Ab wann sich Aktien auszahlen

17.04.2013 | 09:13 |   (Die Presse)

Bei einem Aktieninvestment fallen beträchtliche Kosten an. Ist diese riskante Anlage dann überhaupt noch interessant für Kleinanleger?

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Wien/Ker. Es scheint ganz einfach zu sein. Mit dem Sparbuch erleidet man reale Verluste. Daher soll man auf Risiko setzen, also in Aktien investieren, sagen Anlageexperten. Doch können Kleinanleger überhaupt davon profitieren? Schließlich ist ein Aktieninvestment nicht immer ganz so einfach. Es fallen Kosten an: für Kauf, Verkauf, Depot, Verrechnungskonto. Dann kommen noch Steuern auf Dividenden und eventuelle Kursgewinne hinzu.

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Ein Beispiel: Ein Anleger hat 5000 Euro, um in heimische Aktien zu investieren. Am billigsten geht das über die Onlinebroker, hierzulande etwa über direktanlage.at, Flatex, Brokerjet oder Bankdirekt.

Der Kunde steckt 5000 Euro in fünf verschiedene ATX-Aktien, und zwar mit der vagen Absicht, sie etwa zwei Jahre zu halten. Bei direktanlage.at etwa fallen an Kauf- und Verkaufsspesen des Aktienpakets über 80 Euro an (für Nicht-Neukunden). Dazu kommen Depotkosten von 54 Euro (für zwei Jahre). Die Kontoführungsgebühren (für das Verrechnungskonto) belaufen sich auf 36 Euro (für zwei Jahre). Somit muss dem Anleger klar sein, dass allein die Kosten über 170 Euro ausmachen. Das sind immerhin knapp 3,5 Prozent des Aktieninvestments. Freilich: Je mehr Geld man investiert und je größer die Positionen sind, desto geringer schlagen sich die Kosten prozentmäßig zu Buche. Doch rechnen sich auch schon so kleine Aktieninvestments? Wie hoch müssen die Aktienkurse steigen und die Dividenden ausfallen, damit der Anleger Gewinn macht?

Inflation knabbert Erträge an

Dazu ein Beispiel: Der Anleger steckt von den 5000 Euro etwas mehr als 1000 Euro in Aktien der OMV (ISIN: AT0000743059). Mit der Absicht, die Aktien – wenn möglich– zwei Jahre zu halten. Den Kosten steht hier eine üppige Dividende gegenüber. Für 2012 wird eine Dividende von 1,20 Euro pro Aktie ausbezahlt. Das entspricht einer Dividendenrendite von rund 3,3 Prozent (brutto). Brutto deswegen, weil noch Steuern abgezogen werden. Ein Szenario: Der OMV-Aktienkurs steht in zwei Jahren auf dem gleichen Niveau wie heute. Der Anleger hat zwei Mal eine Dividende von 1,2 Euro pro Aktie kassiert. Hat er dank der Ausschüttung einen Gewinn erzielt? Ja, und zwar von knapp über einem Prozent. Glück gehabt. Die Kosten sind hier niedriger als die Nettodividende. Die Aktie könnte in zwei Jahren um ein Prozent fallen, ohne dass der Anleger einen Verlust macht.

Aber: Das heißt noch lange nicht, dass sein Geld vor einem Kaufkraftverlust geschützt ist. Eine Annahme: Die Inflationsrate liegt bei zwei Prozent jährlich. Sollte der OMV-Kurs auch in zwei Jahren bei knapp 37 Euro liegen, würde der Anleger einen realen Verlust von mehr als 2,5 Prozent erleiden.

Schlussendlich muss die Aktie des Mineralölkonzerns schon deutlich über drei Prozent steigen. Erst dann hat das Investment keinen realen Verlust gebracht. Daran erkennt man wieder: Ohne Risiko gibt es keine Rendite. Wer sein Geld vor einem Kaufkraftverlust schützen will, muss somit ein beträchtliches Wagnis eingehen.

