Die Gefahren beim Surfen am Meer

24.08.2012 | 18:30 |  JAKOB ZIRM (Die Presse)

Kaum jemand will im Urlaub auf den Zugang zum Internet verzichten. Die Mobilfunkbetreiber bieten daher Roaming-Pakete an. Doch auch bei diesen gibt es Kostenfallen.

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Wien. Die neuesten Nachrichten aus der Heimat. Die Spielergebnisse des favorisierten Fußballklubs. Oder das unbedingt zu beantwortende berufliche Mail. Es gibt viele Gründe, auch beim Urlaub im Ausland Zugang zum Internet zu benötigen, was dank Smartphones heutzutage direkt vom Strand oder Swimmingpool problemlos möglich ist.

Und auch wenn die meisten Hotels diesen Bedarf inzwischen erkannt haben und kostenloses WLAN (Internetzugang über Funk) anbieten, kann auch der Zugang über ein ausländisches Mobilfunknetz unumgänglich – oder zumindest äußerst praktisch sein. Etwa wenn jemand sich über Google Maps in einer fremden Stadt orientieren möchte.

 

Teure Datentarife

Dieses sogenannte Daten-Roaming ist jedoch äußerst teuer. Seit 1. Juli 2012 werden die Daten-Roaming-Tarife zwar wie die Sprachtarife von der EU reguliert. Ein Megabyte – das bei normalem Internetsurfen spätestens nach wenigen Minuten verbraucht ist – kostet derzeit aber auch im regulierten Tarif innerhalb der Union noch 84 Cent. Außerhalb der EU können sogar Gebühren von mehreren Euro pro Megabyte anfallen.

Da auch die Mobilfunkbetreiber erkannt haben, dass die an Flatrate gewöhnten Kunden mit solchen Tarifen nicht zur Nutzung ihres Smartphones zu bewegen sind, bieten alle heimischen Netzbetreiber inzwischen Daten-Roaming-Pakete für den Urlaub an. Dabei kann um einen Fixpreis eine gewisse Zahl an Megabyte gekauft werden.

Bei Orange und A1 gelten die Pakete zwar für die gesamte Rechnungsperiode eines Monats, müssen dafür aber wieder vom Kunden gekündigt werden. Jene von „3“ und T-Mobile gelten nur für eine Woche, laufen aber selbstständig aus (bei „3“ ist zudem das Surfen in anderen „3“-Netzen weltweit ohne Mehrkosten möglich).

Doch auch wer mit einem solchen Datenpaket gewappnet ins Ausland fährt, muss auf einige Kostenfallen aufpassen. So sind MMS (SMS mit angehängten Bildern) nicht in den Daten-Roaming-Paketen enthalten. Wer die neuesten Urlaubsfotos an Freunde und Verwandte senden will, sollte dies daher lieber per E-Mail machen, wenn er zusätzliche Kosten vermeiden will.

Zusatzkosten fallen im Ausland aber nicht nur beim Versenden von MMS an, auch der Empfang der Bild-SMS ist kostenpflichtig. Das ist kein Problem, wenn Daten-Roaming in den Einstellungen des Smartphones deaktiviert ist, da damit auch der Empfang von MMS geblockt wird. Sobald der Handynutzer das Daten-Roaming jedoch aktiviert, um seine im Paket gekauften Megabyte zu „versurfen“, werden ihm auch MMS zugesandt und in Rechnung gestellt.

Verhindern lässt sich das nur, wenn der Empfang von MMS deaktiviert wird, was bei vielen Smartphones ebenfalls in den Einstellungen möglich ist. Hat man ein Handy, bei dem das nicht funktioniert, sollte man vor der Abreise den Mobilfunkbetreiber kontaktieren und den Empfang von MMS für die Zeit des Urlaubs deaktivieren lassen. Ansonsten können Kosten entstehen, ohne dass der Handynutzer eine Kontrolle darüber hat.

 

Manueller E-Mail-Abgleich

Damit die im Paket gekauften Daten-Freimengen nicht dahinschmelzen wie ein Eis an italienischen Stränden, sollte auf jeden Fall auch der Datenabgleich beim E-Mail-Account von „Push“ auf „Manuell“ umgestellt werden. Bei Ersterem werden neue Mails automatisch an das Handy weitergeleitet, was Datenverkehr bedeutet. Wer nur ein kleines Roaming-Paket genommen hat, sollte die E-Mails besser nur bei aufrechter WLAN-Verbindung aktualisieren.

Um weitere Kosten zu vermeiden, ist auch die ständige Kontrolle der verbrauchten Daten notwendig. Dafür bieten alle Anbieter eigene Apps an, bei A1 werden zudem SMS nach Verbrauch von 50, 75 und 100 Prozent des gekauften Volumens versandt.

Doch hier ist ebenfalls Vorsicht angesagt: Denn auch wenn die Netzbetreiber versichern, dass die Daten in Echtzeit angezeigt werden, zeigen Praxiserfahrungen, dass es zu Verzögerungen kommen kann. Der Kunde glaubt also, noch Freiminuten zu haben, obwohl diese bereits aufgebraucht sind. Wie groß diese Verzögerungen sind, hängt auch vom Land ab, in dem sich der Kunde befindet.

