Christian Felber: "Ein Zinsverbot fände ich prima"

07.04.2013 | 18:50 |  von Beate Lammer und Nicole Stern (Die Presse)

Der Attac-Mitbegründer erklärt, warum er nie Wirtschaft studieren wollte und sich um seine Altersvorsorge keine Sorgen macht.

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Wien. Reine Kapitaleinkünfte sind Attac-Mitbegründer Christian Felber ein Dorn im Auge. „Die Presse“ hat ihn befragt, wie er selbst es mit dem Thema Geld hält.

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Die Presse: Sie diskutieren gern über Wirtschaft im Allgemeinen. Wie sieht konkret Ihr Kontostand aus?

Christian Felber: Mein Kontostand ist auch mein gesamtes Finanzvermögen, es bewegt sich zwischen 1000 und 50.000 Euro.

Haben Sie anderes Vermögen?

Ich habe ein kleines Immobilienvermögen: Ich bin in einem Wohngemeinschaftsprojekt eingeschrieben und halte dort einen Grundkostenanteil von 8000 Euro.

Wieso schwankt Ihr Kontostand so stark?

Da Honorare und Tantiemen unregelmäßig eintreffen und ich rhythmisch Rechnungen zahle. Ich habe ein Vier-Personen-Unternehmen, dessen Jahresumsatz sich 150.000 Euro nähert. Da sind diese Schwankungen üblich.

Verdienen Ihre Angestellten gut?

Ich habe einen fix Angestellten sowie eine Vortrags- und eine Kommunikationsmanagerin, die für mich selbstständig arbeiten. Sie verdienen ihrer eigenen Einschätzung nach, wie Sie im Gemeinwohlbericht meines Kleinunternehmens nachlesen können, das, was sie sich vorstellen.

Sie üben viele Tätigkeiten aus: Attac, Vortragstätigkeiten, Tanzen.

Ich habe drei Ehrenämter: Attac, das Projekt Demokratische Bank und der Aufbau der Gemeinwohlökonomie-Bewegung. Mein Hauptberuf ist internationaler Publizist und Referent. Der Tanz dient primär der Gesundheit und Freude. Ab und zu kommt Geld herein, aber das war nie das Ziel.

Sie halten ja sehr viele Vorträge. Da legen Sie sich nichts zur Seite?

Derzeit nicht, weil mir der Aufbau der Organisationen für den gesellschaftlichen Wandel wichtiger ist. Ich habe im Vorjahr rund 20.000 Euro meiner Vortragsvergütungen an den Verein kanalisiert.

Sind Sie ein sehr selbstloser Mensch?

Überhaupt nicht, ich kann meine Grundbedürfnisse gut decken. Ich fühle mich wohler und freier, wenn ich kein Auto besitze. Das Einzige, was bei mir finanziell etwas ins Gewicht fällt, ist, dass ich bei der intensiven Reisetätigkeit nicht so genau schaue, wie teuer ich essen gehe, ob das 15 oder 50 Euro kostet.

Haben Sie keine Angst, Sie könnten im Alter zu wenig auf der Seite haben?

Überhaupt nicht, ich bin als Selbstständiger pflichtversichert. Auch ist mein Beruf so, dass ich bis zu meinem Sterbetag arbeiten kann.

Haben Sie eine Erbschaft in Aussicht?

Meine Eltern haben ein Haus gebaut, aber damit rechne ich nicht. Ich kann mir vorstellen, dass es meine Brüder bekommen.

Was hat Sie zum Globalisierungskritiker werden lassen?

Ein frühes Wahrnehmen der Einheit mit der Natur und allen anderen Menschen auf der Welt. Daraus ergeben sich Werthaltungen: dass Kooperation mehr Sinn hat als Konkurrenz und Teilen wichtig ist. Ich bin katholisch sozialisiert worden und habe den Widerspruch wahrgenommen zwischen dem Anspruch der Nächstenliebe und des Teilens und dem realen Leben der Menschen, die in die Kirche gehen. Ich habe mich für die Arbeit an der Vision entschieden.

Warum haben Sie nicht Wirtschaft studiert?

Bewusst nicht. Ich wollte Universalwissenschaften studieren und musste zur Kenntnis nehmen, dass das nicht geht. Die Wirtschaftswissenschaften sind ein zu dünner Ast geworden. Der Trend zur Mathematisierung stellt eine weitere Verengung dar. Der Ausdruck dafür in der realen Welt ist die Finanzwirtschaft. Das halte ich für gefährlich, aber auch langweilig. Daher habe ich versucht, mich ganzheitlich, aber autodidaktisch zu diesem Thema zu bilden. Das hat offenbar Sinn: Seit 2008 erfülle ich auf Anfrage der Wirtschaftsuniversität Wien einen kleinen Lehrauftrag.

