Niedrige Zinsen locken zum Hauskauf

Immobilien. Wohnungskäufer führen derzeit die Altersvorsorge und die niedrigen Zinsen als Motive an. Der Wunsch, Miete zu sparen, verliert relativ an Bedeutung.

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Wien/B.l. Wer im Internet eine Wohnung oder ein Haus zum Kauf sucht, hat in erster Linie seine Altersvorsorge im Blick. Das geht aus dem jüngsten Immobilienbarometer hervor, einer Umfrage unter 3700 Kaufinteressenten aus Österreich und Deutschland, die von der Onlineplattform Immobilienscout24 durchgeführt worden ist: 51Prozent der Befragten denken beim Immobilienerwerb an ihre Altersvorsorge. Unter jenen, die eine Immobilie als Kapitalanlage suchen, ist dieses Motiv mit 56 Prozent stärker ausgeprägt. Auch bei jenen, die ein Haus oder eine Wohnung zur Eigennutzung suchen, sind es knapp mehr als die Hälfte.

Doch während die Interessenten vor drei Jahren als zweitwichtigstes Motiv angaben, Mietzahlungen vermeiden und deswegen Eigentum erwerben zu wollen, so haben sich nun die niedrigen Zinsen auf den zweiten Platz vorgearbeitet. Hatten vor drei Jahren erst 39 Prozent der Wohnungssuchenden diese als Motiv angeführt, so waren es zuletzt 44 Prozent. Bei jenen, die eine Immobilie zur Geldanlage suchen, liegt der Anteil sogar bei 55,7 Prozent. Patrick Schenner, Geschäftsführer von Immobilienscout24, führt das darauf zurück, dass die Kreditbelastung (je nach Höhe der Fremdfinanzierung) derzeit vielfach kaum höher als der Mietpreis sei.

 

Häuser gelten als Inflationsschutz

Doch machen die historisch niedrigen Zinsen Immobilien auch für jene Anleger attraktiver, die mit einem sehr hohen Eigenmittelanteil kaufen: Zwar ist die Rendite, die sich mit Immobilien verdienen lässt, in den vergangenen Jahren deutlich zusammengeschrumpft, da die Preise stärker gestiegen sind als die Mieten. Doch werfen andere Investments (etwa Sparbücher oder Anleihen) derzeit negative Realrenditen ab. Aktien und Gold unterliegen starken Schwankungen. Das lässt Mietrenditen von drei Prozent attraktiv erscheinen, auch wenn diese noch durch Steuern und Nebenkosten angeknabbert werden.

Der Wunsch, Mietzahlungen zu vermeiden, hat gegenüber 2010 leicht an Bedeutung verloren. Statt 42 Prozent kaufen nun nur noch 40Prozent aus diesem Grund. Ursache dürfte sein, dass Mieten im Vergleich zum Kauf einer Wohnung relativ günstiger geworden ist, auch wenn die Mieten absolut betrachtet anziehen. Der Wunsch, vom Vermieter unabhängig zu sein, ist indes gewachsen: 31 Prozent wollen aus diesem Grund Eigentum erwerben, vor drei Jahren sind es 28 Prozent gewesen. Auch die Überzeugung, dass Immobilien krisensicher seien, hat sich gegenüber 2010 verstärkt. 25 Prozent führen dieses Motiv als Kaufgrund an. Unter jenen, die zwecks Geldanlage kaufen, sind es gar 44,6 Prozent.

Weitere Motive sind Inflationsschutz (15), mangelndes Vertrauen in andere Investments (13), Familiengründung (13) sowie die Tatsache, dass man größere Geldbeträge zu veranlagen hat (zwölf Prozent).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.04.2013)

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