Wien. Lange schien es, als sei dem Goldpreis nach einer langen Rallye die Luft ausgegangen. Seit Ende 2011 befindet er sich in einem „Seitwärtsmarkt“ und bewegt sich zwischen 1600 und 1800 Dollar je Feinunze. Jetzt sieht es aber so aus, als hätten die Notenbanken dem Edelmetall neue Schubkraft verliehen. Seit die Europäische Zentralbank (EZB) angekündigt hat, notfalls unbegrenzt Staatsanleihen Not leidender Euroländer zu kaufen, hat sich Gold auf Dollarbasis um vier Prozent verteuert. Auf Eurobasis legte es nicht ganz so stark zu.
In der Woche darauf legte die amerikanische Fed nach: Auch sie will massenweise Anleihen kaufen, um die Märkte zu entspannen. Seither ging es mit der Inflationserwartung der Investoren bergauf. Ablesen lässt sich diese an den Zinssätzen von Anleihen, deren Kupon an die Inflation gekoppelt ist. Zieht man von ihnen die Rendite von Anleihen mit fixem Kupon ab, sieht man, mit welcher Teuerungsrate der Markt rechnet. Laut dieser Rechnung erwarten Investoren in den USA eine Inflation von 2,6 Prozent jährlich über die nächsten zehn Jahre (siehe Grafik). Mit der höheren Erwartung stieg auch der Goldpreis.
„Langfristig wird es zu einer Monetarisierung der Schulden kommen“, ist sich Christian Fegg von der Schoellerbank sicher. Damit gemeint ist eine Ausweitung der Geldmenge und die Zulassung von höheren Teuerungsraten. Auf diese Weise würde der Schuldenberg der öffentlichen Haushalte quasi von selbst schmelzen. Die Zeche zahlen Konsumenten und Unternehmen über höhere Preise und Steuern. „Langfristig sprechen die Rahmenbedingungen ganz klar für Gold“, so Fegg.
Papiergeld wertet weiter ab
Das sieht auch sein Kollege Eugen Weinberg von der Commerzbank so. „Langfristig werden die Rohstoffpreise von der lockeren Geldpolitik profitieren“, so der Experte. Wegen der aufziehenden konjunkturellen Abkühlung erwartet er sich einen neuen „Abwertungswettlauf“ der großen Währungen. Dabei versuchen Notenbanken, die eigene Währung zu schwächen, um die im Währungsraum produzierten Waren im Ausland günstiger zu machen. Dies geht ebenfalls mit einer Ausweitung der Geldmenge einher – was „zwangsläufig“ eine Aufwertung der einzig unabhängigen und nicht beliebig vermehrbaren Währung – Gold – zur Folge haben sollte, so Weinberg.
So weit, so gut. Doch ist jetzt ein guter Zeitpunkt zum Einstieg? „Kurzfristig wäre ich eher vorsichtig“, warnt Fegg. Nach den jüngsten Notenbank-Ankündigungen seien viele Spekulanten in den Markt gekommen – und die seien bekannt dafür, schnell wieder abzuspringen, wenn sie genug verdient haben. Kursrückgänge seien in der nächsten Zeit daher wahrscheinlich. „Die Kursfantasie, die die Notenbanken hervorgerufen haben, ist schon weg“, sagt auch Weinberg von der Commerzbank.
Tipp 1
Euro oder Dollar? Gold notiert in Dollar. Für einen Euro-Anleger ist es aber weit wichtiger, wie sich das Edelmetall in Relation zur Heimatwährung verhält. Und in Euro entwickelt es sich gut, zeigt ein Blick auf den Chart: Erst kürzlich knackte Gold auf Eurobasis seinen Allzeitrekord. Das hatte auch mit der Schwäche des Euro gegenüber dem Dollar zu tun.
Tipp 2
Wann einsteigen? Die Notenbanken dürften ihre Geldmengen kontinuierlich ausweiten, um ihre Währungen zu schwächen und den Export zu fördern, sagen Experten. Das dürfte zwangsläufig zu einem Preisanstieg bei Gold führen, das gerne als Versicherung gegen Inflation gekauft wird. Kurzfristig könnte es aber zu Rückschlägen kommen.
Tipp 3
Barren oder Papiergold? Die beste Krisenversicherung ist Gold in Form von Münzen und Barren. Allerdings sind diese weniger liquide als zum Beispiel Fondsanteile, die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis ist also höher. Wer nicht an den Crash glaubt, sondern eher an Kurssteigerungen, kann auch zu Zertifikaten und ETFs greifen.
Barren, Münzen oder Fonds?
Etwaige Preisrückgänge könnten aber eine gute Gelegenheit zum Einstieg sein. Mit welchen Mitteln man dies tut, ist Geschmackssache. Für echte Goldfans zählen nur Münzen und Barren. Wer das Edelmetall als Krisenversicherung sieht und einen totalen Crash des Papiergeldes nicht ausschließt, ist hier richtig. Jedoch gehen mit dem Kauf physischen Goldes beträchtliche Kosten einher, besonders bei kleiner Stückelung der Barren. Auch für die Aufbewahrung des Goldes bei der Bank werden Spesen fällig.
Wer nicht vom Worst Case ausgeht und hauptsächlich von den Kurssteigerungen profitieren will, kann auch börsengehandelte Indexfonds (ETFs) in Betracht ziehen. Diese haben unter Goldinvestoren zuletzt an Beliebtheit gewonnen. Sehr oft kaufen sie das Gold physisch nach. Auf Anfrage (und wiederum gegen Gebühren) können sich Anleger das Edelmetall auch ausliefern lassen.
Tipp 1
Euro oder Dollar? Gold notiert in Dollar. Für einen Euro-Anleger ist es aber weit wichtiger, wie sich das Edelmetall in Relation zur Heimatwährung verhält. Und in Euro entwickelt es sich gut, zeigt ein Blick auf den Chart: Erst kürzlich knackte Gold auf Eurobasis seinen Allzeitrekord. Das hatte auch mit der Schwäche des Euro gegenüber dem Dollar zu tun.
Tipp 2
Wann einsteigen? Die Notenbanken dürften ihre Geldmengen kontinuierlich ausweiten, um ihre Währungen zu schwächen und den Export zu fördern, sagen Experten. Das dürfte zwangsläufig zu einem Preisanstieg bei Gold führen, das gerne als Versicherung gegen Inflation gekauft wird. Kurzfristig könnte es aber zu Rückschlägen kommen.
Tipp 3
Barren oder Papiergold? Die beste Krisenversicherung ist Gold in Form von Münzen und Barren. Allerdings sind diese weniger liquide als zum Beispiel Fondsanteile, die Spanne zwischen An- und Verkaufspreis ist also höher. Wer nicht an den Crash glaubt, sondern eher an Kurssteigerungen, kann auch zu Zertifikaten und ETFs greifen.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.09.2012)
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