Wo gibt es die besten Zinsen?

17.03.2013 | 18:06 |   (Die Presse)

Sparprodukte. Banken locken die Kunden mit speziellen „Zinsprodukten“, bei denen die Zinsen während der Laufzeit steigen. Am Ende bleibt dabei mitunter weniger übrig als bei so manchem einfachen Sparbuch.

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Wien/Ker. Für Bankberater sind die Tage nicht gerade einfach. Täglich müssen sie den Kunden erklären, warum es für ihre Sparprodukte aktuell kaum Zinsen gibt. Noch schlimmer: Die Zinsen könnten in den nächsten Wochen weiter fallen, fürchten sie.

In dieser Situation sind die Marketingmanager gefragt– mit der Herausforderung, Kunden trotz niedriger Zinsen anzulocken. Daraus entstehen verlockende Begriffe wie Sprungsparbuch, Kletterzinssparbuch oder Erfolgskapital.

Was steckt hinter diesen Produkten? Welche (realen) Zinserträge können die Banken ihren Kunden bieten? Eine kleine Spurensuche auf dem heimischen Markt.

Wie gesagt, das Sparbuch ist derzeit zinsmäßig kein großer Renner. Bei der Raiffeisenbank in Wien bekommt man für ein einjähriges Sparbuch 0,5 Prozent. Ein Beispiel: Man legt 3000 Euro ein, am Ende bleibt ein Zinsertrag nach Steuern von rund elf Euro übrig. Wenn die Inflation nur bei zwei Prozent liegt, dann erleidet der Sparer einen realen Verlust von über 1,5 Prozent. Bei der Bank Austria gibt es auch 0,5 Prozent, aber sogar für die noch längere Laufzeit von 15 Monaten. Die Volksbank bietet für eine einjährige Bindung zumindest 0,875 Prozent. Der Leiter einer Wiener Filiale warnt: „Damit kann es bald nach unten gehen.“ Aber es gebe einen Ausweg, meint er.

 

Zinsen erst im dritten Jahr hoch

Und da kommen die speziellen Produkte der Banken ins Spiel, wie etwa das Sprungsparbuch der Volksbank. Man zahlt etwa 3000Euro ein und bekommt für das erste Jahr eine Verzinsung von einem Prozent, im zweiten Jahr gibt es 1,25, im dritten Jahr 2,25 Prozent.

Das klingt vernünftig. Was bleibt am Ende übrig? Eine jährliche Nettorendite von fast 1,2 Prozent. Auch damit wird man die Inflation nicht abdecken können. Aber: „Man kann das Geld nach jeder Jahresperiode abheben, ohne dass man eine Zinsbuße zahlen muss“, sagt der Berater. Wenn man nach einem Jahr mit steigenden Marktzinsen rechnet, kann man das Geld auf ein höher verzinstes Sparbuch umschichten.

Auch beim Erfolgskapital der Bank Austria handelt es sich um ein Sparprodukt, dessen Zinsen stetig steigen. Man fängt an bei 0,125 Prozent (p.a.) im ersten Monat, für die nächsten fünf Monate gibt es 0,25 Prozent. Im letzten Monat gibt es 3,2 Prozent. Aber: Diesen Zinssatz gibt es erst im 42.Monat.

Sprich, die Laufzeit für das Produkt beträgt ganze dreieinhalb Jahre. Der Ertrag nach Abzug der Steuer liegt unter einem Prozent jährlich. In den dreieinhalb Jahren häuft der Anleger einen realen Verlust von 3,5 Prozent an (wenn man eine jährliche Inflation von zwei Prozent gegenrechnet).

Zum Vergleich: Bei der Vakifbank bekommt man für ein dreijähriges Sparbuch einen jährlichen Zinssatz von zwei Prozent. Nach Steuer bleibt zumindest ein Ertrag von fast 1,5 Prozent übrig. Zwar mag der Name Vakifbank nach einem exotischen Abenteuer anmuten, das Institut hat aber eine österreichische Banklizenz. Die Spareinlagen sind bis zu 100.000Euro gesichert.

 

Direktbanken zahlen mehr

Bis zu 4,5 Prozent gibt es bei der Bawag mit dem Kletterzinssparbuch. Auch hier erhält der Sparer anfangs niedrige Zinsen, im ersten Jahr sind es 0,5 Prozent. Die steigen jährlich, im sechsten Jahr sahnt er dann die 4,5 Prozent ab. Was bleibt unterm Strich übrig? Jährlich 1,5 Prozent netto. Die Laufzeit von sechs Jahren trübt aber die Freude.

Bei der Denizbank gibt es für ein sechsjähriges Sparbuch einen Zinssatz von 2,5 Prozent. Damit erzielt der Kunde einen jährlichen Ertrag von fast 1,9 Prozent (nach Steuer). Somit macht er mit diesem einfachen Sparbuch der Direktbank mehr Ertrag als mit ausgefalleneren Zinsprodukten der Filialbanken.

Auf einen Blick

Einige Sparprodukte haben zwar verlockende Namen, die Zinsen sind aber bescheiden. Beim Sprungsparbuch der Volksbank erzielt der Kunde einen Nettoertrag von 1,2 Prozent p.a. Das Erfolgskapital der Bank Austria wirft eine Nettorendite von knapp einem Prozent jährlich ab, das Kletterzinssparbuch der Bawag immerhin 1,5Prozent jährlich – bei einer Laufzeit von sechs Jahren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 18.03.2013)

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3 Kommentare

Nutzlos ...

Sind die Zinsen unter dem Kaufkraftverlust, erleidet der Sparer Realverluste; sind sie über diesem Niveau, handelt es sich um einen Risikoaufschlag, der den Totalverlust nahelegt. Sparbücher sind heute ausschließlich für die Liquiditätsreserve gut, sonst zu rein gar nichts mehr.

Diese Sparprodukte helfen nicht...

...das zu Grunde liegende Problem zu beseitigen. Die Zinsen sind zur Zeit so niedrig, dass auch alternative Preisgestaltungen nicht helfen werden. Viel mehr würde ein breiter diversifiziertes Portfolio unter Einbeziehung von Aktien und anderen "risky assets" zur Hebung des Ertrags beitragen (natürlich in Abhängigkeit von Risiko-Toleranz und Anlagehorizont).

Lesen Sie mehr zum Thema Veranlagen und Investieren unter:

http://responsiblepersonalfinance.blogspot.de/

Was bringen mir die höchsten Zinsen, wenn ich meine Einlage nicht vollständig zurück erhalte?


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