Die im Verhältnis zu den Paketen hohen Kosten des normalen Daten-Roamings begründen die Mobilfunkbetreiber übrigens mit der besseren Planbarkeit und dem Kauf größerer Datenpakete bei ihren ausländischen Partnerfirmen. Der EU-Kommission sind die Datenkosten aber weiterhin ein Dorn im Auge. Bis 2014 soll der Tarif daher schrittweise auf schlussendlich 24 Cent je Megabyte gesenkt werden. Zudem muss ab dem Erreichen von Roaming-Kosten in Höhe von 60 Euro die Verbindung gekappt werden. Erst wenn der Kunde bestätigt, kann er weitersurfen.

Was Sie beachten sollten bei... Daten-Roaming

Tipp 1

Daten-Roaming kostet auch innerhalb der EU 84 Cent je Megabyte. Außerhalb der Union können sogar mehrere Euro je Megabyte anfallen. Wer im Ausland mit dem Smartphone surfen möchte, sollte daher ein Daten-Roaming-Paket aktivieren, bei dem gegen einen Fixpreis eine Freimenge gekauft wird. Diese werden von allen heimischen Netzbetreibern angeboten.

Tipp 2

Um das Roaming-Paket nutzen zu können, muss in den Einstellungen des Smartphones das Daten-Roaming aktiviert werden. Dadurch können aber auch im Ausland MMS empfangen werden, was ebenfalls kostenpflichtig ist. Um dies zu verhindern, sollte daher der Empfang von MMS deaktiviert werden, was entweder direkt auf dem Handy oder über den Netzbetreiber möglich ist.

Tipp 3

Essenziell ist auch die Kontrolle der verbrauchten Freimenge. Die Netzbetreiber bieten dafür entsprechende Apps an. Allerdings kann es hierbei zu zeitlichen Verzögerungen bei der Anzeige kommen. Der Kunde glaubt also, noch Freiminuten zu haben, obwohl diese bereits verbraucht sind. Zusatzkosten sind hier nur durch einen Vorsichtsabstand zur Freimengengrenze zu verhindern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 25.08.2012)

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6 Kommentare
Gast: N. Ahmadi
30.08.2012 17:22
0

Studie zur Mobilfunknutzung im Ausland

Sehr geehrte Leserinnen und Leser,

die Universität Duisburg-Essen führt derzeit eine Umfrage zur Mobilfunknutzung im Ausland durch. Die Teilnahme an der anonymen und nicht-kommerziellen Online-Umfrage dauert nur etwa 10 Minuten. Zu gewinnen gibt es vier Amazon-Gutscheine im Wert von jeweils 25 Euro.

Über Ihre Teilnahme würde ich mich sehr freuen. Folgen Sie dazu bitte dem Link http://goo.gl/atZ2R

Beste Grüße
Nima Ahmadi

Die Gefahren beim Surfen im Meer

Haie ??

Unterm Strich....

sind die Mobilfunkbetreiber Räuber und es geht im ganzen Artikel nur darum was getan werden kann um im Urlaub nicht ausgeraubt zu werden. Mich würde interessieren wieviel % Profit den Mobilfunkbetreiber für jedes byte übrig bleibt. Ich vermute über 80% wenn man bedenkt dass andere Internet Dienste wie Skype kostenfrei sind - doch die Wahrheit werden wir wohl nie erfahren.

Re: Unterm Strich....

Man surft eben nur über das Notebook und das lokale WLAN- Netz oder im Internet- Cafe.

Das Handy verwendet man im Urlaub möglichst gar nicht. Das spart auch Nerven.


Grenz- oder Vollkosten?

Grenzkosten pro Byte = 0
Vollkosten = wesentlich höher

Gast: Ein Nutzer
24.08.2012 21:31
0

A1 wird Datenverbrauchsanzeige in Echtzeit wohl nicht zu behaupten wagen

Es wäre eine glatte Lüge. Selbst bei Abfrage hinkt die Rückmeldung dem Verbrauch nach.

Es ist belegt, daß die der Datenmengenverbrauch während der letzten Verbindung erst etwa eine halbe Stunde nach Trennung hinzugezählt wird. Bis zu einer halben Stunde nach Trennung einer Sitzung wird der Verbrauchsstand zu Sitzungsbeginn angezeigt.

Es kommt noch besser: Mit Abfragen in Fünfminutenabständen kann die Hinzuzählung zur Rückmeldung stundenlang hinausgezögert werden.

Ebenso ist belegt, daß die 75%-Meldung erst Tage (!) nach Überschreitung dieser Verbrauchslinie laut Abfrage eintrudelt.

Am besten ist, den Datenverbrauch selbst zu belegen. Mit einfachen Mitteln läßt sich eine Exceltabelle programmieren, womit sich ein Guthaben über die Verbrauchsperioden aufteilen und der im 'Status' angezeigte Verbrauch in beide Richtungen niederschreiben und aufsummieren läßt.

Die eigenhändige Summierung stimmt gut mit der Anfrage nach Auffrischung überein. Seither weiß ich mein Guthaben bis knapp unter die Verbrauchsintervallgrenzen zu verbrauchen.

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