Wien. Die gute Nachricht zuerst: Der Euro ist nach wie vor fälschungssicher. Angaben der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB) zufolge schafft es keine noch so gut ausgestattete Fälscherwerkstatt, den Euro so gut nachzumachen, dass er von Experten nicht als Fälschung ausgewiesen werden kann. Die weniger gute Nachricht: Eurofälschung wird in einigen Ländern zunehmend professionell betrieben. „Der Schwerpunkt der organisierten Geldfälschung liegt in Südosteuropa“, sagt Mario Hejl vom Bundeskriminalamt. Italien hat sich in den letzten Jahren zur Fälscherhochburg Nummer eins entwickelt. Mehr als die Hälfte der im Euroraum zirkulierenden Blüten werden im Umland von Neapel produziert, und zwar unter der fachkundigen Leitung der dort ansässigen Mafia-Gruppierung Camorra.
Fühlen, Sehen, Tasten
In Österreich gibt es keine amtsbekannten Fälscherwerkstätten. „Hin und wieder steckt ein Amateur einen Schein in den Farbkopierer und versucht dann, in der Disco damit zu zahlen“, sagt Hejl. Die Wahrscheinlichkeit, in Österreich an einen importierten, professionell gefälschten Zwanziger, Fünfziger oder Hunderter (die am häufigsten gefälschten Banknoten) zu geraten, ist auch verhältnismäßig gering. Von den insgesamt 251.000 gefälschten Euroscheinen, die im ersten Halbjahr in der Eurozone sichergestellt wurden, beträgt der heimische Anteil gerade einmal 1,2 Prozent. Trotzdem ist es keine schlechte Idee, sich die Sicherheitsmerkmale einzuprägen. Denn: Wer unwissentlich mit Falschgeld zu zahlen versucht und erwischt wird, muss sich auf unangenehme Fragen gefasst machen. Wer wissentlich Falschgeld in Umlauf bringt, macht sich strafbar. Der Sicherheitscheck basiert auf drei Bereichen: Fühlen, Sehen und Kippen. Fühlen kann man die Reliefs auf der Vorderseite des Geldscheins. Dazu gehören die Fenster und Tore auf den Motiven, die Wertzahl und die Abkürzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am oberen Rand. Wenn man den Geldschein gegen das Licht hält (und nur dann), sieht man das Wasserzeichen mit Motiv und Wertzahl und den Sicherheitsfaden in der Mitte des Scheins. (Dieser wird allerdings nach Angaben des BKA mittlerweile ganz gut gefälscht). Im Durchsichtsfenster links oben vervollständigt sich bei Lichteinfall die unterbrochene Wertzahl. Beim Kippen wiederum gibt es unterschiedliche Effekte. Scheine bis 20 Euro haben am rechten Rand einen Folienstreifen, der beim Kippen entweder das Eurosymbol oder die Wertzahl zeigt. Ab 50 Euro verändert sich auf der Rückseite des Scheins die Farbe der Wertzahl. Gefälschte Euromünzen sind sehr selten. Wichtig ist, dass sich das Münzbild klar von der Oberfläche abhebt.
Schaden beim Betrogenen
Wer meint, im Besitz eines falschen Scheines zu sein, sollte diesen zur Bank bringen. Kreditinstitute sind gesetzlich dazu verpflichtet, Falschgeld einzubehalten. Wenn sich der Schein nach der Prüfung doch als echt herausstellt, wird der Betrag natürlich erstattet. Ist er falsch, bekommt man nichts.
Der sicherste Schutz gegen Falschgeld ist, bargeldlos oder möglichst passgenau zu zahlen und schon beim Geldabheben eine niedrige Stückelung zu wählen.
Tipp 1
Vorbeugen. Wer möglichst oft passgenau oder bargeldlos bezahlt, läuft weniger Gefahr, Falschgeld retour zu bekommen. Die meisten Bankomaten bieten eine Banknotenstückelung an. Am besten, man stattet sich dort bereits mit Banknoten mit niedrigen Nennwerten aus. Die meistgefälschten Euroscheine sind Zwanziger, Fünfziger und Hunderter.
Tipp 2
Fühlen, Sehen, Kippen. Echtes Geld hat eingeprägte Reliefs, die sich ertasten lassen. Wenn man den Schein gegen das Licht hält, sieht man das Wasserzeichen mit Motiv und Wertzahl und den Sicherheitsfaden. Beim Kippen erscheinen abwechselnd Eurosymbol und Wertzahl, ab 50 Euro verändert die Zahl auf der Rückseite die Farbe.
Tipp 3
Rechtslage. Wer Falschgeld wissentlich in Umlauf bringt, macht sich strafbar. Wer glaubt, im Besitz von Falschgeld zu sein, sollte dieses zur Bank bringen. Doch diese ist gesetzlich dazu verpflichtet, Falschgeld einzuziehen. Wenn sich der Verdacht bestätigt, hat man kein Recht auf Erstattung des Betrages. Der Schaden liegt beim Betrogenen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.08.2012)
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