Niedrige Zinsen locken zum Hauskauf

21.04.2013 | 19:21 |   (Die Presse)

Immobilien. Wohnungskäufer führen derzeit die Altersvorsorge und die niedrigen Zinsen als Motive an. Der Wunsch, Miete zu sparen, verliert relativ an Bedeutung.

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Wien/B.l. Wer im Internet eine Wohnung oder ein Haus zum Kauf sucht, hat in erster Linie seine Altersvorsorge im Blick. Das geht aus dem jüngsten Immobilienbarometer hervor, einer Umfrage unter 3700 Kaufinteressenten aus Österreich und Deutschland, die von der Onlineplattform Immobilienscout24 durchgeführt worden ist: 51Prozent der Befragten denken beim Immobilienerwerb an ihre Altersvorsorge. Unter jenen, die eine Immobilie als Kapitalanlage suchen, ist dieses Motiv mit 56 Prozent stärker ausgeprägt. Auch bei jenen, die ein Haus oder eine Wohnung zur Eigennutzung suchen, sind es knapp mehr als die Hälfte.

Doch während die Interessenten vor drei Jahren als zweitwichtigstes Motiv angaben, Mietzahlungen vermeiden und deswegen Eigentum erwerben zu wollen, so haben sich nun die niedrigen Zinsen auf den zweiten Platz vorgearbeitet. Hatten vor drei Jahren erst 39 Prozent der Wohnungssuchenden diese als Motiv angeführt, so waren es zuletzt 44 Prozent. Bei jenen, die eine Immobilie zur Geldanlage suchen, liegt der Anteil sogar bei 55,7 Prozent. Patrick Schenner, Geschäftsführer von Immobilienscout24, führt das darauf zurück, dass die Kreditbelastung (je nach Höhe der Fremdfinanzierung) derzeit vielfach kaum höher als der Mietpreis sei.

 

Häuser gelten als Inflationsschutz

Doch machen die historisch niedrigen Zinsen Immobilien auch für jene Anleger attraktiver, die mit einem sehr hohen Eigenmittelanteil kaufen: Zwar ist die Rendite, die sich mit Immobilien verdienen lässt, in den vergangenen Jahren deutlich zusammengeschrumpft, da die Preise stärker gestiegen sind als die Mieten. Doch werfen andere Investments (etwa Sparbücher oder Anleihen) derzeit negative Realrenditen ab. Aktien und Gold unterliegen starken Schwankungen. Das lässt Mietrenditen von drei Prozent attraktiv erscheinen, auch wenn diese noch durch Steuern und Nebenkosten angeknabbert werden.

Der Wunsch, Mietzahlungen zu vermeiden, hat gegenüber 2010 leicht an Bedeutung verloren. Statt 42 Prozent kaufen nun nur noch 40Prozent aus diesem Grund. Ursache dürfte sein, dass Mieten im Vergleich zum Kauf einer Wohnung relativ günstiger geworden ist, auch wenn die Mieten absolut betrachtet anziehen. Der Wunsch, vom Vermieter unabhängig zu sein, ist indes gewachsen: 31 Prozent wollen aus diesem Grund Eigentum erwerben, vor drei Jahren sind es 28 Prozent gewesen. Auch die Überzeugung, dass Immobilien krisensicher seien, hat sich gegenüber 2010 verstärkt. 25 Prozent führen dieses Motiv als Kaufgrund an. Unter jenen, die zwecks Geldanlage kaufen, sind es gar 44,6 Prozent.

Weitere Motive sind Inflationsschutz (15), mangelndes Vertrauen in andere Investments (13), Familiengründung (13) sowie die Tatsache, dass man größere Geldbeträge zu veranlagen hat (zwölf Prozent).

("Die Presse", Print-Ausgabe, 22.04.2013)

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10 Kommentare

es gibt einige probleme mit dieser

von den notenbanken verursachten situation.
a) es gibt eine blase und es wird zu einer wertberichtung kommen - darunter wirds die banken und natuerlich kreditnehmer treffen siehe usa und spanien
b) es wird der tag kommen an dem die notenbanken kein geld mehr drucken koennen und den markt nicht mit geld ueberschwaemmen koennen und projekte werden nicht vollendet
c) sobald die notenbank die inflationsmanipulation und zinsmanipulation nicht mehr aufrechthalten koennen weil es schon der letzte es kapiert hat und der us-anleihenmarkt platzt werden die zinsen steigen- jene die variable sind wirds treffen aber so wie ich die bankenpolitsozimafia einschaetze wird der staat zum schutze der banken ein gesetz erlassen womit fixkreditzinsen auf das neue niveau angepasst werden kann womit wieder die banken schoen brav aus dem schneider sind....