Dividenden allein helfen nur bedingt

Wie ergeht es dem Anleger, wenn er in eine Aktie investiert, die keine so üppige Dividende abwirft? Etwa die Aktie von Wienerberger (ISIN: AT0000831706). Da bekommt er eine Dividende von 12 Cent pro Aktie. Berechnet auf den aktuellen Kurs beträgt die Dividendenrendite nur knapp 1,2 Prozent. Wenn nun der Anleger 1000 Euro in Wienerberger-Papiere steckt und zwei Jahre hält, dann übersteigen die Kosten die Nettodividende deutlich. Sollte der Kurs in 24 Monaten auf dem gleichen Niveau stehen und die Inflation zwei Prozent p.a. ausmachen, erleidet er einen realen Verlust von 5,5 Prozent. Mit anderen Worten: Der Wienerberger-Kurs muss um über sechs Prozent steigen, damit der Anleger überhaupt einmal seine Kosten und die Inflation abdecken kann.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.04.2013)

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19 Kommentare

Wer in Aktien investieren möchte,

wird in den ersten 10 Jahren viel Lehrgeld bezahlen.
Besonders in diese Zeiten kann das schnell zu großen Verlusten führen.

Es droht an den Börsen wieder eine zyklische Baisse- Phase!

Im Zeitalter der finanziellen Repression, gibt es eigentlich keinen sicheren Hafen mehr. Auch beim Gold wird gerade von mächtiger Stelle versucht dieses zu diskreditieren.

Die Finanzmärkte werden heute von Tradern aller Art dominiert. Diese jagen die Kurse hinauf und hinunter und versuchen von den Differenzen zu leben.
Als Investor ist man da fast Freiwild und die Profis bezeichnen die Kleinen nicht zu unrecht als Schafe, die regelmäßig geschoren werden.


Ab wann sich Aktien auszahlen

das Problem ist das die Aktien so ziemlich ausgelutscht sind in Europa. Eine Wertsteigerung ist in den seltensten Fällen möglich.
Bei genauer Betrachtung sind Aktien für die man sein Geld hinlegt nichts anderes als eine Versozialisierung der Betriebe ohne das man mitreden kann. Ähnlich wie ein Kombinat. Es gehört dem Volk. Nur das es hiefür eben kein Papier gab als Gegenleistung für sein Geld.

Früher hat es nie so viele AG`s gegeben, die, die da waren haben auch sehr gut gearbeitet.

Man kann schon Aktien kaufen aber man muß sich sehr gut informieren über die AG, vor allem darüber welche Innovationen hat sie in der Schublade. Das ist etwas schwierig aber es geht. Der Umsatz ist noch kein Gewinn. Wenn eine AG sehr viel Umsatz hat aber keinen Gewinn dann lieber die Finger davon lassen.

AG`s tragen zur Entkapitalisierung des Volkes bei. Geld geht nie verloren, es wechselt nur seinen Besitzer.

Immer über den großen Teich schauen, dort wird anders gehandelt.


Re: Ab wann sich Aktien auszahlen

Tolle Meinung, gibt's die auch mit Ahnung?

Re: Ab wann sich Aktien auszahlen

Viele Worte - viel Schwachsinn.

Re: Re: Ab wann sich Aktien auszahlen

Kennt jemand von Euch Aktienexperten = Monopolyspieler das Buch Gradidio?

Flatex

Dann geh halt zu flatex, keine depotführungsgebühren und ca. 10€ pro order. Wenn man dann noch in chargen von 2000€ investiert, fällt das ganze kaum mehr ins gewicht...

Aktien sind Super!

Das gilt besonders dann, wenn man selber sie AG gegründet hat und die Aktienmehrheit hält. Dann braucht man sich nur noch selber ordentlich ums Unternehmen zu kümmern, vielleicht 10 Jahre mit geringen Privatentnahmen die Eigenkapitalquote UND das Wachstum optimieren, dann kann man unglaubliche Erträge erwirtschaften. Die Spesen spielen auch kaum eine Rolle, die Gründung ist gar nicht so kompliziert.

Aktien zu kaufen und dann zu hoffen, dass ein Fremder eine hervorragende Leistung für den anonymen Aktionär erbringt, sich selber zurücknimmt, das bleibt ein Hoffnung für naive Menschen. Wenn man sich die ATX Unternehmen anschaut (3 Jahre, 5 Jahre) dann haben die Vorstände und Aufsichtsräte meist auch real sehr gut verdient, die Aktionäre real ordentlich abgebissen.

Vermögen verpflichtet und sollte selber verwaltet werden. Das Vermögen sollte zu Gunsten der Gesellschaft eingesetzt werden und so verwaltet werden, dass es langfristig einen Nutzen hat, vielleicht sogar der Nutzen erhöht wird. Dann entwickelt sich das Vermögen auch ganz nett.

das ist Österreich

überall wird abgezockt .... in Deutschland ist dieses ganze Therma rund um Aktien, Depotkosten etc. erheblich billiger ... in Österreich wird einfach überall ebgezockt wo es nur geht ... hab gerade 2 neue Autos angemeldet ... fast 400 € Kosten, in D kostet mich diese Aktion unter € 100,--

Re: das ist Österreich

Ja, das Auto anmelden ist ein herrliches Beispiel. Die Arbeit wurde an die Privaten ausgelagert, trotzdem kassiert sei Staatlichkeit um die 80% der Gebühren!