Denken Ökonomen nicht universell?

Die ökologische, demokratische und ethische Einbettung ist zu schwach. Ich frage die Studenten am Anfang immer, ob sie im Rahmen ihres Studiums schon etwas von der Menschenwürde gehört haben: Das war nie ein Thema.

Zu Menschenwürde gehört Freiheit. Ist nicht die Möglichkeit, Privatvermögen zu haben, Ausdruck dieser Freiheit?

Ja, aber das liberale Denken sagt auch: Alle Freiheiten müssen begrenzt werden, wo ein höheres Maß dieser Freiheit die Freiheit der Nächsten einschränken würde. Die einzige Freiheit, die derzeit unbegrenzt ist, ist die Eigentumsfreiheit. Obwohl durch die schrankenlose Gewährung die gleiche Freiheit anderer gegen null geht. Wir sehen das am Beispiel Frank Stronach. Der kauft sich nicht nur einen Fußballklub, sondern einen Parlamentsklub. Das ist der Beginn vom Ende der Demokratie.

Stronach dementiert freilich, dass er Abgeordnete kauft. Aber grundsätzlich: Warum sollte man nicht einen Unternehmer finanziell unterstützen und später, wenn dessen Idee funktioniert, am hohen Gewinn beteiligt werden?

Ich beschreibe ein neues Paradigma, dass Kapital nicht dort eingesetzt wird, wo die größte Finanzrendite fließt, sondern nach dem Kriterium Sinn, Lebensqualität, Gemeinwohlorientierung. Wenn die, die Kapital haben, nirgends mehr eine Finanzrendite bekommen, werden sie das Geld in das sinnvollste Unternehmen investieren.

Sind Sie für ein Zinsverbot?

Das fände ich prima, würde aber nicht nur vom Zins abgehen, sondern von allen Kapitaleinkommen.

Die Realzinsen sind ohnehin schon negativ. Die Inflation frisst die Sparbuchzinsen auf. Finden Sie das gut?

Je angewiesener die Menschen auf ihr Vermögen sind, desto schmerzhafter ist der Verlust. Ziel sollte sein, dass die große Mehrheit so wenig auf ihr Finanzvermögen angewiesen ist, dass ihnen ein- bis dreiprozentiger Kaufkraftverlust nichts ausmacht. Diejenigen, die kein nennenswertes Vermögen haben, trifft das ohnehin nicht. Sie sollten dank entfallener Kapitaleinkommen höhere Arbeitseinkommen genießen. Diese sollten auch steuerlich entlastet werden.

Zur Person

Christian Felber (40) hat die globalisierungskritische Organisation Attac Österreich mitbegründet und das Modell der „Gemeinwohlökonomie“ entwickelt. Der studierte romanische Philologe und Politologe lebt von Vortragstätigkeiten (unter anderem an der Wirtschaftsuniversität Wien), Schriftstellerei und Tanz.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 08.04.2013)

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176 Kommentare
 
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Wirtschaftswissen? Wozu?

Klar, warum der nicht Wirtschaft studiert hat: Er weiß ja eh alles auch ohne einschlägiges Studium besser!
Fachwissen würde da nur stören.

Wie lange nimmt dieser Artikel noch "Platz" weg?

Jetzt gammelt dieser Artikel seit 7.4 herum - ist inhaltlich schwach, hat kaum Postings, aber nimmt am 19.4 noch immer Platz weg. Was will die Redaktion denn hiermit erreichen?

Zinsen vom Balkon

Wer ein wenig Unabhängiger werden will und mehr selbst erzeugen will und somit dem System ein Schnippchen schlagen hier ein Bericht wie Strom selbst am Balkon Strom machen kann:
http://www.br.de/fernsehen/bayerisches-fernsehen/sendungen/abendschau/solarstrom-balkon-energie-100.html

Zinsen sind nicht das Problem! Zinsen auf etwas das jemand noch nicht einmal hat ist das Problem!

Zinsen auf ein Darlehen das man erst durch die Unterschrift des Kunden erzeugt ist das Problem.

Zinsen auf erspartes Geld, das man bereits erwirtschaftet hat ist kein Problem.

Probleme bereiten nur Gaunereien.
Zinsen auf Geld das man erst Schaffen muss sind ein großes Problem.

