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Zertifikate: Regenschutz bei jedem Börsenwetter?

02.10.2012 | 18:17 |   (Die Presse)

In unsicheren Zeiten werden oft Zertifikate als Anlagealternative angepriesen. Sie sollen hohe Zinsen mit moderatem Risiko kombinieren. Was sie wirklich können.

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Wien/B.l. 13,6 Mrd. Euro haben die österreichischen Privatanleger in Zertifikate investiert. Sie erhoffen sich höhere Zinsen als mit dem Sparbuch und mehr Sicherheit als mit Aktien, sollte es mit den Börsenkursen doch nach unten gehen. „Es steht für jede Marktmeinung das passende Zertifikat zur Verfügung, die Anleger können je nach der individuellen Risikobereitschaft aus einer Reihe von Produkten auswählen“, stellt Heike Arbter, Chefin des Zertifikateforums Austria, fest.

Die meisten Anleger gehen auf Nummer sicher und kaufen Garantie- oder Bonuszertifikate. Das sind Produkte, mit denen man auf „Seitwärtsmärkte“ spekuliert, also darauf, dass es an den Börsen weder steil nach unten noch steil nach oben geht.

 

Oft kompliziert gestrickt

Zertifikate sind Schuldverschreibungen von Banken (ähnlich wie Anleihen). Die Rückzahlung erfolgt aber meist nicht durch laufende Zinszahlungen und Tilgung am Ende der Laufzeit, sondern nach anderen Kriterien. Etwa nach der Entwicklung eines Aktienkurses, Rohstoffpreises, Index, einer Währung oder eines Zinssatzes wie des Euribor.

Manchmal bilden die Produkte den Basiswert eins zu eins ab, häufig sind sie aber komplizierter gestrickt. Es gibt Garantien, Boni (das sind Mindesterträge, die man aber nur dann erhält, wenn sich der Basiswert nicht zu stark in die falsche Richtung entwickelt), Hebel (Gewinne und Verluste werden vervielfacht) und Barrieren (Schwellen, unter die der Basiswert nicht fallen sollte, da das unangenehme Konsequenzen hätte).

Mit einem Bonuszertifikat ist man dann am besten dran, wenn der Basiswert leicht fällt, stagniert oder leicht steigt. Bewegt er sich hingegen sehr stark in eine Richtung, hätte man besser auf ein anderes Produkt gesetzt.

Ein Beispiel: Die RCB legt derzeit ein Bonuszertifikat auf den Eurostoxx-50 auf (ISIN: AT0000A0WQA0). Es hat eine Laufzeit von vier Jahren. Danach erhält man sein Geld zurück plus 18 Prozent Rendite. Es sei denn, der Eurostoxx fällt während der Laufzeit um mehr als die Hälfte auf 1020 Punkte (was er in den vergangenen zehn Jahren nie tat, derzeit hält er bei 2512 Zählern). Dann bekommt man am Ende der Laufzeit nur so viel Geld zurück, wie es dem Stand des Eurostoxx entspricht. Steigt er stärker als 18 Prozent, partizipiert man zwar „eins zu eins“ an der Wertentwicklung des Index. Doch wäre man dann mit einem Direktinvestment in Aktien besser dran, da man dafür auch noch Dividenden erhielte. Das Zertifikat zahlt sich dann richtig aus, wenn der Eurostoxx in den nächsten vier Jahren zwischen 1020 und 3009 Punkten bleibt.

Wer an eine starke Wertentwicklung von schwedischer und norwegischer Krone sowie von australischem und kanadischem Dollar glaubt, kann darauf mit einem Zertifikat der UniCredit setzen (DE000HVB0HX0). Es hat eine Laufzeit von fünf Jahren, Währungsgewinne werden verdoppelt, zudem gibt es Kapitalschutz. Sollten die Währungen abwerten, erhält man nach fünf Jahren den Nominalbetrag (ohne Spesen) zurück.

