Wien. „Es ist wie ein Déjà-vu“, erzählt Dieter Rauch. „Wir müssen in Österreich wirklich Pionierarbeit leisten – wie in Deutschland vor zehn Jahren.“ Rauch ist Chef des deutschen Verbunds der Honorarberater. Seit April 2011 ist dieser auch in Österreich tätig. Während in Deutschland 1400 Berater unter dem Dach des Verbunds tätig sind, sind es in Österreich 18.
Die Gründe dafür meint Rauch zu kennen: „Der österreichische Markt ist extrem provisionsgetrieben.“ Das Problem seien aber gar nicht so sehr die Kunden, sondern eher die Berater. Diese seien nicht davon überzeugt, Finanzberatung gegen Honorar anzubieten, weil sie um ihren Lebensunterhalt fürchteten. Die Kunden hingegen sind ihren Beratern gegenüber sehr skeptisch eingestellt: Eine Umfrage der Fondsgesellschaft Fidelity vom Herbst vergangenen Jahres ergab, dass nur mehr zwei Prozent der Anleger die Entscheidungen ihrem Berater überlassen.
Egal, ob Bank, Versicherung oder unabhängige Makler: Fast alle kassieren Provisionen. Der Kunde muss dabei nicht direkt für die Beratung bezahlen, der Berater erhält bei erfolgreicher Vermittlung aber eine Vergütung vom Produktanbieter. Laut VDH beträgt diese bei einem Aktienfonds für 10.000 Euro etwa 500 Euro. Kritiker fürchten einen Interessenkonflikt: So könnte den Kunden nicht das für sie brauchbarste Produkt empfohlen werden, sondern jenes, an dem der Berater am besten verdient. Bei Beratern, die im Auftrag einer Bank oder einer Versicherung tätig sind, können auch Vertriebsvorgaben des Hauses dem Kundeninteresse im Weg stehen.
Auf EU-Ebene wird derzeit diskutiert, wie man dieses Problem entschärfen kann. Binnenmarktkommissar Michel Barnier hat etwa eine vollständige Offenlegung von Provisionen bei allen Versicherungsprodukten vorgeschlagen. Bis zur Umsetzung dürften aber noch mehrere Jahre vergehen.
Ziel: Bessere Ausbildung
Ein zweiter Grund, aus dem die Honorarberatung scheitert, sei auch das Ausbildungsniveau der Berater, kritisiert Rauch. An dieser Stelle setzt der österreichische Verband der „Financial Planner“ (AFP) an. Dieser hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Qualität der hiesigen Finanzberatung auf ein internationales Niveau zu hieven. Er verleiht nach erfolgreicher Absolvierung einer Prüfung den Titel „CFP“ – für „Certified Financial Planner“.
Bisher wurden knapp 300 Titel verliehen, erzählt Otto Lucius, Vorstandsvorsitzender des Verbands. Viele der Absolventen seien aber nicht als freie Vermögensberater tätig, sondern bei Privatbanken. „Die Banken haben erkannt, dass sie sich über die Ausbildung ihrer Mitarbeiter vom Mitbewerb abheben können“, sagt Lucius.
Die Honorarberatung zu fördern, sei aber ein langfristiges Ziel des Verbands. „An der Beratung gehört dringend etwas geändert, sowohl was die Qualität als auch die Ethik anbelangt.“
Für Anleger, die auf der Suche nach einem unabhängigen Finanzberater sind, sind solche Qualitätssiegel überaus wichtig. Die gesetzlichen Standards seien nämlich „nicht so hoch, wie man sich das aus Konsumentensicht wünschen würde“, findet Lucius. Und wer 120 Euro pro Stunde für eine Finanzberatung ausgibt – darunter wird kaum etwas gehen – sollte auch sicher sein, dass ihm ein qualifizierter Berater gegenübersitzt.
Lohnt sich nicht bei Kfz-Polizze
Die Beratung gegen Honorar findet wenn, dann vor allem im gehobenen Kundensegment statt. Anleger mit größeren Vermögen scheinen eher gewillt, für einen verantwortungsvollen Umgang mit ihrem Geld etwas auszugeben. Das bestätigt auch Roland Felsner, der in Krems als freier Honorarberater arbeitet. „Bei einer Kfz-Versicherung würde sich das nicht lohnen, weil der Kunde nicht genug spart, um mich zu bezahlen.“
Doch schon bei einem Sparplan könne es Sinn ergeben, sich zumindest für eine Stunde beraten zu lassen, findet Rauch. „Vielleicht sagt Ihnen der Berater ja, dass die Idee überhaupt schlecht ist und rät ihnen, erst einmal etwas zusammenzusparen. So einen neutralen Rat wird es bei der Bank nicht geben.“
Tipp 1
Vermögen. Provisionsberatung ist nicht per se schlecht. Bei einer kleinen Polizze spricht nichts gegen einen Gang zum Versicherungsmakler. Doch schon bei mittleren Sparvorhaben kann sich Honorarberatung lohnen. Diese gibt es ab etwa 100 bis 120 Euro pro Stunde. Bei der Planung von größeren Vermögen wird meist ein Pauschale verrechnet. Einen solchen Finanzplan gibt es ab 500 Euro.
Tipp 2
Qualität. Der Gesetzgeber sieht für Honorarberater keine hohen Ausbildungsstandards vor. Deswegen ist es wichtig, auf Qualitätssiegel zu achten. Eines davon ist der „Certified Financial Planner“ (CFP). Einige der derzeit tätigen Honorarberater sind ehemalige Bankmitarbeiter. Im Zweifelsfall sollte die Qualifikation des Beraters – ebenso wie die Kosten – im Vorfeld erfragt werden.
Tipp 3
Suchen. Honorarberater lassen sich über verschiedene Wege finden. Einer ist die Internetseite des Verbunds der Honorarberater (honorarberater.at). Auch der Verband der Financial Planner bietet auf seiner Internetseite (afp.or.at) ein Verzeichnis aller Träger des CFP-Titels. Die meisten von ihnen sind bei Banken tätig, doch der Anteil freier Vermögensberater steigt.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.08.2012)
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