Wien. Die Teuerung macht sich wieder bemerkbar. Im September waren Güter und Dienstleistungen in Österreich um 2,7 Prozent teurer als vor einem Jahr. Preise von Energie und Lebensmitteln trieben die Inflationsrate nach oben. Die Zinsen von Sparbüchern und Anleihen können mit der Teuerung nicht Schritt halten. Viele Anleger investieren ihr Geld in genau jene Werte, die sich mit der Inflation verteuern: Aktien, Immobilien, Rohstoffe, Gold. Was man beachten sollte, damit diese Strategie aufgeht:
•Aktien schlagen Anleihen. Aktien gelten als Sachwerte. Wer sie kauft, sichert sich die Beteiligung an einem Unternehmen. Anja Hochberg, Leiterin der Anlagestrategie bei der Credit Suisse, empfiehlt, eher zu europäischen statt zu US-Aktien zu greifen. Diese Titel seien günstiger. Zudem dürften in den USA Risken wieder in den Fokus des Anlegerinteresses rücken. Aktien gelten als günstig im Vergleich zu Anleihen. Wer dennoch Letztere bevorzugt, dem rät Hochberg, eher zu Unternehmensanleihen oder Schwellenländerbonds zu greifen, weil Staatsanleihen sicherer Länder nicht nur teuer sind, sondern auch minimale Renditen einspielen.
•Markenartikler profitieren. Nicht alle Branchen profitieren gleichermaßen von der Inflation. Am besten ergeht es jenen, die die höheren Kosten sofort an ihre Kunden weitergeben können. Experten zufolge sind das etwa Markenartikler. Eher schwerer tun sich Telekomfirmen und Versorger.
•Inflationsgebundene Papiere. Neben klassischen Staatsanleihen werden auch inflationsgeschützte Anleihen (inflation linked bonds) emittiert. Allerdings begeben nicht alle Staaten Anleihen dieser Art. Bei inflationsgeschützten Schuldscheinen steigt die Verzinsung der Bonds, wenn die Inflation anzieht. Nur wenn die Inflationserwartung des Anlegers höher als die sogenannte Break-even-Inflationsrate (die von den Finanz-märkten erwartete) ist, sollte man zu dieser Anlageform greifen.
Auch viele Zertifikate versprechen Inflationsschutz. So erhält man bei einer Inflationsanleihe der UniCredit Irland (Isin: DE000A1HAUE1) mit fünf Jahren Laufzeit im ersten Jahr 3,5 Prozent Zinsen und dann die 1,5-fache Inflationsrate der Eurozone (derzeit liegt diese bei 2,6 Prozent, das 1,5-fache wären 3,9 Prozent). Dabei sollte man jedoch beachten, dass 25 Prozent Kapitalertragsteuer anfallen. Zieht man diese ab, schlägt man die Inflation nur noch leicht, etwaige Gebühren setzen der Rendite weiter zu. Auch trägt man ein Emittentenrisiko. Wird die UniCredit zahlungsunfähig, läuft man Gefahr, sein Geld nicht zurückzuerhalten. Bei den meisten Sparprodukten, deren Zinsen an die Inflation gekoppelt sind, handelt es sich übrigens um Zertifikate: Einlagensicherung gilt in dem Fall keine.
• In Rohstoffe investieren. Vor allem die Güter des täglichen Bedarfs (Energie, Lebensmittel) treiben die Teuerungsrate nach oben. „Man kann aber genau in diese Produkte investieren“, sagt Frank Weingarts, Head of Private Investor Products bei der UniCredit. Wer sich etwa über die ständig steigenden Preise an der Tankstelle ärgert, kann als Anleger von steigenden Rohstoffpreisen profitieren. Das kann man über Aktien von Unternehmen tun, die Rohstoffe fördern (Ölkonzerne, Minenunternehmen), oder über Investments direkt in Rohstoffe (Zertifikate, die Rohstoffpreise abbilden). Erstere hängen allerdings nicht nur am Rohstoffpreis, sondern auch am Aktienmarkt. So konnten Goldminenaktien in den vergangenen Jahren mit dem starken Anstieg des Goldpreises nicht annähernd Schritt halten. Die Rohstoffpreise selbst bewegen sich zwar langfristig nach oben, kurzfristig schwanken sie aber ebenfalls stark mit der Konjunktur.
•Immobilien teilweise schon teuer. Liebster Inflationsschutz der Österreicher in den vergangenen Jahren war die eigene Immobilie. Immobilien gelten auch deswegen als guter Inflationsschutz, weil Mietverträge meist laufend der Inflation angepasst werden. Das gilt jedoch nur bei bestehenden Mietverträgen. Vor allem bei Gewerbe-Immobilien hat man oft das Problem, dass man einem neuen Mieter preislich entgegenkommen muss. Die Preise von innerstädtischen Wohnungen und Zinshäusern haben sich in den vergangenen Jahren bereits stärker verteuert als die Inflationsrate. Vieles von der künftigen Inflation ist also schon eingepreist.
•Gold als harte Währung.Gold gilt als Währungsersatz. Angesichts der Politik der Notenbanken, die Märkte mit frischem Geld zu schwemmen, sollte sich das Edelmetall relativ zu diesen Währungen weiterhin gut entwickeln. Seit einem Jahr hat der Euro stark nachgegeben, weswegen Gold in Euro derzeit fast auf einem Allzeithoch notiert. Vorsicht: Nur in physischer Form spielt Gold als Investment alle Stärken aus und macht unabhängig von Gegenparteien. [i–Stockphoto]
inflation: 2,7 Prozent– Seite 16
Tipp 1
Auf reale Werte setzen. Bei stark steigender Inflation sollten sich jene Werte besser halten, deren Preise mit der Inflation mitsteigen. Dazu zählen in der Theorie Aktien, Immobilien, Rohstoffe und Gold. Bei Immobilien hat die Inflation jedoch schon in den vergangenen Jahren stark zugeschlagen (vor allem in innerstädtischen Lagen). Aktien gelten dagegen noch als günstig.
Tipp 2
Festverzinste Werte meiden. Die Zinsen von Sparbüchern und Staatsanleihen von Ländern mit hoher Bonität können bereits jetzt nicht mit der Inflation Schritt halten und werden das auch in den nächsten Jahren kaum tun. Firmenanleihen werfen zwar noch etwas höhere Zinsen ab, sind aber relativ zu Aktien von solide aufgestellten Unternehmen entweder unattraktiv oder riskant.
Tipp 3
Direkt oder indirekt. Reale Werte kann man direkt oder über entsprechende Wertpapiere wie Zertifikate kaufen. Solche gibt es je nach Wunsch mit Kapitalschutz, Hebel (Vervielfachung von Gewinnen und Verlusten) oder breiter Streuung. Managementgebühren wie bei Fonds gibt es nicht, doch integrierte Funktionen kosten Geld. Auch trägt man ein „Emittentenrisiko“ (dass die Bank pleitegeht).
("Die Presse", Print-Ausgabe, 17.10.2012)
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