Sparbuch als bessere Alternative?

22.11.2012 | 18:47 |   (Die Presse)

Auf dem Sparbuch sind die Zinsen derzeit im Keller. Die Suche nach Alternativen ist aber schwierig. Banken versprechen mit speziellen Anleihen für Privatanleger höhere Zinsen.

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Wien/Ker. „Jährlich steigende Zinsen“ – solche Nachrichten tun Sparern gut in Zeiten wie diesen. Auf dem Sparbuch sind die Zinsen aber so gering, dass man damit deutliche reale Verluste erleidet. Laut Statistik der Oesterreichischen Nationalbank belaufen sich die Zinsen auf Spareinlagen mit einer vereinbarten Laufzeit bis zu einem Jahr auf 0,92 Prozent (September 2012). Das gibt den Banken die Gelegenheit, sich mit alternativen Zinsprodukten zu positionieren. Und Kunden zu angeln, die normalerweise nur auf sichere Spareinlagen vertrauen.

Aber was kann man sich von diesen Zinsalternativen, die für Kleinanleger derzeit auf dem Markt zu haben sind, versprechen?

Bei der Erste Group liegt eine neue Anleihe zur Zeichnung auf, deren Zins alle zwei Jahre um 0,5 Prozentpunkte steigt. Das Produkt heißt „Zinsstufe 2012–2018“ (ISIN: AT000B007554). Die Laufzeit beträgt also sechs Jahre. Für die ersten beiden Jahre macht der Zins 1,5 Prozent jährlich (p. a.) aus. In den beiden darauffolgenden Jahren erhalten Sparer zwei Prozent. In den letzten beiden Jahren gibt es einen Kupon von 2,5 Prozent jährlich. Das hört sich in Zeiten eines extrem niedrigen Zinsniveaus eigentlich ganz gut an. Wie sieht die Praxis aus?

 

Unrentable Anleihen

Der Anleger erwirbt solche Anleihen im Wert von 3000 Euro. Dafür muss er aber zunächst einmal 3035 Euro hinlegen (er bekommt in sechs Jahren aber nur 3000 Euro zurück). Beträchtliche Depotgebühren und die Kapitalertragsteuer muss er auch abziehen. Behält der Kunde die Anleihen bis zur Fälligkeit im Dezember 2018, hat er lediglich einen Nettoertrag von knapp 135 Euro erzielt. Oder anders formuliert: Die jährliche nominale Rendite beträgt weniger als ein Prozent.

Dabei handelt es sich freilich noch nicht um den realen Ertrag. Wenn man nämlich eine jährliche Inflation von zwei Prozent entgegenhält, schaut das Resultat schon anders aus. Dann macht man mit diesen Anleihen einen jährlichen Verlust von über einem Prozent. Oder anders formuliert: einen gesamten Verlust von rund sieben Prozent, wenn die Anleihe im Jahr 2018 getilgt wird.

Klar ist aber auch, dass eine Anleihe ein höheres Risiko mit sich trägt. Geht die Erste Group pleite, dann sieht der Kunde seine 3000 Euro wohl nicht mehr wieder. Zahlt sich das Risiko überhaupt aus? Das lässt sich durch den Vergleich mit dem Sparbuch herausfinden.

Und dieser zeigt, dass man mit einem Sparbuch unter Umständen besser fährt. Und zwar dann, wenn man in den ersten beiden Jahren 1,5 Prozent Zinsen bekommt (wie derzeit bei den Direktbanken Denizbank und Vakifbank), dann zweimal zwei Prozent p. a. und schließlich zweimal 2,5 Prozent jährlich. Der jährliche Zins ist also ident mit der Anleihe. Aber beim Sparbuch fallen im Normalfall keine laufenden Depotgebühren an. Und es gibt keinen erhöhten Kaufkurs (über Pari), der die Rendite einschränkt.

Wenn man also die 3000 Euro jedes Jahr auf ein einjähriges Sparbuch umschichtet, erzielt man eine jährliche Rendite von fast 1,6 Prozent (inklusive Zinseszins). Zwar wird man auch damit die Inflation nicht abdecken können. Aber zumindest hat der Anleger mehr eingenommen als mit der Anleihe.

Die Bank Austria hat auch eine Anleihe für private Anleger herausgegeben. Und zwar mit einem fixen jährlichen Zins von 1,9 Prozent (ISIN: AT000B042494). Laufzeit: bis März 2017. Also noch fast viereinhalb Jahre. Fährt man damit besser, wenn man das Papier bis zur Fälligkeit behält?

Nicht wirklich, auch hier liegt die jährliche Nettorendite bei rund 1,2 Prozent. Somit schützt auch diese Anleihe das Geld nicht vor einem Kaufkraftverlust. Dann bleibt bei solchen Anleihen zu hoffen, dass man sie während der Laufzeit mit einem Kursgewinn abstößt und so die Rendite aufbessert. Das ist jedoch gewagt, schließlich fällt hier die Kursgewinnsteuer an. Und: Die Anleihen sind nicht börsenotiert. Der Handel passiert zum Großteil mit dem Emittenten selbst. Somit ist der Anleger auf jene Preise angewiesen, die die Banken anbieten.

Was Sie beachten sollten bei... Sparbuchalternativen

Tipp 1

Anleihe für Privatanleger. Die Erste Group wirbt mit einer sechsjährigen Anleihe, deren Zins von 1,5 Prozent alle zwei Jahre um 0,5 Prozentpunkte steigt. Zum Schluss steht man also bei 2,5 Prozent p. a. Die Rendite macht nach Abzug der Kosten und Steuern in sechs Jahren jährlich allerdings weniger als ein Prozent aus. Die jährliche Inflation kann man mit diesem Ertrag nicht abdecken.

Tipp 2

Alternative Sparbuch. Würde man ein Sparbuch bekommen, das den gleichen Zins wie die Erste-Anleihe abwirft, steigt man besser aus. Es fallen nämlich keine Depotspesen an. Man müsste aber derzeit ein Sparbuch mit einem jährlichen Zinssatz von 1,5 Prozent bekommen. Solche Zinssätze gibt es aktuell bei zwei Direktbanken: Denizbank und Vakifbank.

Tipp 3

Fixzinsanleihe . Die Bank Austria hat eine Anleihe mit einem fixen Kupon von 1,9 Prozent herausgegeben. Rendite nach Kosten und Steuern: 1,3 Prozent jährlich. Auch das liegt unter der Inflationsrate. Anlegern bleibt die Hoffnung, dass sie das Papier während der Laufzeit mit Kursgewinnen abstoßen können. Die müssen aber deutlich ausfallen, weil vom Veräußerungsgewinn eine Steuer abgezogen wird.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 23.11.2012)

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