Seit Jahresbeginn haben die Aktienmärkte schon eine beeindruckende Entwicklung hingelegt. Amerikanische Aktien haben dabei zwar besser abgeschnitten als der ATX, aber nicht ganz so gut wie der deutsche DAX. Der S&P 500 liegt seit dem ersten Jänner (auf Eurobasis) mit 14 Prozent im Plus, während in Frankfurt ein Plus von fast 20 Prozent auf der Anzeigetafel steht.
Ist jetzt ein guter Zeitpunkt, in Übersee zu investieren? George Russell, der für Franklin Templeton den US-Opportunities-Fonds verwaltet, ist davon überzeugt. „Es gibt viele Gründe, optimistisch hinsichtlich amerikanischer Aktien zu sein“, sagt er im Gespräch mit der „Presse am Sonntag“. „Die Unternehmen verzeichnen solide Gewinne und starke Cashflows, während sowohl die Zinsen als auch die Inflation niedrig sind. Das ist normalerweise eine ziemlich gute Kombination für Aktien.“
Er und sein Team verfolgen eine sogenannte „Growth“-Strategie, bei der sie Unternehmen identifizieren, denen sie in den nächsten Jahren ein überdurchschnittliches Wachstum unterstellen, besonders im Vergleich mit ähnlichen Unternehmen aus derselben Branche. „Wir suchen nach Firmen, die entweder ihren Umsatz oder ihren Gewinn auf Jahressicht um 15 Prozent steigern können“, so Russell.
Diese Kriterien führten zu einem Portfolio mit vielen Unternehmen aus dem Technologiebereich, schnell wachsenden Gesundheitsunternehmen, ein wenig Industrie und einigen ausgewählten Konsumtiteln. Rund ein Drittel der Aktien stamme entweder aus dem Hardware- oder Softwarebereich. Dort hätten sich die Aktien in der Vergangenheit sehr gut entwickelt, weil Investoren von den hohen Wachstumsraten der Branche angelockt worden seien. Die Nummer eins im Portfolio: Apple (ISIN: US0378331005), wie könnte es auch anders sein. Die Aktie der Kalifornier macht beinahe sechs Prozent des Fonds aus.
Apple fair bewertet. „Wenn man sich den riesigen Cash-Bestand ansieht, ist das Unternehmen trotz des hohen Aktienkurses immer noch vernünftig bewertet“, findet Russell. Und auch die Wachstumsaussichten seien formidabel. „Marktforscher schätzen, dass im Jahr 2015 eine Milliarde Smartphones auf der Welt verkauft werden, doppelt so viele wie heute. Das heißt, selbst wenn es Apple einfach nur schafft, seinen Marktanteil zu halten, wird das Unternehmen doppelt so viel Umsatz mit seinen iPhones machen.“ Dazu komme noch die Aussicht darauf, dass immer mehr Firmen von Blackberrys auf iPhones umsteigen.
Optimistisch ist der Fondsmanager nicht nur bei der Technologie, sondern auch beim Konsum. Hier könne man aber nicht alles über einen Kamm scheren. So hätten die Analysten die Konsumtitel in zwei Teile geteilt, nämlich in „Low-“ und „High-End“-Titel. „Für Erstere sind wir wenig zuversichtlich, die haben wir untergewichtet.“ Gemeint ist mit diesen sogenannten „Staples“ ein Angebot, das sich an die weniger wohlhabende Bevölkerung richtet. Diese Leute hätten durch Jobverlust teilweise sehr gelitten. Große Supermarktketten und Diskonter finden sich also nicht in Russels Portfolio.
Wahlen sind egal. Die sogenannten „Discretionarys“ seien da schon interessanter. Gemeint sind damit Unternehmen, deren Produkte sich an wohlhabendere Schichten richten. „Also Leute, die nicht unbedingt ihren Job verloren und vielleicht einen Teil ihres Geldes in Aktien investiert haben.“ Damit sei man noch nicht im Luxussegment, aber doch bei gehobenem Konsum. Interessant sei zum Beispiel die Kleidermarke Ralph Lauren (US7512121010). Diese sei gerade dabei, neue Märkte zu erschließen. Auch der Juwelier Tiffany's (US8865471085) und der Sportartikelhersteller Nike (US6541061031) seien aus diesen Gründen interessant.
Von den Präsidentenwahlen, die im November anstehen, solle man nicht allzu viel erwarten. „Egal, wer gewinnt, wir werden unser Portfolio deswege n nicht umschichten“, so Russell. Die Unternehmen hätten sich auch unter Obama stark entwickelt. Von einem möglichen Sieg Romneys erwartet er keine zusätzlichen Impulse.
Seit 18 Jahren ist der Amerikaner George Russell im Fondsgeschäft tätig. Er studierte an der University of Arizona und an der Duke University in North Carolina.
Der US-Opportunities-Fonds hat in den vergangenen drei Jahren um 64 Prozent zugelegt. Der S&P-500-Index schaffte im selben Zeitraum nur ein Plus von 36 Prozent.
("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.09.2012)
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