Re: es gibt einige probleme mit dieser

die bank gewinnt IMMER. basta.

Bei jetzigem Preisniveau

ist eine Blase nur noch Frage der Zeit. Bei erwartbaren Rendit von 1,8% Brutto bei einer Vermietung ohne Leerstand erfordert hohen Mut von Investor. Es sei denn, man diversifiziert sein Geld in verschiedenen Investmentklassen wenn man viel Geld hat. Das ist ein einzig noch vertretbarer Argument bei Anlagerwohnung. Ansonst kann man locker mit Wohnbauanleihe bessere Rendit erwirtschaften ohne Stress und Aerger mit saeumigen Mietern. An- und Verkauf per Mausklick. Transktionkosten 0,2% gegenueber 10% Transaktionkosten bei einer Wohnungskauf.

bei diesen aufgeblasenen Immobilien Preisen würd ich eher warten.

Ob es sinnvoll ist....

Mit Eigenkapital ja
Info
http://www.youtube.com/watch?v=8OPSF2_htNM&feature=player_embedded

Re: Ob es sinnvoll ist....

viel spass bei einem lastenausgleichsgesetz.

Feig

Immobilien zur geldanlage, das ist feig.
Wie waers wenn die Investoren in Innovation investieren wuerden, anstatt mit ihren Anlageimmobilien die Preise in die hoehe zu schrauben und denen, die ohnehin nix haben, das geld aus der Tasche zu ziehen.
Wer Cojones hat investiert in was sinnvolles, in Wertschoepfung im echten Sinn des wortes und nicht in umverteilung.

Re: Feig

Ich halte es weniger für feig, eher für dümmlich. Die Investitionsentscheidung leitet sich weniger aus Renditeüberlegungen ab, sondern mehr daraus, daß das immer schon der Traum der Land- und Vorstadtjugend war. (Bin selbst Landei, keine Sorge.)
"Irgandwaunnamol... do kaaf I mia a Haus. Nochand hob I's gschofft!"

Es ist wohl eines der unattraktivsten Anlagegüter überhaupt:

1. kostet das Klump einen Haufen in der Anschaffung
2a. hängt es direkt am Leitzins
2b. "Na na, nehmen's doch den variablen Zinssatz, der ist so schön niedrig."
Und 15 Jahre später boomt der Markt, der Zins fährt um 5% hoch... fein.
3. hängt der Normalverbraucher 20-25 Jahre am Gängelband
4. ist der Eigentumserwerb kompliziert verbehördet
5. fallen merkwürdige Steuern für den Erwerb an
6. gfrettet man sich mit dem Erhalt
7. gibt es tausend zusätzliche Vorschriften

Ertragsseite:
8. der Verkauf zieht sich über ewige Zeiten hin - Zielgruppe ist klein
9. Lageabhängigkeit ist ein Luder
10. scho wieder der Leitzins
11. Die Vermietung - ein Quell steter Freude: Mieterschutz, Leerstände, Mietnomaden, Thermen- und Fensterstreit, Betriebskostenabrechnungstheater, Hausverwaltung - lauter Themen, die mehr von glücklichem Zufall denn von sorgfältiger Auswahl bestimmt werden können.

Sie haben recht, Investition in Innovation. Besser für die Rendite, besser für die Gesellschaft.

Re: Re: Feig

eich is scho bewusst, dass es ohne investoren auch keinen markt für mieter gäbe? kasperln.

Immobilien sind vermutlich als Geldanlage nur bedingt geeignet.

Sobald der Staat krachen geht, wird den unsrigen ESM Befürwortern eine Sondersteuer auf Immobilien einfallen. Eine kleine Anregung: 50 € pro m² und Jahr. Damit diese Herrschaften weiterhin unser Geld versenken können.

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