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Speditionsbörsen aus dem Netz

17.08.2012 | 18:29 |  ALEXANDER WEBER (Die Presse)

Das Internet bietet viele Möglichkeiten, Transportaufträge günstig auszuschreiben. Seit Kurzem können Privatleute gegen Entlohnung auch die Rolle des Kuriers übernehmen.

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Wien. Sperriges Gut von A nach B zu bringen ist für Privatleute oft eine Herausforderung. Entweder müssen sie für viel Geld ein Umzugsunternehmen beauftragen, oder sie klemmen sich selbst hinter das Steuer eines gemieteten Transporters. Der Bedarf nach Transporten wird jedoch immer größer, denn der Handel unter Privatpersonen blüht. Neben dem Platzhirschen eBay haben sich auch Seiten für Kleinanzeigen wie Willhaben fest etabliert.

Mittlerweile gibt es aber immer mehr Angebote, mit denen auch Privatleute eine Transportmöglichkeit finden können. Gerade neu dazugekommen ist Get it Home (www.get-it-home.com). Hier können Transportaufträge eingegeben werden, die dann von anderen Privatleuten, die zufällig auf der angefragten Strecke unterwegs sind, angenommen werden können. Sie übernehmen dann die Rolle des Kuriers. So können sich Fahrer, die eine Strecke regelmäßig zurücklegen, ein Zubrot verdienen und die Fahrtkosten kräftig reduzieren.

 

Zielgruppe „eBayer“

„Unsere Zielgruppe sind vor allem Leute, die bei eBay einkaufen“, sagt Albert Schaeffer, der österreichische Gründer des Portals. Denn oft gäbe es im Ausland oder in einer anderen Stadt gute Angebote, die aber nur gegen Selbstabholung verkauft werden. „Da wollen wir Abhilfe schaffen.“

Eine direkte Kooperation mit dem Online-Auktionshaus gibt es zwar nicht, doch Get it Home darf das Bewertungssystem von eBay übernehmen. Wer sich als Käufer oder Verkäufer gut verhält, wird dort von seinen Geschäftspartnern positiv beurteilt (und umgekehrt). So startet das Angebot gleich mit Nutzern, die kein unbeschriebenes Blatt sind.

Die Kosten für die Nutzung der Seite trägt der Auftraggeber, der etwas zu transportieren hat. Acht Prozent des Transportpreises, den die Vertragspartner vereinbart haben, gehen an Get it Home.

 

Konkurrenz mit Profispeditionen

Bei den Konkurrenten Uship (www.uship.com) und Shiply (www.shiply.com/de) buhlen, anders als bei Get it Home, gewerbliche Anbieter um die Aufträge. Das Verfahren ist jedoch gleich: Wer etwas zu transportieren hat, erstellt einen Onlineauftrag mit Beschreibung des Objekts sowie Start und Ziel. Speditionen, die auf dieser Strecke noch Platz im Laderaum haben, können dann Angebote abgeben. „Auf viel frequentierten Routen fallen die Angebote am günstigsten aus“, sagt Lutz Hecker, Sprecher des US-Unternehmens Uship. Nach Angaben des Unternehmens können die Angebote teilweise um bis zu 70 Prozent voneinander abweichen.

Auch Shiply würde von den Nutzern in erster Linie dazu verwendet, Möbel zu transportieren, die bei eBay nur gegen Selbstabholung angeboten werden, sagt Sprecherin Mia Klein. Der Nutzer wählt sich dabei das Angebot aus, das ihm am meisten zusagt. Das kann entweder das günstigste sein oder jenes, das vom vertrauenswürdigsten Anbieter kommt. Eines haben die Angebote nämlich gemein: Eine Haftung für den Versand wird nicht übernommen. „Wir sehen uns als neutraler Marktplatz“, sagt Schaeffer. „Die Haftung liegt in jedem Fall beim Auftraggeber.“

„Schwarze Schafe“ hätten jedoch auf Dauer keine Chance. Bei Get it Home müssen sie sich mit einem Konto des Zahlungsdienstleisters Paypal anmelden. So hat das Unternehmen im Ernstfall Zugriff auf die persönlichen Daten. Auch das Bewertungssystem, das es wie bei Get it Home auch bei Uship und Shiply gibt, soll vor unzuverlässigen Anbietern schützen.

 

Vorsicht vor Fallen

Bei Uship werden Anbieter, die sich neu registrieren, eigenhändig überprüft. „Wenn die Performance nicht professionell genug ist, fliegt er von der Plattform“, sagt Hecker. Um die Sicherheit zu erhöhen, rät das Unternehmen, in jedem Fall einen schriftlichen Vertrag aufzusetzen und Barüberweisungen (zum Beispiel über Western Union) zu vermeiden. Wer über Kreditkarte oder Paypal zahlt, hat bessere Chancen, bei Problemen sein Geld zurückzubekommen.

Auch bei Shiply werde von den Unternehmen eine Gewerbelizenz verlangt, sobald sie sich anmelden. Nach mehreren negativen Bewertungen durch Kunden werden sie gesperrt.

Transportversicherungen würden zwar in Bälde angeboten, so Schaeffer von Get it Home. Allerdings sei von diesen im Ernstfall nicht viel zu erwarten, räumt er ein. Sie zahlen meist wenig.

Was Sie beachten sollten bei... Online-Transportbörsen

Tipp 1

Haftung. Die Internetportale, die zwischen Auftraggeber und -nehmer vermitteln, haften nicht für Transportschäden. Deshalb gilt es, die Bewertungen eines Spediteurs gut zu studieren. Get it Home will zwar bald optionale Transportversicherungen anbieten. Laut Firmenchef Albert Schaeffer zahlen diese im Ernstfall aber nicht besonders viel.

Tipp 2

Kurier spielen. Wer eine längere Strecke mit dem Auto fährt und seine Fahrtkosten reduzieren möchte, kann selbst einen Transportauftrag annehmen. Dabei kann man sich mit dem Auftraggeber einen Treffpunkt ausmachen oder die Ware bei ihm zu Hause abholen. Gibt man das günstigste Angebot ab, bekommt man den Auftrag vom Versandkunden sehr wahrscheinlich zugeteilt.

Tipp 3

Risken vermeiden. Die Unternehmen raten, keine Barüberweisungen durchzuführen, etwa über Western Union. Das ist eine beliebte Masche von Betrügern, weil das Geld nicht zurückgefordert werden kann. Die Zahlung per Kreditkarte oder über Drittanbieter wie Paypal ist sicherer. Auch sollte man einen Auftrag schriftlich festhalten, eine E-Mail mit allen nötigen Daten reicht.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.08.2012)

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