ATX-Rendite höher als auf Sparbuch

20.09.2012 | 18:13 |  NICOLE STERN (Die Presse)

Die Theorie besagt, dass bei steigenden Unternehmensgewinnen auch die Dividende zulegt. Anleger können davon profitieren und sich auf diese Weise vor einer Inflation schützen.

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Wien. Nachdem die wichtigsten Notenbanken kürzlich angekündigt haben, massenhaft Geld bereitzustellen, ist das Schreckgespenst Inflation wieder sehr präsent. Um sich vor davor zu schützen, raten viele Experten dazu, in Aktien zu investieren. Aktien gelten als Sachwerte, weil sie die Beteiligung an einem Unternehmen darstellen. Wer zusätzlich auf Papiere setzt, die regelmäßig und nachhaltig Dividenden ausschütten, könnte gleich doppelt profitieren: von Kurssteigerungen und laufenden Erträgen.

Die heimischen ATX-Werte schütten für das Geschäftsjahr 2011 in Summe 1,98 Mrd. Euro aus. Für das Geschäftsjahr 2012 sollen es 2,2 Mrd. Euro sein. Viel interessanter aber ist, wie gut Aktien verzinst sind. Dies kann man anhand der sogenannten Dividendenrendite (Dividenden/Aktienkurs mal 100) erkennen. Für den ATX soll die Rendite heuer 3,67 Prozent betragen. Auf einem täglich behebbarem Sparbuch erhält man dieser Tage maximal zwei Prozent. Für Sparbuchsparer würde dies in Anbetracht einer prognostizierten Inflation von mehr als zwei Prozent einen Kaufkraftverlust bedeuten.

 

Vorsicht bei hohen Renditen

„Auch wenn man das Zinsniveau mit dem einer zehnjährigen Anleihe vergleicht, sind die Dividendenrenditen von Aktien sicher interessant“, sagt Günther Artner von der Erste Bank. Hohe Renditen sind jedoch nicht zwangsläufig mit „guten Aktien“ gleichzusetzen. Sie können nämlich auch bedeuten, dass der Kurs einer Aktie gefallen ist. Aber: Kaufe man eine Aktie, deren Dividendenrendite bei vier Prozent liege und hält diese dann fünf Jahre lang, könne man wiederum Kursverluste locker wegstecken, sagt Artner.

Die höchsten Renditen im ATX bieten Post (6,5 Prozent), Telekom Austria (sechs Prozent) und Polytec mit 5,8 Prozent. Für Artner besonders interessant sind die Post, aber auch das Papier der Immofinanz. Der Immobilienkonzern hat für das vergangene Geschäftsjahr eine Dividende von 0,15 Euro in Aussicht gestellt. Artner geht davon aus, dass sie im kommenden Jahr auf 0,20 Euro steigen könnte. Das würde einer Rendite von rund 13 Prozent entsprechen.

Für das kommende Jahr geht Artner von einem leicht positiven Gewinnwachstum der ATX-Firmen aus. Günter Schmitt von der Raiffeisen Capital Management ist da weitaus skeptischer. „Ich denke, dass die Rendite wieder im Mittel der vergangenen Jahre liegen und daher auf zwei Prozent fallen wird.“ Zwar seien 2013 wachsende Gewinne prognostiziert. In den vergangenen Monaten wurden die Prognosen aber laufend nach unten revidiert. Nicht auszuschließen, dass das so weitergehen könnte.

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Unabhängig davon, wie hoch die Überschüsse tatsächlich ausfallen: Schütten Firmen bis zu 50 Prozent ihres Gewinns aus, sei das für Investoren ein gutes Maß. Gehen die Ausschüttungen aber an die Substanz, sei das weniger gut.

Auch Nachhaltigkeit – also steigende Dividenden über einen längeren Zeitraum – sind in diesem Zusammenhang wichtig. „Viele Firmen schauen darauf, dass ihre Dividende nicht zu stark schwankt. Eine Dividende hat Signalwirkung“, sagt Alfred Reisenberger von der Wiener Privatbank.

Was Sie beachten sollten bei... Dividendenaktien

Tipp 1

Fonds. Wem es zu riskant ist, durch den Kauf einzelner Aktien eine Dividendenstrategie zu verfolgen, kann gezielt auf Fonds setzen. Große Gesellschaften wie DWS oder JPMorgan bieten entsprechende Produkte an, die sich speziell mit dem Thema Dividenden auseinandersetzen. Fonds haben den Vorteil, dass das Risiko breiter gestreut wird.

Tipp 2

Rückblick. Schütten Unternehmen hohe Dividenden aus, ist das für Aktionäre zwar attraktiv. Für langfristige Investoren ist es aber wichtig, dass die Dividendenpolitik eines Konzerns zudem nachhaltig ist. Das heißt: Unternehmen sollten ihre Dividende nicht nur jährlich ausschütten, diese sollte im Idealfall auch stetig steigen.

Tipp 3

Ausschüttung. Die Ausschüttungsquote zeigt an, welcher Teil des Unternehmensgewinns ausgeschüttet wird. Die Ausschüttungsquote eines Konzerns sollte bei maximal 50 Prozent liegen. Schütten Firmen mehr aus, als sie an Gewinn einstreifen, ist das langfristig nicht gut. Eine Firma sollte ihren Gewinn auch in Wachstum investieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 21.09.2012)

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1 Kommentare
Gast: Halbwissen
20.09.2012 22:57
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Wer jetzt noch Aktien kauft und einen Hauptwohnsitz in Österreich hat, liefert praktisch ein Viertel seines Vermögens beim Staat ab !

Vorausgesetzt es kommt wirklich eine starke Inflation.

Anders ist es wer vor dieser dubiosen Enteignungssteuer gekauft hat, oder in einem freien Land lebt.

Diese Steuer ist auch ein Grund warum die österreichischen Aktien so schlecht performen. Diese Enteignungssteuer gibt es zwar auch in Deutschland, sie haben aber den Vorteil das angelsächsische Investoren welche die Aktien in Deutschland ja hauptsächlich besitzen an andere angelsächsische Investoren weiterverkaufen können. Für österreichische Aktien interessiert sich allerdings kein Schwein weil der Markt nicht liquide genug ist.

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