Diamanten als funkelnde Wertanlage

Diamanten zählen nicht nur zu den sprichwörtlich besten Freunden einer Frau. Sie erfuhren in den vergangenen Jahren auch schöne Wertsteigerungen. Vor allem dann, wenn es sich um Edelsteine höchster Qualität handelte.

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Diamanten funkelnde Wertanlage
Diamanten funkelnde Wertanlage – (c) EPA (SALVATORE DI NOLFI)

Wien. Es war Mitte Februar und es dauerte bloß fünf Minuten. Einige Männer, schwer bewaffnet und in Polizeiuniform verkleidet, hatten einen der größten Diamantenraubzüge der Geschichte im Sinn. Sie überfielen auf dem Rollfeld des Brüsseler Flughafens einen Werttransporter des Sicherheitsdienstleisters Brink's. Diesem entnahmen sie Päckchen – im Wert von 50Mio. Dollar(39Mio. Euro).

Nicht nur Kriminelle, auch professionelle Händler wie Juweliere wissen um den Wert der zumeist kleinen Edelsteine. Ein Grund, warum auch Anleger einen näheren Blick wagen sollten. Denn der Kohlenstoff hat sich als ziemlich wertbeständig erwiesen. „Man kann sagen, dass Diamanten den Dow Jones in den vergangenen 20Jahren knapp geschlagen haben“, sagt Juwelier und Gemmologe Anton Heldwein.

Für einen lupenreinen Einkaräter (0,2 Gramm) in feinster Farbe müsse man heute zwischen 27.000 bis 30.000 Euro bezahlen.

Besonders kleine Steine von guter Qualität, zwischen einem hundertstel und einem vierhundertstel Karat, hätten in der jüngeren Vergangenheit preislich stark zugelegt, fügt Juwelier Hermann Gmeiner-Wagner hinzu. Der Grund: Die Industrie hat mehr Steine nachgefragt, als auf dem Markt angeboten wurden. Und dass das Angebot zurückgeht, kann durchaus passieren: Zwar wird jährlich eine halbe Lkw-Ladung an Diamanten gefördert, sagt Heldwein. Aber erst wenn die Diamantenpreise entsprechende Höhen erreichen, rentieren sich neue Minen. Bis aus diesen dann Diamanten geborgen werden, vergeht wiederum enorm viel Zeit.

 

Zweikaräter stärker nachgefragt

Wer Diamanten als Geldanlage oder Rücklage begreifen will, dem empfiehlt Gmeiner-Wagner den Kauf größerer Steine (von zumindest einem halben Karat). Ein Rat, dem bereits viele nachgekommen sein dürften. Denn laut Astrid Fialka-Herics vom Auktionshaus Dorotheum habe sich die Nachfrage vor allem für Steine ab zwei Karat erhöht. Wer Diamanten kauft, sollte sie nicht als kurz-, sondern als mittelfristige Investitionen betrachten, die über einen Zeitraum von fünf bis zehn Jahren gehen, sagt Fialka-Herics. Steine von vier oder fünf Karat hätten in den vergangenen 15 Jahren eine Wertsteigerung von zehn bis 15 Prozent erfahren. Freilich, wer in diesem Zeitraum an der Börse ein geschicktes Händchen bewiesen hat, konnte schönere Gewinne einfahren.

Der Preis eines Diamanten steigt jedoch nicht linear mit seiner Größe. Ein Diamant mit einem Karat kostet nicht das Doppelte eines Halbkaräters, sagt Gmeiner-Wagner: „Er kostet das Fünffache.“

Diamanten werden über Diamantenbörsen gehandelt. Dort wird jeder Stein in Augenschein genommen und bewertet, sagt Heldwein. Bestand vor Jahren noch öfter die Möglichkeit, Inhaber eines Blutdiamanten zu werden, so hat sich das seit der Einführung des sogenannten Kimberley-Prozesses verbessert. Denn Rohdiamanten müssen heute zertifiziert werden, bevor sie in die USA oder nach Europa eingeführt werden dürfen.

Wer Diamanten kauft, muss sich auf die Einschätzung eines Experten verlassen. Für eine Begutachtung im Dorotheum zahlt man entweder nach Schätz- oder Zeitwert. Wird der Schätzwert herangezogen, ist ein Prozent dessen an das Auktionshaus abzuführen. Ist der Zeitaufwand in Relation zum Schätzwert zu hoch, wird ein Pauschalbetrag eingehoben. Darüber hinausgehende Dienstleistungen werden extra verrechnet.

 

Internationales Zertifikat wichtig

Ist man beispielsweise Kunde von Gmeiner-Wagner, bekommt man ein internationales Zertifikat gleich mitgeliefert – allerdings erst dann, wenn die Steine mehr als ein halbes Karat haben. Internationale Zertifikate, wie sie beispielsweise das Gemological Institute of America (GIA) ausstellt, sind nicht nur beim Kauf eines Edelsteins hilfreich, sondern vor allem auch dann, wenn Diamanten zu Geld gemacht werden sollen. Genau das ist aber gar nicht so einfach: Denn entweder tritt man den Gang zum Auktionshaus an oder versucht sein Glück bei einzelnen Juwelieren. Ob diese die Steine auch ankaufen, hängt aber nicht nur von ihrem Bedarf, sondern auch von ihrem Willen ab.

Ein Zertifikat beschreibt einen Stein anhand mehrerer Kriterien (4C), die die Qualität eines Diamanten erkennbar machen. Sie lauten: Schliff (Cut), Färbung (Colour), Reinheit (Clarity) – und natürlich Karat (Carat). Lupenrein, von höchstem Reinheitsgrad, ist ein Diamant dann, wenn auch unter zehnfacher Vergrößerung keine Einschlüsse sichtbar sind.

Auch die Farbskala der Edelsteine spielt eine gewichtige Rolle. Sie reicht vom Buchstaben D (hochfeines Weiß) bis O (getönt). Je reiner das Weiß, desto teuer wird der Stein. Aber: Es gibt auch Diamanten natürlicher Färbung. „Da muss man sich genau ansehen, ob es sich um einen sogenannten Fancy-Diamanten oder um einen Stein schlechter Farbqualität handelt“, sagt Fialka-Herics. Am häufigsten kämen Diamanten in braunen Schattierungen vor. Gelbe Steine sind wiederum um 25Prozent teurer als ihre weißen Pendants. Am 18. April gelangt beispielsweise ein knapp 27-karätiger Stein in „fancy yellow“ in eine Dorotheums-Auktion. Der stolze Schätzwert: 380.000 bis 500.000 Euro.

 

Schmuck oder Aktie?

Doch was kauft man im Zweifelsfall lieber? Ein schönes Schmuckstück oder einen Diamanten? „Wenn man einen schönen Solitär-Ring hat, hat man nicht nur täglich Freude daran, sondern gleichzeitig eine gute Geldrücklage“, sagt Gmeiner-Wagner. Fialka-Herics schlägt in die gleiche Kerbe: „Das Schöne an einem Diamanten ist, dass man ihn verarbeiten kann.“

Wer weder mit Schmuck noch Edelsteinen etwas anfängt, kann sein Glück an der Börse suchen. Minenaktien sind hier eine interessante Option. Unterscheiden muss man aber zwischen reinen Diamantenunternehmen oder großen Rohstoffkonzernen.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 02.04.2013)

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