Re: Zinsen sind nicht das Problem! Zinsen auf etwas das jemand noch nicht einmal hat ist das Problem!

Die von Ihnen angesprochene Giralgeldschöpfung, also Erzeugung von Geld durch gewöhnliche Banken beinahe aus dem Nichts, ist wahrlich eines der größten Verbrechen.

Nichtsdestotrotz muss ich Ihnen bei zweiten Punkt widersprechen. Auch Zinsen auf erwirtschaftetes Geld/Kapital sind ein Skandal.
Es sorgt dafür, dass ein gigantischer Geldstrom fließt.
Von denen, die weniger als ca 1 Mio haben zu denen die mehr als 1 Mio haben.
Alleine in Österreich ca. 40 Mrd pro Jahr. Ein großer Teil wird nicht bemerkt, da im Konsum versteckt. 40-45 % gehen bei jedem Einkauf an die Reichen, weil alle Betriebe in der Lieferkette Zinsen zahlen und einrechnen müssen.

Das geht solange bis einer alles hat und alle nichts.

ethik

warum sollte ethik und wirtschaft denn ein widerspruch sein?

keine zinsen finde ich auch super, jedoch glaube ich nicht dass man eine leistung ohne gegenleistung, sicherheiten, von einer fremden person bekommt, zinsen=risikoprämie.

keine versicherung wird dir einen autoschaden etc zahlen ohne laufende prämien.

kein nachbar wird dir geld borgen wenn er es nicht mehr zurückbekommt, es sei denn du bekommst es "geschenkt".

Re: ethik

respektive "geschenkt"
gerade jene, die etwas zu verschenken haben, wollen gewisse leute noch einmal pietätlos fleddern, bzw die die es erhalten....

....abstrus...

Re: Re: ethik

steuerdiskussion??

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Felber

ist lustig. Gehört in die Kategorie des Beppe Grillo, der auf lustige Weise gerade Italien endgültig fertig machen will.
Bitte öfter solche Scherzartikel!

Manche Artikel verschwinden schnell im Nirwana, warum nicht dieser?


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"die für mich selbstständig arbeiten"

Nun ja, das nennt man gemein hin Scheinselbständigkeit und gemein hin ist das SV-Abgabenbetrug. Sehr kapitalistisch, dieses ATTAC.

das ist doch...

Axl Rose mit neuer Kurzhaarfrisur, oder?

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Neue Ideen

des Herrn Ökonomen kommen doch im altmarxistischen Gewand mit etwas Liberalem Zuckerguss daher (Kaiser und Kleid etc).

Tut leid, die Wirtschaft funktioniert nach ähnlichen Prinzipien seit tausenden von Jahren. Menschen haben Ideen, werden dafür honoriert, wenn diese Ideen aufgegriffen werden und brauchbar sind.

Dazwischen kann, darf und unter Unständen soll man drehen an den Detailrädchen.

Wenn aber ein Kasperl im selbsternannten NGO Dasein die "Neue Weltordnung" verspricht, dann schnell Geschichte lernen und den "Erneuerer" durchleuchten.

In seinem Fall: Siehe oben - Erneuerung durch "Marx-Light".
Danke, habe mich dafür zu intensiv mit Geschichte befasst.

wer laesst den auf die wu?

oder ist dort als Kasperl tätig?

20

Quersubventionierte

vom Schlag dieses "Ökonomen" brauchen auch keine Zinsen - seine "Zinsen" sind wir, die Gesellschaft, die permanent enteigneten Dauerzahler.
Sie haben schon was drauf, die " Erfinder der neuen Räder" - nur rund werden die Räder immer bleiben müssen, sonst laufen sie nicht. Vielleicht nicht für den Herrn Ökonom -

Ps: Mit diesem "Wissenshintergrund" ist natürlich auch die Mathematik entbehrlich.

Guter Mann, aber teils unrealistische Vorstellungen

Sein soziales Engagement finde ich sehr gut!

Aber ein Zinsverbot würde unsere gesamte Weltwirtschaft zum erliegen bringen, da es somit auch keine Kredite und Darlehen mehr gäbe. Massenarbeitslosigkeit und -armut wären die Folgen.

Sinnvoller wäre die Austrocknung von Steueroasen wie den britischen Inseln namens Jersey, Gernsey usw. Somit müsste auch das Großkapital endlich wieder Steuern zahlen.

