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Reale Verluste mit Grassers Vorsorge

19.09.2012 | 18:17 |   (Die Presse)

Die Zukunftsvorsorge war ein Projekt von Karl-Heinz Grasser. Anleger schlagen sich noch heute damit herum – und ärgern sich über eine lächerliche Performance dieser Fonds.

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Wien/Ker. Die Inflation sei der Preis für die Schuldenkrise in der Eurozone. Die Teuerung werde die Sparbuchzinsen in Zukunft deutlich übertreffen. Die Sparer seien diejenigen, die für die Krise blechen müssten, war diese Woche von vielen Experten zu lesen. Nur, hierzulande wird man nicht nur mit dem Sparbuch reale Verluste erleiden – sondern auch mit der staatlich geförderten Zukunftsvorsorge. Jenem Projekt, das Karl-Heinz Grasser als Finanzminister 2003 einführte.

Es sollte die einfachen Sparer zu Aktienanlegern machen und zusätzlich die Wiener Börse anfeuern. Die Vorsorgefonds investierten zum Großteil in heimische Aktien. Und für die Anleger war – scheinbar – alles sicher, denn ihr eingezahltes Kapital wurde garantiert. Und der Staat subventionierte die Prämien. Heute schaut es ganz anders aus. Nicht nur, weil die staatliche Prämie zuletzt halbiert wurde. Und weil für Karl-Heinz Grasser ständig die Unschuldsvermutung gilt. Sondern weil diese Fonds einfach falsch konstruiert waren und der Finanzkrise vor vier Jahren nicht standhielten.

Das trifft die Anleger noch heute hart. Um es vereinfacht zu skizzieren: Durch den Absturz der Börsen vor vier Jahren „implodierten“ viele dieser Fonds so sehr, dass sie ihren Aktienbestand ausräumen und in risikolose Papiere investieren mussten, um zumindest die Kapitalgarantie zu erfüllen. Oder die Aktieninvestments wurden abgesichert, sodass vom Anstieg der Aktien nicht viel übrig blieb. Von der Börsenrallye seit 2009 haben die Anleger also auch nicht profitiert. Sie müssen zusehen, wie sich der Wert ihrer Anteile kaum verbessert, wobei die Fondsmanager trotzdem weiterhin bezahlt werden müssen.

 

Anleihen mit niedriger Rendite

So etwa beim Fonds „Vorsorgeplus PIA 2013“ (Isin: AT0000649769) der Pioneer Investments. Der Chart schaut demnach so aus: Im Jahr 2008 bricht der Kurs ein, seither bewegt er sich seitwärts. Und das, obwohl der heimische Börsenindex ATX seitdem um 50 Prozent zulegte. Bei Pioneer Investments beteuert man: Durch die Anleihen, in die der Fonds investiert ist, liege die Performance in diesem Jahr bei 1,01 Prozent – nach Abzug der Kosten. Denn die jährlichen Kosten (wie die Managementgebühr) von knapp zwei Prozent fallen weiterhin an. Auch beim „Raiffeisen Pensionsfonds“ (AT0000654603) gab es in den vergangenen Jahren fast keine Aktienperformance. Durch die Anleiheninvestments des Fonds hat es zumindest eine geringfügige Wertsteigerung von jährlich ein bis drei Prozent gegeben. Im Vergleich zum Anstieg an der Wiener Börse ist das ein Bruchteil. Schuld daran sind nicht so sehr die Raiffeisen-Fondsmanager, sondern schlicht die gesetzliche Konstruktion der Zukunftsvorsorgefonds.

(c) DiePresse

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Auch andere Fonds mit Problemen

Mit den Verwerfungen auf den Aktien- und Anleihenmärkten hatte auch der „Austro Garant“ der Volksbank (AT0000647383) zuletzt zu kämpfen: In den vergangenen Jahren machte er ein Minus von 0,5 Prozent. Ein einfaches Sparbuch hätte mehr abgeworfen.

Schwierig hatte es zuletzt auch der Vorsorgefonds „Apollo 32“ (AT0000642483). Er ist mit einer längeren Laufzeit ausgestattet. Diese Konstruktion erlaubt es dem Fonds, an den Aktienerträgen der vergangenen Jahre mitzunaschen. Somit konnte sich der Kurs nach dem Einbruch im Jahr 2008 relativ gut erholen. Hier gibt es immerhin noch die Aussicht auf gute Erträge in der Zukunft.

Kündigen kommt für viele nicht in Frage, weil teils hohe „Pönalen“ drohen. Laut Konsumentenschützern muss der Anleger die staatlichen Prämien zurückzahlen. Dann bleibt noch die Option, während der Mindestlaufzeit von zehn Jahren keine Prämien mehr einzuzahlen und einzugestehen, dass es nicht so gut gelaufen ist. Und dass ein biederes Sparbuch in Zukunft mehr Zinsen einbringt als so mancher „implodierte“ Vorsorgefonds.

Was Sie beachten sollten bei... der Zukunftsvorsorge

Tipp 1

Konstruktion. Welche Vorsorgefonds der Finanzkrise nicht standhalten konnten, kann man einfach anhand der Charts eruieren. Betroffen sind meistens jene Fonds, deren Kurse nach dem Einbruch 2008 nicht mehr bergauf gingen, sondern seither seitwärts dahindümpeln. So etwa beim „Vorsorgeplus PIA 2013“ (Isin: AT0000649769) der Pioneer Investments.

Tipp 2

Kündigen. Die Verträge sind im Normalfall mit einer Mindestlaufzeit von zehn Jahren ausgestattet. Wenn man davor kündigt, drohen teils hohe „Pönalen“. Die staatliche Prämie muss laut Konsumentenschützern zurückgezahlt werden, die Erträge werden nachversteuert. Die Kapitalgarantie gilt zudem meist nur, wenn die vereinbarte Bindungsfrist eingehalten wird.

Tipp 3

Prämie aussetzen. Statt zu kündigen, kann man während der Mindestlaufzeit auch die Prämien aussetzen. Die Kunden sollten dennoch beim jeweiligen Anbieter nachfragen, ob mit dieser Prämienfreistellung keine weiteren finanziellen Nachteile verbunden sind. Klar ist aber auch, dass ein Sparbuch bei einer Direktbank in vielen Fällen wohl mehr Ertrag einbringt.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 20.09.2012)

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3 Kommentare
Gast: Der tolle Grasser
21.09.2012 18:09
0 0

Nulldefizit

Der Grasser war und ist eine Null, nicht das Defizit !

Gast: spottdrossel
20.09.2012 09:21
0 0

bei sich selber hat der

aber wesentlich besser aufgepasst und an der Wiener Börse schon gar nichts angelegt.

Aber das sind doch eh alles böse Spekulanten,....

.... die auf Kosten der hart arbeitenden Bevölkerung ihren Hals nicht vollkriegen können. Lese ich zumindest in der Krone, im Österreich aber auch im Presse Forum.
Also ist die Welt endlich gerecht, oder nicht?

Satire Ende :-)

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