Aktien können Sie aber auch in Ö spesenoptimiert verwalten.

Gut, dass die irren Spesen vom Aktienhandel + Steuern endlich mal angesprochen wurden

Selbst online Broker (ausser flatex vielleicht) cashen hier ziemlich ab.

Bei kleineren Beträgen ist es halt immernoch am besten, man steckt sein Geld in ein fades uU gesperrtes Sparbuch.

Re: Gut, dass die irren Spesen vom Aktienhandel + Steuern endlich mal angesprochen wurden

Wesentlicher aus meiner Sicht ist, dass Aktienkurse die dumme Angewohnheit haben, zu steiegen oder zu fallen. Und das weiss man vorher nunmal nicht. Das wiederum erfordert *zwingend* eine getestete Strategie, die alle Komponenten eines Trades umfasst.
Somit auch (und vor allem) Stop-Strategien, Money-Management etc.

Tut man all das nicht, ist das Ergebnis nachweislich reiner Zufall. Und da man getrost davon ausgehen kann, dass die überwältigende Mehrzahl von "Kleinanlegern" diesen Aufwand nicht treiben wird, ergibt sich der logische Schluss, dass in diesen Fällen das Casino der bessere Platz ist. Dort erfährt man das Ergebnis auch schneller und muss nicht 2 Jahre warten.

Re: Re: Gut, dass die irren Spesen vom Aktienhandel Steuern endlich mal angesprochen wurden

So ein blödsinn, schon mal von value investing gehört?

Re: Re: Re: Gut, dass die irren Spesen vom Aktienhandel Steuern endlich mal angesprochen wurden

Natürlich. Haben Sie einen Nachweis über einen statistisch signifikanten Erfolg vieler unterschiedlicher Anleger in vielen unterschiedlichen Märkten in vielen unterschiedlichen Zeitfenstern?

Statistisch betrachtet (und nur darauf wollte ich im o.a. Posting hinaus) ist diese "Anlagestrategie" genauso erfolgreich wie Fibonacci-Folgen, Mondphasen oder dartwerfende Affen.

Aber es ist im Grunde ein Streit um des Kaiser´s Bart. Ernsthaftes Value Investing macht man auch nur indem man richtig viel Zeit investiert. Macht kaum jemand, also - siehe oben...

dieses finanzsystem ist ein korruptes system das nur dazu dient die menschen zu betrügen

und wer da mitspielt hat es verdient dass er verliert

Re: dieses finanzsystem ist ein korruptes system das nur dazu dient die menschen zu betrügen


Bin ja absolut kein Freund jenes Turbokapitalismus, der uns die jetztige Krise und in Folge die hohen Staatsschulden etc. bescherte.

Aber so wie sie reagiert/denkt ein völlig Unwissender. Denke, dass sie auch nicht die Substanz haben, da "mit zu spielen".


Re: dieses finanzsystem ist ein korruptes system das nur dazu dient die menschen zu betrügen

Sie haben recht. Gehalt am minimalst verzinsten Konto liegen lassen.

Und die Bank die Drecksarbeit machen lassen. Da fühlt man sich gleich besser.

Re: Re: dieses finanzsystem ist ein korruptes system das nur dazu dient die menschen zu betrügen

Die Bank muss die Drecksarbeit machen? ... Solln doch einfach zusperren diese sinnlosen, unproduktiven Geldklau-Institute.

Re: Re: Re: dieses finanzsystem ist ein korruptes system das nur dazu dient die menschen zu betrügen

Dann tragen's Ihr Geld halt mit der Scheibtruchn spazieren.

Re: Re: Re: dieses finanzsystem ist ein korruptes system das nur dazu dient die menschen zu betrügen

In einer Marktwirtschaft würden Sie als Konsument entscheiden. In einer Planwirtschaft würde das die Partei entscheiden.
Sie werden zugeben müssen, dass wir zweiterem näher sind;-)
Die Regierungsparteien - also die demokratisch gewählten - haben sich entschieden, nicht zuzusperren. Was Sie also in Ihrer Funktion als Wähler fordert.

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