In der Krise attraktiv: Von der Kunst, in Kunst zu investieren

04.03.2013 | 10:46 |  von Nikolaus Jilch und Nicole Stern (Die Presse)

Das Kunstgeschäft boomt – auch dank der Unsicherheit an den Börsen. Aber der Einstieg will gut vorbereitet sein.

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[Wien] Erwin Wurm, Damien Hirst und Gerhard Richter: Wer kennt sie nicht, diese drei Gegenwartskünstler, deren Kunstwerke teilweise zu schier astronomischen Summen gehandelt werden? Wenn diese Männer Unternehmen an der New Yorker Börse wären – sie stünden wohl auf einer Stufe mit Facebook, Apple, Google. Keine Blue-Chips (das wären Picasso, van Gogh und Klimt) – aber heiße Ware allemal, die vielleicht sogar ein bisschen überbewertet ist. Man kann aber keine Richter-Aktien kaufen und sich nicht an Damien Hirst beteiligen. Selbst ihre kleinsten Stücke sind für Durchschnittsanleger nicht zu bekommen. Der Kunstmarkt hat eben seine eigenen Gesetze – zum Beispiel jenes, dass er in der Krise boomt. Seit 2002 hat sich der Umsatz mit Kunst und Antiquitäten mehr als verdoppelt. „Die Presse“ beantwortet die wichtigsten Fragen zum Thema.

1Für wen ist ein Investment in Kunst
überhaupt interessant?


Sicherlich nur für jene, die auch bereit sind, Zeit zu investieren. Anders gesagt: Interesse an Kunst ist sicher nicht von Nachteil. Kunst nur zu Spekulationszwecken zu kaufen ist möglich, aber nicht sehr empfehlenswert. Denn künftige Auktionspreise vorherzusagen ist unmöglich. Aber: Niedrige Zinsen, Unsicherheit und der Aufstieg neuer Käuferschichten aus den Schwellenländern (China allein ist inzwischen für 23 Prozent des Marktes verantwortlich) haben die Preise in den vergangenen Jahren in immer neue Höhen getrieben.

2Wie wird sich der Kunstmarkt in den kommenden Jahren entwickeln?

Ob der Trend nachhaltig ist, ist freilich schwer zu sagen – und auch Experten können sich irren. „Wir haben schon vor Jahren geglaubt, dass es so nicht weitergehen kann. Aber es ist immer weitergegangen“, sagt Petra Maria Schäpers, Expertin für zeitgenössische Kunst im Dorotheum. Deloitte spricht in einem aktuellen Report zum Kunstmarkt von „explosivem Wachstum“ seit rund zehn Jahren. Der Kunstmarkt profitiert auch von Abwertungswettlauf und Währungskrieg: „Je mehr die Währungen an Wert verlieren, desto interessanter wird die Kunst“, so Schäpers.

3Wie unterscheidet sich ein Kunstinvestment in der Handhabung von Aktien und Co.?


Von Wertpapieren kann man sich schnell trennen, weil man sich dafür bloß vor den Computer zu setzen braucht. Kunst funktioniert eher wie Immobilien – beziehungsweise ein wenig komplizierter. Es braucht Auktionshäuser oder Galerien zum Kauf oder Verkauf. Und weil entsprechende Sammler über verfügbare Werke informiert werden müssen, bedarf es einer gewissen Vorlaufzeit. Erstandene Kunstwerke sollten zudem versichert, mit Sorgfalt behandelt und gelagert werden, was Folgekosten verursacht.

4Kann man auch in den Kunstmarkt
investieren, ohne Kunstwerke zu kaufen?


Ein zynischer Kunstliebhaber hat einmal gesagt: „Kunstsammler sind einfach smarte Menschen, die wissen, wie man Geld macht – und gleichzeitig keine leeren Wände haben.“ Wen leere Wände nicht stören, der kann aber auch „per Papier“ in den Kunstmarkt einsteigen. Auf dem Markt hat sich der „Mei Moses“-Index (berechnet von den Professoren Jianping Mei und Michael Moses) inzwischen als Benchmark durchgesetzt – ein Index, der den breiten US-Aktienindex S&P 500 seit einigen Jahren hinter sich lässt. Es gibt inzwischen mehr als 40 Kunstinvestmentfonds (mehr als die Hälfte davon in China). Die beiden größten (Fine Art Fund und Art Collectors Fund) sind inzwischen mehr als sieben Jahre auf dem Markt.

5Ich will ein Kunstwerk kaufen, habe sogar einen Favoriten – worauf muss ich achten?

Der Zustand eines Kunstwerks ist von immenser Bedeutung. Beschädigte oder lieblos behandelte Arbeiten sind viel weniger wert. Um auf Nummer sicher zu gehen, kann man bei Auktionshäusern einen Zustandsbericht anfordern. Auch kann man sich dort eher darauf verlassen, keinen Fälschungen aufzusitzen. Unbekannte Künstler sind wiederum eine eigene Kategorie: Im besten Fall steigt der Preis ihrer Werke nicht, im schlechtesten verfällt er. Bei jungen Künstlern kann sich ein Kauf wiederum als Glücksgriff erweisen. Es gibt Sammler, die Werke „zum richtigen Zeitpunkt“, also früh und damit günstig, gekauft haben. Einige davon sind heute sehr viel wert, andere nicht. Es gibt dafür keine entsprechenden Regeln“, sagt Schäpers.

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