Wien. Der Hund ist bekanntlich der beste Freund des Menschen. Und um es ihren Vierbeinern an nichts fehlen zu lassen, scheuen Tierliebhaber oft weder Kosten noch Mühen. Allein im Jahr 2011 wurden in Österreich rund 500 Mio. Euro für den sogenannten Heimtierbedarf ausgegeben. Auch in die medizinische Versorgung von Haustieren werden jährlich hohe Summen investiert.
Hunde- und Katzenbesitzer haben die Möglichkeit, sich gegen allenfalls auftretende Kosten in Form einer Tierkrankenversicherung zu schützen. Die Polizzen sind allerdings nicht ganz billig – und schließen oft die notwendige Vorsorge aus. In Österreich ist die Zahl der Anbieter eines solchen Produkts zudem überschaubar. Zu den wichtigsten Marktteilnehmern zählen Allianz, Helvetia und Agila Versicherung. Die Assekuranzen unterscheiden sich dabei nicht nur in ihren Modellen, sondern auch in ihren Deckungssummen.
Wer seinen Hund beispielsweise bei der Allianz versichern lassen will, müsse zwar die Rasse seines Tieres angeben, für die Prämie ausschlaggebend sei diese aber nicht, erklärt Allianz-Experte Robert Svoboda. Auch die Gesundheit des Tieres muss vorab nicht überprüft werden. Die Allianz habe diese Hürde bereits vor einiger Zeit abgeschafft, „weil der Abschluss für den Kunden dann schneller geht“, sagt Svoboda.
Je älter das Tier, desto teurer
Für die Prämie ausschlaggebend sei bloß „das Eintrittsalter des Tieres“. Je älter dieses bei Abschluss der Versicherung ist, desto tiefer muss der Besitzer in die Tasche greifen. Wer sich bei der Allianz für den teuersten Unfall-und Krankenschutz entscheidet und die Versicherung im ersten Lebensjahr des Tieres abschließt, zahlt eine jährliche Prämie von 448 Euro. Im sechsten Lebensjahr sind es bereits 560 Euro. Auf das Jahr hochgerechnet deckt die Versicherung Schäden bis zu einem Betrag von 4800 Euro ab. Ist eine Operation notwendig, darf diese als Einzelereignis maximal 2400 Euro kosten. Je niedriger die Prämie, desto geringer fällt auch der Deckungsbetrag aus. Zusätzlich ist bei der Allianz ein Selbstbehalt von 20 Prozent zu zahlen.
Routineangelegenheiten wie Vorsorgeuntersuchungen und Schutzimpfungen sind nicht in der Leistung inkludiert. Als Tierhalter sollte man sich daher ausrechnen, wie es mit Kosten und Nutzen einer solchen Versicherungspolizze aussieht. „Eine Tierkrankenversicherung wird nicht zu hundert Prozent die Erwartungen des Kunden erfüllen, weil es meist Einschränkungen gibt“, sagt Alexander Punzl, Präsident des Österreichischen Versicherungsmaklerrings.
Bei der Helvetia Versicherung sind, sofern sich Kunden für das sogenannte „Komfort“-Produkt entscheiden, Impfungen oder auch die Zahnprophylaxe des Hundes abgedeckt - allerdings nur bis zu einem Betrag von hundert Euro im Jahr.
Kündigung möglich
In der teureren Variante deckt die Versicherung Kosten von bis zu 5000 Euro für ambulante und stationäre Behandlungen ab. Auch hier fällt ein Selbstbehalt an.
Bei Hunden ab dem achten Lebensjahr werde bei der Prämie ein Zuschlag von 30 Prozent ab jedem angefangenen Lebensjahr verrechnet, wie Experte Thomas Stellfeld von Helvetia sagt.
Wer häufig zum Tierarzt muss, dem wird die Versicherung über kurz oder lang ohnedies kaum helfen können. Zum einen, weil die Versicherung hohe Kosten ohnedies nicht mehr deckt.
Zum anderen besteht die Gefahr einer Kündigung durch den Versicherer. Schließlich leide die Risikogemeinschaft, wenn man einen „schadensträchtigen“ Hund im Bestand habe, so Stellfeld. Bevor ein Kunde gekündigt werde, versuche man aber, einen höheren Selbstbehalt einzufordern. [i-Stockphoto]
("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.09.2012)
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