 

Garantie nur am Laufzeitende

Bei Garantieprodukten sollte man allerdings beachten, dass die Garantie nur am Laufzeitende greift (und nicht, wenn man vorher aussteigen will). Und bleibt einem nach fünf Jahren tatsächlich nur das eingesetzte Kapital, verliert man real (denn Inflation und Spesen sind dann nicht abgedeckt).

Manche Zertifikate ähneln Sparprodukten, etwa eine Anleihe der Erste Group (AT000B007455) mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Dabei erhält man im ersten Jahr zwei Prozent Zinsen, danach gibt es den Dreimonats-Euribor, mindestens aber 1,5, maximal vier Prozent Zinsen. Der Euribor liegt derzeit bei 0,22 Prozent; steigt er nicht deutlich an, muss man sich wohl mit dem Mindestertrag von 1,5 Prozent (vor Steuern und Spesen) zufriedengeben. Direktbanken zahlen ähnlich viel für täglich fälliges Geld. Doch können dort die Zinsen auch noch sinken. [i–Stockphoto]

Was Sie beachten sollten bei... Zertifikaten

Tipp 1

Kosten. Zertifikate sind Schuldverschreibungen von Banken (ähnlich wie Anleihen). Daher trägt man ein Ausfallrisiko: Geht die Bank pleite, läuft man Gefahr, sein Geld nicht zurückzuerhalten. Auch fallen Kosten an: Neben dem Spread (Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis) verursachen auch die Geschäfte im Hintergrund Kosten und schmälern die Rendite.

Tipp 2

Erwartung. Vor dem Kauf sollte man sich fragen, ob man eher mit steigenden, fallenden oder stagnierenden Kursen rechnet. Bonuszertifikate sind dann besonders attraktiv, wenn es an den Börsen seitwärts geht. Geht es sehr steil nach unten, verliert man ähnlich viel wie mit Aktien, geht es stark nach oben, wäre man mit einem Direktinvestment meist besser dran.

Tipp 3

Garantie. Viele Zertifikate bieten Kapitalschutz. Am Ende der meist mehrjährigen Laufzeit erhält man im schlimmsten Fall zumindest sein Geld zurück. Dabei sollte man allerdings bedenken, dass die Garantie nicht gratis ist, sondern die Renditechancen schmälert. Und wenn man nach mehreren Jahren nicht mehr als das eingesetzte Kapital bekommt, verliert man real.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.10.2012)

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2 Kommentare

Da fehlt noch was ...

Zertifikate sind Schuldenpapiere: Für das gegebene Geld wird kein Gegenwert, sondern ein dokumentiertes Versprechen geliefert, und die einzige Sicherheit darin ist die des emittierenden Unternehmens. Egal, was im Papier steht: Gerät der Emittent in Zahlungsschwierigkeiten, ist es nichts mehr wert. Dasselbe gilt für Garantien, wie sehr "schön" bei den Lehman Brothers zu sehen war. In Zeiten wie diesen läßt man wohl lieber die Finger davon.
Darüber hinaus sollte immer im Bewußtsein die Gewißheit vorherrschen, daß so ein Emittent nur solche Papiere ausgibt, die für ihn mit hoher Wahrscheinlichkeit ein positives Geschäft bedeuten. Umgekehrt heißt das: Wer ein Zertifikat erwirbt, hat aus Sicht des Emittenten bereits schlechte Karten, sonst wäre es gar nicht auf dem Markt.
Zu bedenken ist weiters, daß in vielen Fällen erfahrene Vermögensberater eine Zeit brauchen, um den Vertragstext wirklich zu verstehen – ein Laie hat da meist wenig Chancen, die wahre Bedeutung solcher Formulierungen zu erfassen. Recht abfällig sagt der Volksmund: Was der Bauer nicht kennt, frißt er nicht; so mancher Bauer hat aber gerade deshalb überlebt ...

ich wuerde sagen - all-in bei praktiker - wer macht mit?


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