternehmensanleihen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.08.2012)

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