Re: Guter Mann, aber teils unrealistische Vorstellungen

Ein Zinseszinsverbot wäre hier wohl angebrachter! Der Zinseszins ist das große Verbrechen und nicht der Zins ansicht. Eine Verleihgebühr ist ja kein Drama, doch die Verleihgebühr nochmals mit einer Verleihgebühr zu berechnen ... Alles klar ;)

Re: Re: Guter Mann, aber teils unrealistische Vorstellungen

kannst du Mir bitte den Unterschied zwischen Zins und Zinseszins erklärten?

jetzt bitte nicht Antworten, Zinseszins ist der Zins auf Zinsen!

kaiptal stammt von Gewinn und Gewinn von Kapital ist Zins. jeder Zins ist damit schon Zinseszins.

oder anders, wie willst du den Zinseszins verhindern, darf Gewinn oder Zins niemals weiter eingesetzt werden. selbst eine Investition ist kaiptal und der Gewinn draus wider Zins.

das theoretische zinseszinsverbot wurde außerdem die Geldmenge konstant lassen und damit jedes Wirtschaftswachstum verhindern.

also bitte ich bin gespannt,...

??

Was für ein Pfosten... Scheint mir er hört sich gerne selbst reden.

Re: ??

Danke für ihren sachlichen Beitrag.

Neue Ideen notwendig

Nun, man mag zu den Aussagen von Herrn Felber stehen, wie man mag. Tatsache ist, dass neue Ideen notwendig sind.

So lange Nicht-Leister nur davon leben können, dass sie ihr Geld "arbeiten" lassen, stimmt etwas nicht. Geld kann man nicht arbeiten lassen - es stehen immer Menschen dahinter, die arbeiten. Manche sehr hart für wenig Lohn.

Wenn diese Erkenntnis einmal in breiten Bevölkerungsschichten hochkommt (siehe Artikel: Akademiker wollen nicht in die Privatwirtschaft), spätestens dann bricht eine neue Zeit an. Da bin ich mir sicher.

Re: Neue Ideen notwendig

es gibt auch Nichtleister die andere für sie arbeiten lassen. Mit diesen Ideen wäre Hr. Felber in Nordkorea sehr gut aufgehoben.

Re: Re: Neue Ideen notwendig

Da gabe ich Ihnen völlig recht. Es gibt die Nicht-Leister auch auf der anderen Seite.

Neue Ideen sind daher umso mehr gefragt.

Ohne Zinsen gibt es auch keine Investitionen und am Ende auch kein Einkommen!

Investitionen sind Geldausgaben, von denen man hofft, dass sie zukünftige Erträge bringen, wobei es egal ist, ob man diese Erträge Gewinn oder Zinsen nennt.

Investiert man in ein einziges Projekt, ist das Risiko einer Fehlinvestition mit anschließendem Geldverlust gewaltig. Deshalb gibt man das Geld besser einer Bank, die sich mit diesem vielen Geld an sehr vielen Investitionen beteiligen und damit das Risiko minimieren kann. Dass man dann als Sparer an den Erträgen in Form von Zinsen auch beteiligt werden muss, ist doch selbstverständlich!

Gibt es keine Zinsen, so ist es besser, das Geld in einem Tresor liegen zu lassen, wo es nicht einmal das kleine Verlustrisiko, das man bei einr Bank hat, gibt.

Deshalb ist es völlig utopisch, dass Sparer ihr Geld für Investitionen hergeben würden, wenn sie keine Zinsen bekommen. Ein Abwürgen der Investitionen ist aber gleichbedeutend mit dem Untergang der Wirtschaft, weshalb ein Verbot von Zinsen kein "Gemeinwohl", sondern nur Not und Elend verursachen kann!

Wer Mathematik als "Verengung" sieht, zeigt damit, dass er Schwierigkeiten mit dem logischen Denken hat. Da können sich natürlich leicht unsinnige Ideen, wie die Gemeinwohlökonomie eine ist, entwickeln!


Re: Ohne Zinsen gibt es auch keine Investitionen und am Ende auch kein Einkommen!

Der Zins ist ja OKAY! Nur die "Heilige Kuh" - ZINSESZINS - soll dem einfachen Bürger erklärt werden und dann wirksam geschlachtet und zu Grabe getragen werden.

Eine Verleihgebühr ist ganz gut und richtig, doch diese Verleihgebühr nochmals zu Verzinsen, dass ist das große Verbrechen und keiner wills verstehen.


Re: Re: Ohne Zinsen gibt es auch keine Investitionen und am Ende auch kein Einkommen!

Zinseszins gibt es nur, wenn der Zinsertrag nicht konsumiert, sondern dem Kapital hinzugefügt wird. Dann bekommt man natürlich auch für diesen Teil Leihgebühr.

 
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